Martigan und Mindgames, 26.02.16, Das Rind, Rüsselsheim

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Zwei echte Größen des Neo-Prog auf den „Das Rind„-Dielen! Das Kulturzentrum mit Café und Veranstaltungsraum in Rüsselsheim etabliert sich in der Rhein/Main-Region immer mehr zum Progtempel. Was Florian Haupt und seine Mitstreiter in regelmäßigen Abständen auf die Bühne holen, lässt jedes Liebhaberherz doppelt schnell schlagen. Sicherlich nicht zu unterschätzen ist auch die Rolle von Oliver Wenzler, der seit der Gründung von Progressive Promotion Records (PPR) viel Herzblut bei der Verbreitung von guter progressiver Musik vergossen hat. PPR hat auch den Vertrieb des neuen Longplayers „Distant Monsters“ von Martigan übernommen. Da schließt sich der Kreis zum folgenden Konzertbericht…

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Um 20:30 Uhr starteten Mindgames ihren fünfundsiebzig Minuten dauernden Gig. Das Hauptaugenmerk lag auf der Vorstellung der neuen CD „Paradox Of Choice„. Gestartet wurde fulminant mit ‚The Whistle Blower‘ und ‚The Age Of Plenty‘. Der Sound war von Anfang an sensationell gut. Danach stellte der charismatische Sänger Bart Schram die Combo vor. Der neueste Bandzugang, Sandro Starita an der E-Gitarre, bekam hier schon kräftigen Szenenapplaus. Ausgesprochen frisch bearbeitete Tom Truyers die Keyboards. Maximilian von Wüllerstorff zupfte unauffällig, aber präzise zuarbeitend den Bass. Von den drei Alben „International Daylight“ von 2002, „Actors In A Play“ von 2006 und „MMX“ von 2010 wurde je ein Song gespielt. Mit wenigen Utensilien schaffte es Bart, den Songs noch mehr Ausdruckskraft zu verleihen. So kam er als Gangster, mit Hut und Sonnenbrille, auf die Bühne, oder bei ‚Revenge of the Wizzard‘ mit Spitzhut und Augenmaske. Was live immer wieder zu etwas Besonderen macht, sind unvorhergesehene Dinge. Am heutigen Abend war es das Geburtstagsständchen ‚Happy Birthday To You‘ für den agil aufspielenden Drummer Benny Petak. Ihm wurde nach Konzertende gegen 21:45 Uhr ein von allen anwesenden Zuschauern, Servicepersonal und der Band Martigan unterschriebenes Snare-Fell überreicht.
Das Fazit fällt positiv aus – die Belgier legten Spielfreude an den Abend und nahmen die Zuschauer gerne auf die Reise ihrer durchdachten Kompositionen mit.

Mindgames

Tom Truyers – Tasten

Mindgames

Mindgames

Mindgames

Benny Petag – Schlagzeug

Mindgames

Bart Schram – Vocals & Armwaves (Eigentext)

Mindgames

Maximilian von Wüllerstorff – Bass

Mindgames

Sandro Starita – Gitarre

Mindgames

Bart Schram – Vocals

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bis 22:30 Uhr dauerte es, bis Martigan aus dem Bonner Raum auf die Bühne kamen. Erstaunlicherweise war der Sound nicht so gut wie zuvor bei Mindgames. Die Rheinländer begannen mit einer druckvollen Version von ‚The Pride‘ vom genialen Album „Man Of The Moment“ von 2002. Danach lag auch bei diesem Gig des Hauptaugenmerk auf der aktuellen CD. Bis auf ‚Take Me Or Leave Me‘ wurde das komplette Album analog zur Reihenfolge auf dem Silberling vorgetragen. Der Auftritt von Kai Marckwordt am Mikrofon, ab und an mit Gitarre bewaffnet, ist ja schon legendär. Alex Bisch übertraf sich beim heutigen Auftritt selber. Das war das beste Schlagzeugspiel, das ich von ihm bisher vernommen hatte. Druckvoll und präzise. Sein Bruder Björn Bisch kann ohne Zaudern als Gitarrenderwisch bezeichnet werden. Seine gefühlvollen Töne aus der linken Ecke entlockten mehreren Zuschauern mehrfach laute, wohlige Schreie. Oliver Rebhan versprühte wie immer gute Laune an seinen Tasten. Sein Spiel macht viel von der Magie von Martigan aus. Nicht zu vergessen der fröhlich aufspielende Mario Koch am Bass und beim Song ‚On Tiptoe‘ an der Klarinette.

Mit Strahlkraft, präzise und druckvoll, gute Laune verbreitend und fröhlich aufspielend. Ungefähr 80 interessierte Fans taten sich dieses Highlight des Neo-Prog an. Damit erschien „Das Rind“ nicht leer, aber alle hatten reichlich Platz. Allen Beteiligten wäre allerdings zu wünschen, dass diese wundervolle Musik – von begnadeten Musikern vorgetragen, von den Enthusiasten der Veranstaltungshalle und von PPR organisiert – mehr Beachtung findet. Einer der Musiker fragte mich, warum die progressive Musik solch ein Nischendasein fristet – die Frage geben wir gerne an die verehrte Leserschaft weiter.

Martigan

Mario Koch – Bass, Oboe

Martigan

Martigan

Martigan

Oliver Rebhan – Keyboards

Martigan

Martigan

Martigan

Kai Marckwordt – Vocals

Martigan

Björn Bisch – Gitarre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Surftipps:

Das Rind in Rüsselsheim
der Newsletter von Das Rind
Mindgames
Martigan
Progressive Promotion Records

 

Setlist Mindgames:
– The Wistle Blower – The Age Of Plenty
– Destination Sky – Revenge Of The Wizzard
– Requiem For A Dancing World
– Dramatis Persona
– The Sands Of Time
– Beggars Breakfast
– From A Drones Perspective (Zugabe)

 

Setlist Martigan:
– The Pride
– Thedor’s Walls – Lion
– Simplicius
– Complicius
– The Lake
– On Tiptoe
– Fire On The Pier
– Much More (Zugabe)

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Über den Autor

Klaus Bornemann

mit 12 Jahren wurde ich so langsam an die Art-Rock Beatmusik geführt (so hieß das damals, ehrlich). Im Radio gab es noch die legendäre "LP-Hitparade" auf "SWF3". Deep Purple, Emerson, Lake and Palmer und die Earth Band waren meine ersten Lieblingsgruppen. Später folgten Pink Floyd und Queen. Anfang des neuen Jahrtausends war klar, die Ära der intelligenten Rockmusik mit längeren Stücken ist vorbei. Aber weit gefehlt. Bei einem YES-Konzert bekam ich einen Empire/InsideOut-Sampler in die Hand. Dort waren unter anderem Spocks`s Beard und Flower-Kings Stücke drauf. Seitdem bin ich neu infiziert und freue mich über die Kreativität der "neuen" Bands.

1 Kommentar

  1. Horst Straske am

    Habe schon erheblich schlechter besuchte Prog-Konzerte erlebt. Es sieht aus, dass für so kleine Bands von Mindgames und Martigan nicht mehr drin ist. Steve Rothery hat im letzten Jahr das Rind zwar restlos ausverkauft. Wenn man aber bedenkt, in welchen Hallen er früher gespielt hat, ergeht es ihm nicht anders als den Amateurbands. Da stimmt die Relation wieder, auch wenn das natürlich unbefriedigend ist. War übrigens ein schönes Doppelkonzert, das einem die ganze Breitseite des Neoprogs geboten hat. Habe selten eine Band wie Mindgames gesehen, die derart unbeirrt in die Klischeekiste des melodischen Progrogrocks gegriffen hat. Das hatte auf jeden Fall seinen Charme, wobei Martigan allein schon spieltechnisch den Belgiern überlegen waren.

    Die Tatsache, dass viele Fans für das Konzert einen recht weiten Weg auf sich genommen haben, spricht dafür, dass die kleine Szene lebt. Ohne die weiter Angereisten wäre es wohl eines der Konzerte gewesen, bei denen man die Anwesenden locker durchzählen kann, um dann später zu erfahren, dass man dabei auch die Verwandten und Bekannten der Musiker sowie die Leute des Clubs mitgezählt hat.

    Gruß
    Horst

    PS: Habe dich beim Notieren der Setlist und beim Fotografieren gesehen.

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Martigan und Mindgames, 26.02.16, Das Rind, Rüsselsheim

von Klaus Bornemann Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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