Frank Zappa – Roxy The Movie

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Frank Zappa - Roxy The Movie(68:58, CD + DVD, Eagle Vision/Zappa Family Trust, 2015)
Viele Jahre galt der legendäre Livemitschnitt von Frank Zappa And The Mothers aus dem Roxy in Los Angeles als so etwas wie der heilige Gral unter Zappas Aufnahmen. Vor allem das 1974 veröffentlichte Album „Roxy & Elsewhere“ – es enthält größtenteils Ausschnitte aus den Auftritten im Roxy, die im Dezember 1973 bei Auftritten an unterschiedlichen Tagen entstanden – gehört zu den bei Fans beliebtesten Platten aus dem umfangreichen Zappa-Kosmos. Die damalige Besetzung, die neben Frank Vincent Zappa aus Ruth Underwood (Percussion), Ralph Humphrey (Schlagzeug), George Duke  (Keyboards, Synthesizer, Gesang), Tom Fowler (Bass), Bruce Fowler (Posaune), Napoleon Murphy Brock (Saxophon, Flöte, Gesang) und Chester Thompson  (Schlagzeug) bestand, beeindruckte durch ihre Virtuosität und hohe Musikalität, bei gleichzeitiger Spontaneität, Spielfreude und vor allem durch gehörige Selbstironie.

Die Auftritte wurden seinerzeit auch mit vier Kameras aufgezeichnet. Bei der Synchronisation zwischen Ton und Bild lief einiges schief, was man dummerweise erst bemerkte, als die Aufnahmen schon im Kasten waren. Noch zu Lebzeiten versuchte Zappa mehrfach vergeblich, Bild und Ton miteinander in Einklang zu bringen. Weil der Ton aber in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und immer wieder wechselnd asynchron zum Bild vorlag, schien es dem Perfektionisten unmöglich, ein veröffentlichungswürdiges Ergebnis abzuliefern. Mit moderner digitaler Technik konnte dieses Problem gelöst werden, sodass jetzt mit mehr als 40(!) Jahren Verspätung ein rund 80-minütiger Zusammenschnitt der zu Recht kultisch verehrten Gigs auf DVD bzw. Blu-ray und CD vorliegt.

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Zappa hatte (nicht nur) in dieser Phase die Idee, die besten Passagen aller Auftritte zu kombinieren. Um nicht erkennen zu lassen, von welchem Abend eine Sequenz stammt, war die Band in immer gleicher Bekleidung aufgetreten. So vermittelt „Roxy The Movie“ nun tatsächlich den Eindruck eines zusammenhängenden Konzertes. Und was man nach so langer Zeit zu sehen bekommt, lässt einem den Mund offenstehen: Die Band spielt geradezu erschreckend perfekt und mit ansteckend guter Laune, die den Betrachter förmlich in das Geschehen hineinzieht. Die Bühnendekoration fiel eher spartanisch aus – es sind die großartige Interaktion der Musiker und ihre solistischen Ausschmückungen, die mitreißen. Zu guter Letzt bekommt man den bereits von „Roxy & Elsewhere“ bekannten ‘Be-Bop Tango’ endlich mit sichtbarer Publikumsresonanz geboten. So wird klar, was Zappa einst dazu bewegte, “nette” Kommentare wie: „Carl, you’re wonderful but you’re just too reserved“ loszulassen.

Natürlich kann man wieder über die eigenartige Veröffentlichungspolitik des Zappa Family Trust diskutieren. So beinhaltet die DVD nicht alle damals entstandenen Aufnahmen, zumindest als Bonusmaterial wäre dies wünschenswert. Außerdem sind DVD bzw. Blu-ray und CD inhaltlich nicht identisch, und auf dem bereits 2014 erschienenen, ebenfalls empfehlenswerten „Roxy by Proxy“-Album – ebenfalls mit Aufnahmen dieser Auftritte – sind teils nochmals andere Titel enthalten. Davon abgesehen verfehlt diese beeindruckende, souverän durchdachte und immer sehr lässig wirkende Mixtur aus energetischem Rock, verspieltem Jazz Rock, moderner Klassik, Avantgarde, Blues und zappaeskem Humor auch nach so langer Zeit ihre Wirkung nicht. Das Warten hat sich gelohnt!
Bewertung: 14/15 Punkten

Surftipps zu Frank Zappa:
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Zappanale

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

1 Kommentar

  1. Christoph Firmenich am

    Sehr schöner Bericht mit einem kleinen Makel ( 😉 ), ich glaube ich muß nach der Kritik wohl wieder mal Geld locker machen um dieses Kunstwerk zu Erwerben.

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Frank Zappa – Roxy The Movie

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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