Exovex – Radio Silence

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Exovex-Cover-300x275(43:39, CD, JustForKicks, 2015)
Hinter dem Projekt Exovex steckt der amerikanische Musiker Dale Simmons. Da es auf seiner Homepage so schön erläutert ist, sei auch gleich der Name dieses Projektes an dieser Stelle erklärt. Simmons geht es mathematisch an. Schlabbert man das f zu einem v, so geht es hier um x of x in Anlehnung an eine mathematische Funktion. Diese ist üblicherweise f(x), die klar vorgibt, welcher Wert dem x zugewiesen wird. Hier ist aber auch die Funktion unbekannt, also x(x), Ex-of-ex. Worauf will der gute Mann also hinaus? Es geht ihm anscheinend um die unbekannte kreative Variable, und dass man bei x(x) nie weiß, was am Ende heraus kommt. Ebenso wohl auch nicht, was bei Umsetzung seiner Ideen mit anderen Musikern wohl am Ende entsteht.

Der Mann aus South Carolina hatte bereits in den 90ern als Frontmann in diversen Bands agiert, wobei die musikalischen Ausrichtungen Prog ebenso wie Jazz und Funk umspannten. 1999 zog es ihn dann für sieben Jahre nach Europa. Er baute sich in den französischen Alpen ein kleines Studio auf und erweiterte sein musikalisches Spektrum. Am Ende stand eine Solo-CD mit dem Titel “No Real Direction“. Ob man diesen Titel wörtlich zu nehmen hat, entzieht sich der Kenntnis des Rezensenten. Jedenfalls war dies wohl ein wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung des Künstlers, der schließlich wieder in die Staaten zurück ging und auch dort wieder ein eigenes Studio einrichtete.

Exovex_2Simmons erweist sich als Multitalent und spielt fast alles im Alleingang ein: sämtliche akustischen und elektrischen Gitarren, Bass, Tasteninstrumente – und er ist für den Gesang zuständig. Das erinnert schon stark an die kürzlich besprochene Tiger Moth Tales Scheibe, geht aber musikalisch in eine etwas andere Richtung. Während Peter Jones alias Tiger Moth Tales eindeutig von Steve Hackett beeinflusst wurde, zitiert Simmons als Inspirationsquellen Steven Wilson, Peter Gabriel und David Gilmour.

Und gleich der exzellente neunminütige Opener ‘Stolen Wings‘ legt nahe, dass hier jemand im Fahrwasser eines Herrn Wilson unterwegs ist. Besser gesagt, auf den Spuren von Porcupine Tree, denn hieran erinnert dieser Song gar sehr. Und um noch einen draufzusetzen, spielt auf dieser Nummer als Gast auch ein gewisser Richard Barbieri an den Tasten mit. Der Rhythmus ist glücklicherweise nicht programmiert, stattdessen konnte Simmons exzellente Drummer für sein Projekt gewinnen, die sich auf die insgesamt sechs Songs des Albums verteilen. Neben Gavin Harrison (Porcupine Tree, King Crimson) sind dies noch Keith Carlock (Toto, Steely Dan, Sting etc.) und Josh Freese (A Perfect Circle, Devo, The Vandals, NIN). Zusätzliche Farbtupfer bringt Nicole Beely an Cello und Geige ein.

Das Niveau des Eröffnungssongs wird auf den weiteren Titeln zwar nicht ganz gehalten, trotzdem dürfte sich Simmons in gewissen Fankreisen mit diesem Album durchaus ins Gespräch bringen können. Bisweilen geht es ziemlich vital zur Sache, die Gitarre dominiert oft, und es gesellt sich teils aggressiver Gesang hinzu, wenn Simmons seine Texte förmlich herausbrüllt. Aber auch leise Passagen und sanfte Arrangements gehören zum Programm, wie beispielsweise im feinen Intro des 9 ½-minütigen ‘Seeker’s Prayer‘. Hier erinnert die gefühlvolle Gitarre tatsächlich an Pink Floyd. Allerdings sollte man nicht so weit gehen, dieses Album gleich jedem Floyd-Fan ans Herz zu legen, denn diese Einflüsse halten sich dann doch in Grenzen. So entwickelt sich besagte Nummer schließlich zu einem flotten Alternative Rock Song. Nach einer knappen Dreiviertelstunde lässt sich feststellen, dass Simmons ein knackiges, sympathisches Album gelungen ist, bei dem keine Langeweile aufkommt und er im Übrigen auch mit guter Stimme punkten kann. Am Ende packt er im exzellenten ‘Daylight (Silent Key)‘ noch ein grandioses Gitarrensolo aus, und schon fällt dann doch wieder kurz der Name Floyd. Auch dieser Titel zeigt eindrucksvoll die kompositorischen Fähigkeiten des Amerikaners auf und macht neugierig auf die nächsten Veröffentlichungen.
Es liegt nahe, x/x Punkten zu geben, aber es sollte dann doch etwas genauer sein.
Bewertung: 11/15 Punkten (JM 11, KR 12)

Surftipps zu Exovex:
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Exovex – Radio Silence

von Juergen Meurer Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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