#VinylCorner Nr. 8: August 2016

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Schluck: Welle des Grauens! (Foto: www.schallplatten-zubehoer.de)

Wellengang ist eine feine Sache, besonders in den Ferien – das Rauschen des Meeres, schäumendes Weiß. Wer hat nicht Lust, bei wolkenfreiem Himmel und 30 Grad in die Brandung zu springen? Lediglich Vinylfreunde scheinen ein gestörtes Verhältnis zu diesem Naturspektakel zu haben. Warum nur?

Ein Frage, die sich leicht beantworten lässt. Im Normalfall ist eine Schallplatte plan und flach wie eine Scheibe – also praktisch so, wie die Erde ohne die Erkenntnisse Galileo Galileis. Falsche Lagerung, Hitzeeinwirkung oder Druck können allerdings dazu führen, dass sich Vinyl verformt und dann auf dem Plattenteller einen erheblichen Schlag aufweist. Mitunter führt dies dazu, dass die LP sich gar nicht mehr abspielen lässt. Besonders ärgerlich ist das natürlich, wenn nagelneue Platten wellig auf einem Plattenspieler landen. Diese Erfahrung mussten zahlreiche Kunden mit den kürzlich veröffentlichten remasterten Neuauflagen der Peter Gabriel-Alben „So“, „Us“ und „Up“ machen. Nicht wenige machten sich diesbezüglich mit Beschwerden auf Händler-Websites und in diversen Vinyl-Foren Luft. Wie es dazu gekommen ist, wird man als Kunde wohl nicht erfahren. Standen die LPs vor der Auslieferung tagelang auf Paletten in der prallen Sonne, oder ist der Fehler schon im Presswerk aufgetreten? Mögliche Gründe gibt es viele. JPC hat die drei besagten Alben inzwischen aus dem Sortiment genommen.

Ähnliche Probleme sind bei der Veröffentlichung des neuen Blues-Pills-Albums aufgetreten, zumindest bei einer der farbigen Auflagen scheint es Probleme mit der Qualität der Pressungen gegeben zu haben. Im Zusammenhang mit mangelhafter Pressqualität von LPs gab es kürzlich einen verstörenden Post auf der Facebook-Seite von JPC, in dem man auf gehäufte Kundenbeschwerden zu einer LP hinwies. Das dort angesprochene Label brachte allerdings eine etwas eigenwillige Lösungsstrategie ins Spiel: JPC möge doch bitte negative Kundenkommentare und Bewertungen löschen. So kann man auch Probleme zu lösen versuchen. Zwar werden weder das Label noch ein Produkt von JPC namentlich genannt, mit etwas Recherche lässt sich das jedoch leicht heraus finden.

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Schwarzes Gold, hier zweckentfremdet. Verabscheuungswürdiges Sakrileg oder gut verschmerzbar? (Bild: Henrik Kropp)

Einen ganz anderen Verwendungszweck, für den sich insbesondere Schallplatten der Flippers zu eignen scheinen, hat Kollege Henni kürzlich auf der Kanareninsel Fuerteventura auf einem Markt entdeckt. Schick sehen sie aus, diese Handtaschen. Man stelle sich aber vor, es wäre eine seltene Erstpressung von „Abbey Road“ oder „Pet Sounds“ unwissentlich für diese Handwerkskunst verwendet worden – es würde Vinylfreunden sicher Tränen in die Augen treiben. Ein näherer Blick auf die auf dem Foto zu erkennenden Labels führt aber zur Entwarnung. Da kann man nur sagen: das Beste, was einer Flippers-Platte passieren kann.

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„Meddle“, schon wieder neu aufgemöbelt: Besonders „Echoes“ schlug früher mal mächtig Wellen. Eh klar, unverzichtbar! (Bild: networking-media.de)

Womit wir schließlich bei demnächst zu erwartenden neuen Vinyl-Scheiben angekommen wären. Der 23. September ist dick im Kalender angestrichen, denn er markiert die Veröffentlichung des neuen Marillion-Albums „F.E.A.R.“. Auf Vinyl erwarten wir das Werk als schwarze Doppel-LP und die Seiten 1, 3 und 4 werden jeweils von einem Longtrack ausgefüllt. Das 16-minütige ‚The New Kings‘ kann man bereits als Download kaufen oder auf YoutTube  in einer gekürzten Version antesten.

Ein großes Thema sind natürlich weitere Reissues aus dem Hause Pink Floyd, fünf Alben werden in den nächsten Wochen neu aufgelegt. Am 26. August kommen zunächst „The Wall“ und „The Division Bell“ wieder in den Handel, beide waren allerdings auch schon in jüngerer Vergangenheit als LP-Reissues erhältlich.

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Guckst Du, Alter. Und dann bitte gleich zur Kasse: „Atom Heart Mother“, wunderschön neu aufpoliert (Bild: networking-media.de)

Am 23. September kommen „Atom Heart Mother“, „Obscured By Clouds“ und „Meddle“ remastered auf den Markt – alle in dieser restaurierten Version bislang nicht auf Vinyl erhältlich. Man darf hoffen, dass sie den Qualitätsstandard der kürzlich besprochenen Floyd-Wiederveröffentlichungen halten.

Fans der Prog-Metaller Dream Theater dürfen sich im Herbst auf die Wiederveröffentlichung der Klassiker „Falling Into Infinity“ auf durchsichtigem Vinyl (26.08.) , „Metropolis Part II“ auf gelbem Vinyl (21.10.), sowie auf „Once In A Livetime“ auf blauem Vinyl (23.09.) freuen. Erscheinen werden die Alben beim holländischen Reissue-Label „Music On Vinyl“, das einen sehr guten Ruf hat. Darüber hinaus stehen eine ganze Reihe Boxsets für gut gefüllte Geldbeutel vor der Veröffentlichung. Darunter sind Led Zeppelin mit den „Complete BBC Sessions“ auf fünf LPs, Sting mit seiner „Studio Album Collection“ auf elf LPs, und David Bowie mit der 13 Longplayer umfassenden Box „Who Can I Be Now 1974-1976“.

Zu guter Letzt sei noch ein nützliches Werkzeug vorgestellt, das den Genuss von Schallplatten vor allem für Vinyl-Neueinsteiger möglicherweise deutlich hörbar verbessern könnte: Die Rede ist von der „Dosen-Libelle“, einer kleinen Wasserwaage zum Ausrichten des Plattenspielers. Dass ein Plattenenspieler absolut waagerecht aufgestellt sein sollte, wird häufig vernachlässigt, Augenmaß allein reicht dazu nicht aus. Mit der Libelle lässt sich dieses Ziel relativ leicht erreichen. Notfalls muss man schon mal einen Bierdeckel unterlegen, um einen Plattenspieler in waagerechte Postition zu bringen – insbesondere lästige Verzerrungen und zischende S-Laute sollten dann nur noch selten auftreten.

In diesem Sinne: MP3s sind niemals ausverkauft, dafür ist Vinyl für immer.

Kürzlich besprochene Vinyl-Veröffentlichungen:
Karmakanic – Dot
Bear’s Den – Red Earth & Pouring Rain
Steve Hackett – The Charisma Years 1975-1983

PS: Alle bisher erschienenen Vinyl-Knusperecken.

PPS: Eine weitere leckere Ecke auf BP.de.

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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#VinylCorner Nr. 8: August 2016

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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