Devin Townsend Project – Ziltoid Live At The Royal Albert Hall

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Devin Townsend Project - Ziltoid Live At The Royal Albert Hall(63:21 + 48:03 + 49:28 + DVD, CD/DVD, InsideOut/Universal, 2015)
Das Wort Bescheidenheit gehört zumindest auf den ersten oberflächlichen Blick nicht gerade in den Wortschatz von Devin Towsend. Der Kanadier neigt gerne zu bombastischem Größenwahn und maßloser, aber auch augenzwinkernder Übertreibung, selbst wenn er in der Vergangenheit zwischendurch Alben produzierte, wie z.B. das spartanische „Ki“ (2009) oder das Ambient-Album „Ghost“ (2011), die eine ganz andere Seite von ihm offenbarten. Doch letztendlich lieben ihnen seine Fans vor allem für seinen Wahnsinn unter der Maßgabe „Larger than life“.

Gerade deshalb wurde auch für den über mehrere Monate minutiös geplanten Auftritt in der prestigeträchtigen Londoner Royal Albert Hall alles aufgefahren, was zu den typischen Townsend-Merkmalen zählt. Die Show um die Musical-artige Umsetzung von „Dark Matters“, dem durchgeknallten zweiten Teil der Geschichte um den wahnwitzigen Außerirdischen Ziltoid, ist in jeglicher Hinsicht komplett übertrieben und überdreht. Der orchestrale, sinfonische Progressive Metal präsentiert sich optisch überladen und opulent ausgestaltet. Da fehlt es weder an eigenartigen Charakteren, wie z.B. der von Dominique Leonore Persi (Stolen Babies) dargestellten War Princess oder dem Hauptdarsteller Ziltoid (in seiner Darstellung mal nur auf Video, mal als Puppe, mal durch einen schauspielenden Bühnendarsteller), noch an einer aufwändigen Bühnenshow. Dazu kamen eine gnadenlos und begeisternd losbretternde Band sowie ein Chor – allesamt dem Anlass entsprechend in Einheitskleidung gesteckt.


Im zweiten Teil des Konzerts wird die optische Komponente etwas zurückgefahren, dafür bekommt man einen nahezu „normalen“ Gig mit einem sehr guten Querschnitt durch beinahe die vollständige „HevyDevy“-Diskografie geboten. „Normal“ eben deshalb, weil die Setlist durch die Abstimmung der Fans entstand und man damit auch selten bzw. bisher noch gar nicht live präsentiertes Material zu hören bekommt. Dennoch ist die Auswahl recht repräsentativ, wobei besonders das 1997er-Album „Ocean Machine: Biomech“ ausgiebig berücksichtigt wurde, aber auch Tracks wie z.B. ‚Christeen‘ (vom 1998er-Album „Infinity“), ‚Earth Day‘ (vom 2001er-Album „Terria“) oder ‚Deadhead‘ (vom 2003er-Album „Accelerated Evolution“) nicht fehlen.

Dass die Umsetzung eine Spur zu perfekt geraten ist, sodass man sich mitunter fragt, ob alles was man hier in Perfektion sieht und hört auch wirklich live gespielt wurde und es sich nicht um Einspieler handelt bzw. man Nachbesserung vornahm, ist nur eine kleine Randnotiz. Letztendlich stimmt die Umsetzung, und durch die überaus sympathische, sich durch ein großes Maß an Selbstironie und echte, fast schon kindliche Freude auszeichnende Darbietung wirken Devin Townsend und seine Mitstreiter niemals zu abgehoben, sondern immer noch sehr geerdet und absolut authentisch. Im wahrsten Sinne des Wortes Rockstars zum Anfassen.


Diese Art sich nicht zu ernst zu nehmen, aber dennoch die eigene Musik immer sehr ernsthaft zu präsentieren, führte über die Jahre sicherlich auch dazu, dass Townsend auf jede Menge Fans rund um den Globus bauen kann. Denn welcher Künstler schafft es schon, allein durch die Unterstützung seiner großartigen Fans sogar die Royal Albert Hall zu füllen? So merkt man Townsend sowohl bei seinen Ansagen als auch bei der Präsentation immer wieder diebische Freude an – hier zeigt sich grenzenlose Begeisterung über das, was er zusammen mit seinen Fans über das Jahre hat entstehen lassen. Großes, episches Kino für Augen und Ohren!

Das Ganze ist in verschieden Formaten verfügbar. Zur Rezension diente das 3CD- und DVD-Paket. „Ziltoid Live …“ ist aber auch als Blu-ray-Paket und als Special-Edition-Digipak mit drei CDs, einer DVD sowie einer Blu-ray mit der gesamten Show plus Bonusmaterial erhältlich.
Bewertung: 13/15 Punkten

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu „normaler“ Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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