Analog Hyper Rock • Progressive Rock
(43:00; Vinyl, Digital; Eigenveröffentlichung; 19.12.2025)
Saving Ted - Wie jetzt? Ist das der Bandname? Ja, und auch gleich der Name des Debütalbums dieser Band. Das Interesse ist geweckt, Vinyl bestellt und los geht's. Da sich die Musik bereits streamen lässt, finden die ersten fünf Hördurchläufe digital statt. Für diese Rezi sind auch gleich zwei Rezensenten verantwortlich: Marc Colling schreibt über die Musik, ich übernehme die Recherche.
Zurück zur Band. Saving Ted. Wer ist Ted? Um diese Frage zu beantworten, frage ich die Band einfach selber. Ist das vielleicht die etwas merkwürdige Puppe, die ich auf Instagram gefunden habe?
Hier die Informationen, die ich im Rahmen eines sehr sympathischen Interviews mit drei (von vier) Bandmitgliedern erhalten habe:
Wer ist Ted? Gibt es eine Story dazu?
Nein, nicht wirklich. Ted ist seit Ewigkeiten das alter Ego von Toshi und irgendwie fühlte sich der Name Ted als Teil des Bandnamens gut an, den Rest hat ein Bandnamengenerator gemacht und so kam Saving Ted dabei raus.
Was ist Analog Hyper Rock? Ist das Eure Genre-Wortschöpfung?
Kollektives Kopfnicken und amüsiertes Schmunzeln. Ja, irgendwie schon. Analog, weil live halt bis auf die KI-Stimme in 'Velvet Gloves' oder mal ein anderes, nicht analoges Element alles auch echt live gespielt wird. Die Band verzichtet bewusst auf Backing Tracks, weil live so auch richtig live ist. Hyper, weil der Rock sich irgendwie in alle Richtungen ausbreitet und Rock weil Rock. Aber eine Einordnung in Progressive Rock passt für die vier Bandmitglieder auch.
Woher kennt Ihr Euch?
Toshi Trebess hatte während Covid die Idee, eine Band zu gründen und dann haben sich die vier Bandmitglieder relativ schnell zusammengefunden. Tim Steiner und Florian Bungardt waren schon im Musikerumfeld und direkt dabei. Mattes Mankertz, als einziger Nicht-Profi-Musiker, kam als Letzter dazu.

Warum habt Ihr 2-3 Jahre für das Album gebraucht?
Nein, solange hat die Band nicht gebraucht. Die ersten Stücke waren alle schon relativ schnell nach der Gründung fertig, aber dann begann die Suche nach einem Label. Die Antwort war dann immer „Geile Mucke, aber macht Ihr mal selber, wir machen’s nicht“. Das Selbermachen hat dann auch noch ein bisschen gedauert, aber die Stücke waren gefühlt schon ewig fertig und wurden live schon aufgeführt.
Wie organisiert Ihr Euch zum Proben/Ausarbeiten der Stücke? Ihr seid ja alle musikalisch auch anderwärts aktiv, das ist sicher nicht einfach.
Ja, es gibt keine festen Probentermine, das ist mit dem Musikerleben quasi unmöglich. Es gibt eher intensive Probensessions, zu denen jeder Ideen mitbringt, die dann gemeinsam im Probenraum weiter ausgearbeitet bzw. auch recht überraschend transformiert werden. Die Texte kommen dann etwas später dazu, wenn der Song erkennbar ist. Für die Texte ist überwiegend Toshi zuständig, aber insgesamt ist Saving Ted als Band verantwortlich für alles.
Wo seht Ihr Euch im Universum dessen, was sich heute Prog nennt? Wo verortet Ihr Eure Musik?
Die Band fühlt sich wohl mit dem Begriff Prog, da die Bandmitglieder u.a. allesamt große Pink Floyd Fans sind und der Begriff Prog an sich viel Spielraum lässt.
Das hier war nun Euer Debütalbum. Geht’s weiter?
Na logo, neue Stücke sind schon in der Mache, schließlich existiert dieses Album schon seit einigen Jahren als Live-Repertoire und es geht definitiv weiter.
Zeitgleich zu dem Interview kam das Vinyl ins Haus und wurde sogleich begutachtet und aufgelegt: Perfekter, glasklarer Klang, hörbar besser als die digitale Version. Die schwere Scheibe steckt in einer hochwertigen Innenhülle und ein Teil der Lyrics ist in angenehm großer Schrift auf der Doppelseite der Innenhülle abgedruckt. Das Artwork ist natürlich Geschmackssache, so finde ich es z.B. großartig in seiner Schlichtheit mit viel Raum für Phantasie, Marc kann mit dem Motiv überhaupt nichts anfangen.
Wie klingt denn nun die Musik? Hier übergebe ich an Marc Colling.

Zunächst bin ich überrascht, dass die Band aus Köln stammt. Irgendwie klingt sie für mich aber eher nach Frankreich mit seiner interessanten Progszene, da sowohl von der klanglichen Produktion als auch von der kompositorischen Seite her vieles auf eher neue Bands wie Esthesis hinweist. Auf jeden Fall sind der Sound und die Abmischung stark an französische Bands angelehnt inklusive einiger moderner Sounds. Aber Köln hat ja auch eine geschichtliche französische Vergangenheit. Da ist bestimmt was hängen geblieben.
Dass die Band ihr Werk bereits zwischen November 2022 und Februar 2024 aufgenommen, aber erst jetzt veröffentlicht hat, hat damit zu tun, dass Bands in unserer Zeit nicht mehr so einfach ein Label finden, welches bereit ist, ins Risiko zu gehen. Aber lieber spät als nie.....auch wenn das Album nur Digital und auf Vinyl erscheint.
Mit 'Like A River' gelingt ein guter Einstieg, der dem Hörer gefallen dürfte, sofern er auf eine homöopathische Dosis Prog steht. Mit 'Love Will Win' geht es mit einer Mischung aus Wohlfühlprog bis hin zu einem durchgedrehten Finale weiter. Der Hörer entdeckt somit früh, dass die Kölner zwar leicht schräg "können", aber keinesfalls "All In" gehen. Das folgende 'Velvet Gloves' bleibt nämlich ebenfalls zurückhaltend trotz einer verfremdeten KI-Stimme, bevor es dann mit 'Keep Up The Revolution' etwas mehr in die Vollen geht, zum Schluss hin sogar richtig krachend.
'Sudden Fear' verbreitet als erster Track der B-Seite definitiv keine plötzlichen Ängste, denn die Band spielt hier eher bieder und brav. Dennoch ein interessanter Track mit hohem Wiedererkennungswert. Fünf von acht Tracks sind jetzt schon durch und mit 'Black Cloud' kommt endlich ein etwas längerer Titel mit über 7 Minuten Laufzeit. Ein einfaches und nervöses Riff wird fast drei Minuten lang durchgespielt, bevor der Song sich kurz beruhigt, um dann mit Wucht und einigen Growls erneut durchzustarten. Geschickt gemacht.
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'Lightyears' ist mit seinem auf- und abschwellenden Klavier, seiner fast lieblichen und dennoch innerlich nervösen Komposition das Highlight des Albums. Mir gefallen die Gegensätze und die fühlbare Zerrissenheit in der Fluchtwelt des Protagonisten sehr gut. Das abschließende 'The Whole Damn Show' geht etwas mehr aus sich heraus und bietet eher das, was sich der Proghörer eigentlich erhofft. Der Track war die erste Single der Band, wurde Ende 2024 bereits veröffentlicht und diesem Anspruch wird er voll und ganz gerecht. Und wer gut aufpasst erkennt vielleicht sogar kurz ein kleines Beatles-Riff.....
Für hart gesottene Liebhaber von komplizierter progressiver Musik ist dieses Album natürlich nicht zu empfehlen. Dazu ist es dann in allen Belangen doch zu sehr in der Mitte einzuordnen, würde der Politiker sagen. Es schlägt zwar durchaus mal nach links oder rechts aus, bleibt aber meistens in der mehrheitlichen Mitte. Es spricht halt eher den Hörer mit Hang zu ruhigeren und wohltemperierten Tracks an, ohne viel Schnickschnack und minutenlangen Soli, aber durchaus mal mit einer kleinen Attacke. Da können die Musiker durchaus überzeugen. Es werden viele Ideen in ihren Tracks erkannt und ich hätte mir von der Band gewünscht den einen oder anderen dieser Einfälle etwas mehr auszuarbeiten. Das dürfte aber ihrem ersten Anlauf geschuldet sein und so weit ich vernommen habe wird der Nachfolger keine 4 Jahre brauchen.
Unser gemeinsames Fazit: Es kann doch so einfach sein! Richtig guter Rock von gleich um die Ecke, super produziert, sehr sympathische Musiker... wir haben uns auf allen Kanälen auf Saving Ted abonniert, denn ein Live Konzert, das wollen wir beide erleben.
Bewertung: 12/15 Punkten ET - 11/15 MC
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Saving Ted zur Verfügung gestellt.

