#VinylCorner Nr. 6: April 2016

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RSDEs scheint so, als würden am 16. April für Plattensammler Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen: Der jährliche Record Store Day steht an. Auf der Homepage des RSD Germany findet man alles Wissenswerte über Veröffentlichungen (#RSD16 – Countdown und Veröffentlichungsliste), Live-Veranstaltungen und teilnehmende Plattenläden. Zeitgleich findet im niederländischen Utrecht die 45. Record & CD Fair statt. Die zweitägige Veranstaltung (16-17. April) gilt als größte Schallplattenbörse weltweit und ist Pilgerstätte für unzählige Vinyl-Aficionados. Insbesondere dann, wenn man auf der Suche nach einer seltenen Scheibe ist, besteht hier die größte Chance, dass einer der ca. 500 Händler aus aller Welt das Objekt der Begierde anbietet. Sicherheitshalber sollte man das nötige Kleingeld in der Tasche haben, denn die Preise für Raritäten ziehen derzeit wieder einmal an.

Auch wenn viele Klassiker nach und nach wieder aufgelegt werden, zählen für die wahren Sammler nur die Originale. Gerade jüngere Sammler und Neulinge werden von besonders „cleveren“ Händlern gerne einmal ordentlich über den Tisch gezogen. Beispiel: Eine vermeintliche deutsche Erstpressung des David-Bowie-Klassikers „Ziggy Stardust“ von 1972 in tadellosem Zustand entpuppt sich bei näherer Betrachtung als schnöde Nachpressung aus denRecordplanet-april-2016 frühen Achtzigern. Der Händler weist auf das „(P) 1972“ auf Hülle und Label hin, um seiner Behauptung Authentizität zu verleihen, obwohl damit lediglich das Jahr der Copyright-Stellung dokumentiert wird. Dass der auf dem Label abgedruckte Code LC 0136 erst 1976 eingeführt wurde, verschweigt er geflissentlich. So leicht lässt sich selbstverständlich nur ein Neuling hinters Licht führen und um 50 Euro leichter machen. Oft hilft nur fundiertes Wissen über Bestellnummern, Preiscodes, Gravuren in den Auslaufrillen der Platten oder kleinste Unterschiede im Design der Hüllen, um ein Original von einer Nachpressung zu unterscheiden. Genaue Informationen findet man in der Regel auf Discogs.

LMC_0739Nachdem wir in der letzten VinylCorner über die Rückkehr des berühmten Plattenspielers Technics Sl-1200 berichteten, haben wir jetzt etwas ganz Besonderes aufgestöbert: Die italienische Firma Audio Deva betreibt zur Zeit ein Kickstarter Projekt, um die Serienproduktion eines tellerlosen Plattenspielers zu finanzieren. Das hört sich kurios an, es handelt sich aber nicht um einen verspäteten Aprilscherz. Ein Hingucker ist der ATMO SFERATM allemal. Spontan stellt sich allerdings die Frage, wie der ATMO SFERATM mit Platten umgeht, die einen Höhenschlag haben. Hier kommt ein anderes feines Gerät ins Spiel: Die Seite Vinyl-Fan.de berichtet über den Schallplattenbügler „Flat. der Firma AFI und macht dazu auch gleich einen Feldversuch. Bis zum 22. April besteht die Gelegenheit, eine Schallplatte für diesen Test zur Verfügung zu stellen. Auf das Ergebnis dieses Tests sind wir außerordentlich gespannt.

Zurück zu den schwarzen und gelegentlich auch andersfarbigen Scheiben. Was steht insbesondere für die Prog-interessierten Vinyl-Fans in näherer Zukunft auf dem Einkaufszettel? Scott Munro vom PROG-Magazin gab kürzlich Details zu einem Vinyl-Boxset von Steve Hackett bekannt, das Hacketts kompletten Charisma-Katalog abdeckt und obendrein noch ein Live-Doppelabum und eine Live-EP enthalten wird. Veröffentlichungstermin ist der 27. Mai 2016.

fates-warning-euro-lpEine ganz besondere Wiederveröffentlichung steht von den altgedienten Prog-Metallern Fates Warning ins Haus. Die Werke „Awaken the Guardian“ und „Night on Bröcken“ werden in verschiedenen limitierten Varianten neu aufgelegt. Da die Band beim Keep-It-True-Festival 2016 (29./30. April in Lauda-Königshofen) in Originalbesetzung auftritt, gibt es jeweils eine Variante nur am  Merch-Stand des Festivals.

Auch das legendäre Album „Am Fenster“ der Ost-Rocklegende City erscheint am 15. April neu auf Vinyl und zwar in Rot, der Lieblingsfarbe der DDR. Günstig zu haben ist die Scheibe derzeit beim Online-Versender JPC,  in dessen Vinyl-Schnäppchen-Bereich sich auch etliche Prog-relevante Scheiben tummeln.

Zu guter Letzt sei noch auf einen Online-Umfrage zum Thema Vinyl hingewiesen. Die Initiatoren dazu: „Im Rahmen unserer Bachelor-Arbeit mit dem Titel “Abhängig von der Plattennadel: Warum verführt Vinyl wieder zum intensiveren Konsum?” am Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden interessieren wir uns für die Nutzungsmotive der Schallplatte in der heutigen Zeit.“ Wer ca. zehn Minuten Zeitaufwand verschmerzen kann, klickt bitte hier.

Übrigens: Wenn eine MP3 knistert, wurde sie wohl von Vinyl gerippt. In diesem Sinn – let it spin!

Zuletzt hier besprochene Vinyl-Veröffentlichungen:
Pearl Jam – „Vs.“
Them – „Again“
Ihre Kinder – „Werdohl“
Placebo – „Sleeping With Ghosts“
Mike Oldfield – „The Killing Fields“
Mike Oldfield – „The 1984 Suite“
Mike Oldfield – „Discovery“
Shearwater – „Jetplane And Oxbow“
Deep Purple – „Perfect Strangers“
Deep Purple – „Burn“
Roger Waters – „The Wall“

Abbildungen: RSD Germany, Recordplanet.nl, Audio Deva, Metalblade-Records

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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#VinylCorner Nr. 6: April 2016

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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