Jethro Tull – Minstrel In The Gallery (40th Anniversary La Grande Edition – 2CD/2DVD Medien-Buch)

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Jethro-Tull-Minstrel-In-The-Gallery_foto(CD 1 76:25, CD 2 77:22, DVD 1 202:05, DVD 2 163:25, Chrysalis Records/Warner Music; 1975/2015)
Das achte Studioalbum von Jethro Tull – erstveröffentlicht in Europa am 5. September 1975 – war nach dem schwächeren Vorgänger „War Child“ von der musikalischen Qualität wieder auf einer Stufe mit „Benefit“ oder „A Passion Play“ einzuordnen. Das Tull-Quintett spielt hier seit „Thick As A Brick“ zum vierten Mal eine Scheibe in derselben Besetzung ein – so allerdings auch zum letzten Mal. Der Nachfolger „Too Old To Rock’n‘ Roll…“ bot anstatt Jeffrey Hammond dann John Glascock am Bass.

Die nochmalige Veröffentlichung von „Minstrel In The Gallery“ nach 40 Jahren führt die seit der „Thick As A Brick“ eingeschlagene akustische, visuelle und haptisch anspruchsvolle Qualität von Jethro Tull Re-Releases weiterhin fort. So werden die CDs und DVDs wieder in einem 19,5 cm x 15,5 cm x 2,5 cm großen Buch mit vorzüglich gestalteten 80 informativen Seiten eingefasst. Außerdem darf man sich wieder auf die klangliche Restauration durch Steven Wilson freuen, der sich seit Jahren auch zu einem der besten Toningenieure der Szene gemausert hat. So hat er das Originalalbum mit sieben Bonustracks in Stereo sowie das Originalalbum mit zwei Bonustracks in 5.1 Surround remixt. Als weiteren Soundfachmann mit audiophilem Anspruch konnte man King Crimson-Gitarrist Jakko Jakszyk gewinnen, der ein bisher unveröffentlichtes Konzert aus dem legendären ‚Palais Des Sports‘ in Paris vom 5. Juli 1975 in 5.1 Surround und Stereo remixt hat. Jakko hat überwiegend positive Kritiken für seinen Stereo-Remix von ELPs „Brain Salad Surgery“ geerntet – sein 5.1-Mix kam allerdings nicht überall genau so gut an.

CD 1 startet mit den Tracks der ursprünglichen Minstrel-Veröffentlichung in der neuen Version der Steven Wilson Klangbearbeitung. Zusätzlich gibt es sieben Stücke, wovon sechs bisher unveröffentlicht sind. Da gibt es unter anderem die B-Seite der ‚Minstrel‘-Single ‚Summerday Sands‘, eine Frühversion von ‚Requiem‘ oder die BBC-Einspielungen von ‚Minstrel In The Gallery‘, ‚Cold Wind To Walhall‘ und ‚Aqualung‘.

CD 2 bietet das von Jakko Jakszyk remixte Pariser Konzert von 1975. Hier hört man in guter Klangqualität 13 Tull-Stücke, wobei vom damals in Aussicht stehenden Werk lediglich das Titelstück gespielt wird. Ansonsten gibt es neben dem fast kompletten „Aqualung“-Album Stücke wie ‚Critique Oblique‘ von „A Passion Play“, oder ‚Bungle In The Jungle‘, ‚Back Door Angels‘ und ‚Skating Away On The Thin Ice Of A New Day‘ von „War Child“.

Jethro-Tull-Minstrel-Group-ShotZu den DVDs ist einleitend zu erwähnen, dass man sich für die Audio-Versionen Mühe gemacht hat, die Musik zusätzlich visuell durch eine fortlaufende Foto-Show unterhaltsam zu untermalen. Im Vergleich zu beispielsweise den Pink Floyd Blu-Ray/DVD-Audioveröffentlichungen ist das ein großes Plus, da dort nach der Menüsteuerung auf die Musik der TV-Bildschirm schwarz bleibt. Gerade für eine Band wie Pink Floyd, die auch von besonderer Optik und inspirierender Kunst dank Storm Thorgerson/Stormstudios lebte, ist so etwas eine große Enttäuschung. Umso erfreulicher, dass man bei Jethro Tull einen unterhaltsameren Multimedia-Weg gewählt hat.

DVD 1 – eine reine Audio Scheibe – erfreut dann wahlweise mit den neuen Steven Wilson-Remixen in 96/24 Stereo LPCM (24 bit Auflösung bei 96 kHz Samplingfrequenz im Gegensatz zur CD mit 16 bit Auflösung bei 44,1 kHz Samplingfrequenz) oder in 5.1 Surround, oder dem originalen Stereo Mix von 1975 in 96/24 Stereo LPCM als Flat Transfer (unbehandelt von den Master-Bändern überspielt) oder dem originalen Quadrophonie-Mix aus dem Jahre 1975. Wer eine Surround-Anlage hat, ist hier im Vorteil – der Schreiber hat sich dieser Technologie bisher noch versagt und kann insofern keine Aussagen zur Soundqualität liefern. Erfahrungsgemäß sollen die Original-Quad Mixe ein Klang-Erlebnis sein und Steven Wilsons Arbeit bürgt grundsätzlich für Qualität.

Auf DVD 2 – bis auf ein Video ebenfalls nur Audio – wird dann das 77minütige Paris Konzert von 1975 in der Klangbearbeitung von Jakko Jakszyk ebenfalls in 96/24 Stereo LPCM oder 5.1 Surround geboten. Zusätzlich gibt es ein fast neunminütiges Video der Live-Performance von ‚Minstrel In The Gallery‘ des 75er Paris-Konzertes.

Neben dem wunderschönen Medien-Buch als „40th Anniversary La Grande Edition“ ist die Wiederveröffentlichung außerdem als Einzel-CD, als Download oder als limitierte 180g-Vinyl-Pressung, alles im Steven Wilson Stereo-Remix, erhältlich.

Teapot of the Week

„Teapot of the Week“ auf Betreutes Proggen in der KW18

Als die definitive Minstrel-Veröffentlichung ist allerdings das Medien-Buch zu werten, an dem Tull-Fans nicht vorbei kommen dürften. Vom Sound, den reichhaltigen Extras und der tollen Aufmachung kann da auch zukünftig nichts mehr verbessert werden.
Bewertung: Musik 12/15 Punkten + Aufmachung/Information/Audiophile Möglichkeiten 15/15 (WE 12/15 + 15/15, KR 12/15 für Original-Album, KS 12/15 für Original-Album)

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Über den Autor

Musikmaniak seit den frühen 70ern zwischen Artrock, Jazzrock und Hardrock/Rock. Große Faszination für die Melange aus Klassik/Jazz und Rock. ........................Erstes Konzert: Grobschnitt............................WAS GAR NICHT GEHT: Rio/Avantgarde und Metal............................................LIEBLINGSKÜNSTLER: Pink Floyd, Beatles/Paul McCartney, Steven Wilson, Rolling Stones, Return To Forever, Procol Harum, Leonard Bernstein, ELP/Triumvirat, Deep Purple, Yes/Rick Wakeman und Led Zeppelin.

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von Wolfram Ehrhardt Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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