Advent – Silent Sentinel

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Advent_Silent Sentinel(77:29, CD, Eigenveröffentlichung/JustForKicks, 2015)
Advent stammen aus den USA, gegründet von Henry Ptak und Alan Benjamin. Letzterer war übrigens bei der zwischenzeitlichen Reunion der US-Band Mirthrandir ebenfalls mit dabei. Ihr erstes Album erschien bereits 1997 auf dem italienischen Mellow Records Label. Nach längerer Pause kehrten sie 2006 mit dem Album „Cantus Firmus“ zurück, weitere neun Jahre dauerte es bis zum aktuellen Werk. Der Statistiker in mir gibt dann auch gleich eine erwartungstreue Schätzung für das Erscheinungsjahr für Album Nummer 4 ab, nämlich 2024. Sehr bedauerlich, wenn es tatsächlich so lange dauern würde, denn Advent wissen zu überzeugen.

Der kurze instrumentale Opener ‚In Illo Tempore‘ wirkt zwar bedächtig, strahlt aber eine leise, bedrohliche, Unheil verkündende Atmosphäre aus und passt mit der tickenden Uhr im Hintergrund, die thematisch geschickt eingeflochten wird, perfekt zum Albumcover. Ein guter Start in dieses interessante Album. Mit dem nachfolgenden ‚To Dunsinane‘ wird klar, woher der Wind weht. Aufmerksames Lesen der Danksagungen in den Liner Notes hätte ebenfalls einen entsprechenden Hinweis geliefert, nämlich in Form der Abkürzung GORGG. Dies steht für „Global On-Reflection Giant Gathering“ und benennt ein jährliches Treffen einer Liste namens “On Reflection“, die sich, man ahnt es schon, der Musik von Gentle Giant verschrieben hat. Eine Band, die es schon lange nicht mehr gibt und die LEIDER zu der raren Spezies zählt, die es eben nicht zu einer Reunion hat kommen lassen (wenn man die Three Friends nicht hierunter fassen mag, d. Schlussred.). Die aber immer noch über eine treue Fanschar verfügt. Insgesamt tummeln sich 15 Titel auf diesem randvoll gepackten Album, davon einige Instrumentalnummern. Mal sind diese keyboardbetont, mal ein Duett aus akustischen Gitarren oder auch mit leichten Fusiontendenzen versehen. Nach dem instrumentalen Start zeigen sie hier ihre Stärken in den Gesangsarrangements. Verschachtelte Satzgesänge und fein arrangierte Chorgesänge gehören zum Standardprogramm von Advent. Diesbezüglich beweisen sie ihr Geschick mehr als nur einmal auf „Silent Sentinel“. Song Nummer 3, ‚On The Wings Of An Ant (Verse 1)‘, klingt gesangstechnisch, als ob Richard Sinclair einen von Kerry Minnear komponierten Gentle Giant-Titel singen würde. Diese sonore Stimme ist ein weiteres Merkmal von Advent. Die GG-Einflüsse werden aber nicht nur in den Gesangsarrangements deutlich, sondern gelten auch für den instrumentalen Bereich. Das variable Spiel an akustischen und elektrischen Gitarren, die Tastenarbeit, der gelegentliche Einsatz von Blockflöte und Geige oder auch Glockenspiel – das passt alles perfekt in dieses Bild.

Mit dem Titelsong haben sie auch einen 19-minütigen Longtrack am Start, bei dem neben besagten Gentle Giant in einigen Passagen auch ganz eindeutig Genesis durchschimmert. Was auch nicht unbedingt überraschen muss, denn der neue Gitarrist Greg Katona< spielte zuvor in einer Genesis-Coverband namens Foxtrot.

Auch wenn Gentle Giant eindeutig als Haupteinflussgröße identifiziert werden kann und die GG-typischen, vertrackten Arrangements aus der Musik von Advent nicht wegzudenken sind, so sollte ebenso bedacht werden, dass die Amerikaner den Melodiefaktor nicht zu kurz kommen lassen. Es gibt viele schöne Parts zu notieren, der Retro-Fan dürfte hier ebenso gut bedient werden wie Freunde des Canterbury Genres. Interessant wäre es zu erfahren, wie Advent klingen, wenn sie ihrer Musik noch einen Schuss Härte hinzufügen würden. Die Chance dazu haben wir dann vermutlich in neun Jahren. Ob sie sich dann noch mal steigern können, bleibt abzuwarten. Jedenfalls ist das aktuelle Album ihr bislang bester Output.

Ihrer Diskographie sind übrigens noch diverse Teilnahmen an Tribute-Alben hinzuzufügen, so beispielsweise auf „Giant For A Life“, einem – Überraschung! – GG-Tribut Album auf dem oben bereits erwähnten Mellow Records Label. Aber auch auf einem der Inferno-Boxen aus der Colossus Reihe sind sie vertreten.
Bewertung: 12/15 Punkten (JM 12, KR 13)

PS: Fans von Gentle Giant oder beispielsweise Argos sollten viel Freude an diesem Album finden können. Und da die Beteiligten so ausgezeichnet musizieren, seien sie an dieser Stelle auch mal ausführlich erwähnt. So viel Zeit muss sein, sie haben es sich schließlich verdient.

Henry Ptak : keyboards, mandolin, percussion, lead and backing vocals;
Mark Ptak : keyboards, percussion, lead and backing vocals;
Alan Benjamin : guitars, bass, violin, mandolin, recorder, glockenspiel, keyboards, percussion, backing vocals;
Greg Katona : guitars, percussion;
Joe D’Andrea : drums, percussion, lead and backing vocals;
Brian Mooney : fretted and fretless basses.

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von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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