Autor: Klaus Reckert

"everything happy, and progressive, and occupied" K. Grahame, The Wind In The Willows

Life is like a Wheelosis Es tat einfach gut, Wheel endlich mal mit gutem Sound zu erleben. Noch besser, wahrzunehmen, wie die Band bei Auftritten immer souveräner agiert. Am besten, mitten drin dabei gewesen zu sein, als sie den kleineren Prognosis-Saal abgerissen haben. Wo sich zu diesem Zeitpunkt gefühlt genauso viele Sardinen-Menschen hineingequetscht hatten, wie zuvor bei Focus in den großen. James Lascelles (Gesang & Gitarre), Santeri Saksala (Schlagzeug), Aki Virta (Bass) und Jussi Turunen (Lead-Gitarre) sind mittlerweile eine sichere Live-Bank. Auch Anwürfe wie der, nur Tool-Kopisten zu sein, perlen inzwischen rückstandslos an dem finnisch-britischen Power-Quartett ab. Denn dafür haben…

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Legendosis Ob das wirklich eine gute Idee gewesen war? Die niederländische Nationalinstitution Focus so relativ spät im Billing eines ProgMetal-Festivals? Aber hallo! Denn das Quartett um Flötist/Organist/Chefjodler Thijs van Leer hatte den großen Saal ab den ersten Flötentönen von 'Focus 1' megafest im Griff. Etwaige Bedenken wegen des biblischen Alters des Frontmannes und der doch um einige Härtegrade hinter allem vom heutigen Tagesprogramm zurückbleibenden Musikstil wurden einfach - wegmusiziert. Eine royale Version von 'House of the King', die Ausbrüche von 'Eruption' und natürlich der Showstopper 'Hocus Pocus' ließen das Publikum kollektiv ausrasten. Kein Wunder, dass unsere westlichen Nachbarn auf diese…

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Kelleramourosis In den Keller musste niemand hinab für die lohnende Begegnung mit Cellar Darling, einem ungemein attraktiven Eluveitie-Spaltprodukt. Der Abstieg zum kleinen Saal und eine gewisse Leidensbereitschaft aufgrund des für die Band schmeichelhaften, kaum noch steigerbaren Gedränges reichte schon vollkommen aus. Einer der vielen Gründe, den Festival-Organisatoren dankbar zu sein. Denn das Gewölbe-Liebchen hatte der Autor so überhaupt nicht auf dem Schirm oder im Plattenkeller. Was sich aber nun gründlich geändert hat. Der Charme des Schweizer Trios hat viel mit Anna Murphys Bühnenpräsenz zu tun, ihrer so warmen wie kraftvollen Stimme (bisweilen, z. B. bei 'Death', an Anneke van Giersbergen…

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Ferngesprächosis Die beiden Teile von 'Curiosity' gaben sowohl vom Thema wie vor allem musikalisch einen idealen Einstieg in den Gig der deutschen Post-Rock-Institution Long Distance Calling ab. Über Mangel an Neugier bzw. Vorfreude konnte sich hier eh keiner beklagen - der große Salon(osis) des Hauses war zum Konzertstart gut, aber noch nicht brechend gefüllt. Die treibenden Rhythmen bauten sich in mehreren Wellen immer gewaltiger auf. Der Lichtmischer tauchte diesen Sturm auf See in monochromes Rotlicht – und viel davon. Wer Post Rock aufgrund des meist "fehlenden" Gesangs per se unspannend findet, dem kann der Besuch eines LDC-Konzertes nur ans Herz…

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Blutrotosis War es nur der Heimvorteil des Sextetts aus Tilburg, der ihnen ein von Anfang an aus allen Nähten platzendes Auditorium bescherte? Wohl kaum. Die Band hat sich u.a. durch Auftritte beim ProgPower Europe 2019, aber auch Support Slots für z. B. Danny Cavanagh oder Klone einen Namen gemacht und die Reihen ihres Gefolges gefüllt. Von Kollegen der schreibenden Zunft als "Doom" angekündigt, erlebten zumindest wir mehr einen einigermaßen originellen Mix aus Alternative Rock, Songstrukturen aus dem Progressive Rock, der überwiegend in gemächlichem Tempo unterwegs ist. Und sehr geprägt von der charakteristischen Stimme von Frontfrau Lisette van den Berg. Mit…

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We are Motörpsycho! Motorpsycho ist – gemeinsam mit Motörhead – vermutlich die Band, die der Autor bisher am meisten im Konzert erlebt hat. Bei Letzteren (R.I.P.) hat es sich einfach auf Festivals immer so ergeben, bei den Erstgenannten hingegen ist dieser Umstand vollkommen freiwillig und lustvoll… Zusätzlichen Reiz erhielt die diesjährige Motorpsychose dadurch, dass damit auch endlich mal wieder ein weißer Fleck auf der rheinischen Konzerthallenlandkarte gestrichen werden konnte. Bim, Bam, Gloria! Das zeitweilig als Porno-Lichtspieltheater genutzte Gloria-Theater in der Apostelnstraße ist wirklich pornös schön: ein kultiger Schriftzug begrüßt die Besucher ebenso wie die wundervolle alte Architektur und der rote…

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Magic Love Potionionosis Was stand jetzt an? "The characteristic and unique Magic Pie sound is founded on strong melodious songs, blended by power". Oder "Der kleine Bruder der Flower Kings", wie es in unserem Vorgänger-Print-Medium Progressive Newsletter mal hieß, der relativ häufig über die Band aus dem norwegischen Fredikstad berichet hat. Als Allererstes fiel ja mal auf, dass es im großen Salonosis zumindest anfangs genauso leer war, wie es grade noch bei der Cobra im kleinen überfüllt gewesen war. Komplett korrespondierend auf der Bühne, das Quintett stieg nur als Duo ein. Entfaltete wenig später in voller Mampfstärke aber einen durchaus…

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Aufspießosis Eine der Prognosis-Bands, die der Autor zuvor so gar nicht auf dem Zettel hatte. OK, irgendwann mal ihrer FB 'n Like gegeben, aber was heißt das schon groß. Doch das noch vergleichsweise junge Quartett + Drummer aus dem belgischen Gent entpuppte sich als eine von zwei erfreulich positiven Überraschungen des Festivals. Und das ging schon mit der Optik los. Im kleinen Saal, der bei bereits laufendem Konzert so gepackt voll war, dass sich da kaum noch eine Schlange hätte reinschlängeln können. Um wieviel schwerer erst ein neugieriger Metal-Fan. Der Optik-Bonus bestand im Wesentlichen aus einem tüchtig großen Backdrop, der…

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Totgeburtosis "Queens of the Stone Age, Biffy Clyro and Foo Fighters" schickt die Band selbst zu ihrer Positions-Bestimmung in den Ring. Unser Floh hingegen hatte ein trockenes "Sollen wie Ghost klingen" in den Ring geworfen. Darüber möchte der Autor als bekennender Nicht-Geister-Beschwörer nicht entscheiden müssen. Bedauerlicher Fakt aber bleibt, dass der Auftritt der teils maskierten, teils lustig fluoreszierenden Norweger als der erste (und einzige!) Beinahe-Ausfall bei diesem Festival in Erinnerung geblieben ist. Aber das bleibt ja – wie stets – in erster Linie Geschmackssache. Nummern wie 'Blood of Babylon' oder 'Zeitgeist' wirkten nun mal enorm simpel gestrickt. Und waren durchaus…

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Vorurteillosis Anlässlich der Würdigung des Prognosis-Auftritts von Novena hatten wir ja noch Auslassungen zum Thema Musik rezensieren vs. Vorurteile angedroht. Here they are. Also munter hinein in die peinlichen Geständnisse: Autor dieses ist – wie vermutlich die meisten Prog-Metal-Fans durchaus ein Fan von Haken, 'As Death Embraces' ist sogar so etwas wie einer der Lieblingssongs für die Insel. Entsprechend häufig wurden die Briten natürlich auch livehaftig gesehen. Aber leider stets mit dem Effekt, dass das Geschehen am ästhetischsten mit geschlossenen Augen gewirkt hat. Irgendwas an dem Agieren des grundsätzlich großartigen Mikrofon-Hakens Ross Jennings führte immer dazu, dass ich das lieber…

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Katatoniosis Katatonia fiel nicht nur die ehrenvolle Aufgabe zu, den Sack eines so vielfältigen wie starken ersten Prognosis-Tages zuzuknoten. Das Konzert war auch insofern speziell, als die Fans die Setlist hatten zusammenstellen dürfen – und sich folglich auf ein Greatest-Hits-Programm freuen konnten (vgl. auch das ähnlich gelagerte Album "Dead Air" von 2020. Die dritte Besonderheit: Weil Klone durch Corona-Erkrankungen leider kurzfristig verhindert waren, durften die Schweden ein erweitertes Set spielen – immerhin von 22:15 bis zur Geisterstunde. Und das hatte es wie erwartbar in sich. 'Lethean' eröffnete vergleichsweise mit der Neuzeit. Und extrem melodisch. Was aber niemand im Effenaar am…

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Novenanosis Eigentlich ist und bleibt das mit dem Rezensieren von Musik, von Live-Auftritten gleich gar, eine zutiefst fragwürdige Angelegenheit. Denn so viel vom am Ende Hängenbleibenden ist davon abhängig, wie der Schreiber grundsätzlich zu dem zu behandelnden Thema eingestellt ist. Aber auch davon, wie sie/er gerade generell gefusselt ist, was kurz davor erlebt (gegessen, getrunken) wurde. Und damit haben wir das mindestens ebenso wichtige Thema Vorurteile noch nicht einmal gestreift. Zu Letztgenanntem noch etwas mehr bei der Würdigung des Solo-Auftritts von Ross Jennings am Prognosis-Dienstag. Soviel nur jetzt schon: der Autor quetschte sich mit einigen Vorbehalten bei bereits laufendem Novena-Auftritt…

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Die tödliche Enslavedosis Der Übergang vom großen zum kleinen Gehäuse inklusive Luftschnappen vor der Tür geriet dadurch etwas entspannter, dass die Norweger als erste nicht genau so auf die Minute pünktlich mit Zerlegen loslegten, wie es angekündigt worden war. Aber auch zehn Minuten verspätet ging ein Aufschrei durch die Menge, als das charakteristische Sägemotiv von 'The Crossing' (von "Below The Lights", 2003) anzeigte, dass es nun ernst werden würde. Fuckin' Heavy Metal! Und eine exzellente Wahl für den Einstieg, denn die sich von langsam zu Tsunami-Stärke aufbauenden Soundflächen des Longtracks schafften bis zum Ausbruch ab Minute fünf einfach jede Menge…

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TF&TDosis Eine dieser Bands, die immer interessant schienen, die man immer mal live sehen wollte. Wozu es aber bislang ebenso wenig gekommen war, wie zu einer Würdigung eines ihrer Alben auf diesen Seiten. Wunderbar, dass das Prognosis Festival die Chance einräumte, zumindest einen dieser weißen Flecken zu tilgen. Als der Auftritt um 19:15 Uhr begann, hatte sich leider nur eine noch recht überschaubare Anzahl weiterer Neugieriger im kleinen Raum eingefunden – die Konkurrenz der heute ebenfalls instrumental agierenden The Ocean war einfach zu übermächtig. Was Bassist/Produzent Kevin Feazey und seine drei Mittäter aber wenig anzufechten schien. 'Truck' wurde schon so…

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The Oceanosis "Unser Sänger Loïc hat sich im März insgesamt vier Brüche in beiden Beinen zugezogen. Und sich daraufhin in einen Achtzigjährigen verwandelt. (Eine letzte Show, nach dem Unfall in L.A., hatte dieses Metal-Tier allerdings noch im Rollstuhl absolviert, d. Red.) Insofern kann er derzeit natürlich leider nicht auftreten. Aber wir fanden, es sei entschieden zu spät, jetzt noch unseren Auftritt bei Prognosis zu canceln". Das die große Halle vom Effenaar bereits prallvoll füllende Publikum antwortete mit einem glücklichen Gebrüll aus tausend Kehlen. Die trotz frühem Slot am Tag für manche (einschließlich dem Autor) als heimliche Headliner fungierenden Erz-Sympathen bedankten…

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12.0
Reviews

(70:50, 66:37, 64:26, 65:14, 67:31, 70:42; digital, 6 CD-Box, BMG/Universal, 2022) Das Schlagzeug-As Bill Bruford ist ein Musician's Musician. Bei unserem alten Freund Otto-Normal-Radiohörer löst seine Nennung maximal ein irritiertes Kopfschütteln aus: "Bill wer?" Die Crème de la Crème der Muckerschaft jedoch schnalzt bei dem gleichen Namen verzückt und kennerhaft mit der Zunge. Erinnert sich an seinen so virtuosen und doch kraftvollen polyrhythmischen und polymetrischen Drum-Stil. Und rief ihn stets zu Hilfe, wenn es bei Progressive Rock- oder Jazz-Projekten eines wahren Meisters bedurfte. In der Liste der 100 besten Schlagzeuger aller Zeiten des Rolling Stone von 2016 erscheint Bruford auf…

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Kritik des reinen Pechs und die Entdeckung der Extrovertiertheit Eigentlich war das ja gar kein normales Konzert, sondern die etwas ausgeuferte Geburtstagsparty für unseren allseits geschätzten flohfish. Und – mit kleinen, jeweils gut nachvollziehbaren Abstrichen - war es auch eine wirklich gelungene Feier. Wenn auch keine überlaufene. Laut Aussagen des lokalen Veranstalters hatte sich der Vorverkauf auf für das Gebotene eh schon bescheidene bis bestürzende 200 belaufen. Erschienen waren davon aber nur 150 (von denen meinereiner gefühlt ein Drittel namentlich oder vom Sehen kannte). Und kaum Abendkasse. Großartig: Trotzdem blieb man in der Kantine, dem großen Saal des Hauses, und…

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Argusnosis Das Festivalerlebnis beginnt nach extrem flottem, aber auch unkompliziertem Einlass-Procedere im "Kleine Zaal" – und mit der Erkenntnis, dass es nicht nur keinerlei Einlassbeschränkungen mehr gibt. Sondern auch keine Handvoll Maskenträger unter den gefühlt etwas über tausend Festivalbesuchern. Deren Zahl ist enorm schwer zu schätzen, denn im Gebäude, mit seinen zahlreichen Räumen, und davor verlaufen bzw. verteilen sich die Massen aufs Angenehmste. Das seit 2019 zum zweiten Mal stattfindende Festival eröffnen darf Argus, eine Band aus der Umgebung von Eindhoven, wie Sänger/Keyboarder Frans Nooijen eingangs erläutert. Den (wer hätte es bei dem Namen nur je gedacht?) vor 17 Jahren…

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Das Festival ist der Headliner, das Publikum ist der Headliner, die Stadt ist der Headliner Lasst es uns mal so knapp zusammenfassen: Wir wollten gar nicht wieder weg! Denn das untenstehend umrissene Gesamtpaket der zweiten Ausgabe des niederländischen Festivals seit 2019 erwies sich als ziemlich unwiderstehlich. Vorher aber noch kurz zum Verfahren diesmal: Wir haben es ja mit 15 Bands und entsprechend vielen Fotos zu tun. Um unseren teils schon in den alleroberüberbesten Jahren befindlichen Lesern und Kollegen einen Maus- oder Tennisarm vom Dauerscrollen zu ersparen, zerlegen wir die Berichterstattung einfach in entsprechend viele, leicht weg-snackbare Einzelteile. Und wünschen guten…

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Creation's Finest Nach dem die leider ja nicht ganz unüblichen Orga-Fuck-ups überstanden waren (Auch wenn überall "Doors 19:00, Stage 20:00" kommuniziert wurde, ist man nicht vor 20:20 Uhr tatsächlich im Laden selbst. Das Konzert beginnt dann gerne schon mal, während draußen noch zahlreiche Kartenkäufer anstehen), wurde es dann doch mal wieder sehr hübsch im MTC. Dieser Konzertabend markierte auch so etwas wie den Übergang in der Umsetzung der aktuellen Corona-Schutzverordnung in NRW, Stichwort "Lockerungen". Auf eine diesbezügliche Anfrage an den lokalen Veranstalter hin kamen bezeichnenderweise gleich zwei Antworten. Die erste verwies eindeutig auf das volle 2G+-Programm. Die zweite kassierte diese…

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