Teaser: Phil Collins – Not Dead Yet, The Memoir (Buch)

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(Century/Penguin Random House, 2016, 448 Seiten, Paperback, ISBN: 978-1-780-89513-0, Sprache: Englisch)
Genesis, die erste: Letztes Jahr brachte Phil Collins seine Autobiografie heraus. Der Superstar hat eine lange und bewegte Karriere hinter sich, voller Höhen und Tiefen, bewundert von den einen, regelrecht verachtet von anderen. Auch hier bei uns in der Prog-Szene ist Collins für manche eine problematische Figur.

Dabei geht es ihm eigentlich immer nur darum, gemocht zu werden. Zumindest wird dies in der Biografie sehr deutlich. Der Titel der englischen Originalausgabe (hier vorliegend) lautet „Not Dead Yet“, was fast etwas von den von Collins so geliebten Monty Python hat. Der Name ist Programm. Einerseits hat Collins eine schwierige gesundheitliche Phase hinter sich, andererseits kamen parallel zur Biografie sämtliche Soloalben remastert und mit Bonusmaterial heraus. Dazu gab es eine neue „Best of“-Compilation und Ankündigungen mehrerer Solokonzerte für 2017. Die Vorbereitungen darauf sind der Startpunkt für Collins‚ auf Deutsch übrigens etwas einfallslos „Da kommt noch was“ betitelte Biografie.

Collins steckt in den Vorbereitungen für die ersten Auftritte seit einigen Jahren und wagt einen Rückblick auf sein Leben. Geboren in London 1951, berichtet er über seine Kindheit an der Themse im Stadtteil Hounslow und die Beziehung zu seinen Eltern: Während seine Mutter ihn über alles liebt und stets unterstützt, fehlt ihm oft jeglicher Draht zu seinem Vater. Dass dieser Komplex, die Anerkennung seines Vaters zu bekommen, sich auf sein ganzes Leben und damit auf andere Projektionsflächen überträgt, wird beim Lesen klar. „Mr Insecure“, wie er sich treffenderweise selbst nennt, beschreibt in simplem Stil, der einen trotzdem nicht vom Haken lässt (wie man es auch von seinen Songs kennt) seinen Werdegang vom Drummer bei Genesis zu einem der größten Popkünstler unserer Zeit. Hierbei lässt er in seiner typisch offenen und ehrlichen Art nichts aus: Höhen, Tiefen, Familien- und Alkoholprobleme, seine Komplexe, seine Beziehungen zu seinen besten Freunden und den Genesis-Kollegen Mike Rutherford, Tony Banks und Peter Gabriel, und vieles mehr. Manches davon möchte man vielleicht gar nicht wissen.

Eine offensichtliche Problematik ist der jedes Mal gescheiterte Versuch, das Dasein als Musiker mit einem gefestigten Familienleben zu verbinden. Trotz seines Erfolges ist Collins ein extrem unsicherer Mensch, der sich leicht aus dem Gleichgewicht bringen lässt. Eigentlich war und ist er immer nur Schlagzeuger gewesen, so definiert er sich – andere Drummer können das nachvollziehen. Dass er hier so schonungslos offen und ehrlich alles erzählt, zeigt ebenfalls, dass er keine Angriffsfläche bieten möchte. Es wird trotzdem wieder genug Kritiker geben, die in negativer Weise über die Biografie und die Person Phil Collins (eine „Figur“ eher, die ihn mittlerweile ekelt) herziehen. Egal, wie man zu Collins steht (ja, auch ihr Prog-Nerds!): Ihm gebührt höchster Respekt für seine Offenheit. Ob sich durch beim Lesen das Bild von Phil Collins, wie manche es haben, ändern wird, bleibt fraglich. Er versucht jedoch weiterhin und wieder nur, gemocht zu werden. Der Rezensent tut es.

PS: Bald folgt Genesis, die zweite – die Autobiographie von Mike Rutherford aus dem Jahre 2014. Bleiben Sie dran.

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Über den Autor

Philipp Roettgers

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von Philipp Roettgers Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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