Jazz • Fusion • Electronica
(30:42; Vinyl, CD, Digital; Eigenproduktion/United Masters; 02.10.2026)
Manche Alben fühlen sich wie Therapie an, "axxxis" ist eher das, was danach kommt. Na das nenne ich mal ein Statement - frisch aus dem Pressetext. Es ist jetzt beinahe zwei Jahre her, da begann ich meine (recht überschaubare) Serie von Rezensionen aus den Randbereichen der progressiven Rockmusik mit dem 2024er Album von SALOMEA namens "The Good Life". War ich damals total begeistert von der druckvollen Dynamik der Produktion und der Musik, dem HipHop, der Abwechslung, den vielen überraschenden Elementen und überhaupt, das Alles direkt beim ersten Hören, so fängt mich dieses neue Album anders ein. Hier gleich die erste Warnung: Bloß nicht im Auto hören. Denn dieses Album lebt noch mehr als das vorhergehende von der unglaublich druckvollen Produktion, die sich idealerweise unter Kopfhörern oder mit viel Wumms auf einer guten Anlage erschließt.
Aber von vorne: Das Cover ist schon außergewöhnlich und KEINE KI, sondern Abbild einer echten Begegnung der Musikerin mit Raubvögeln. Zum Glück gibt es Instagram, da lässt sich Vieles zur Entstehung dieses Fotos und überhaupt zu dem ganzen Album sehr gut nachlesen. Vor allem fällt eines auf: Die Intensität der so vielfältigen Erfahrungen, die sich irgendwie auch in der Musik wiederfinden lassen. Dazu die innige Verbundenheit dieser vier Musiker, die die Band bilden, alle aber auch noch andere Projekte haben. Auf social media ist zu erkennen, wie sehr Rebekka Salomea die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern wertschätzt: sei es eine Modedesignerin, Fotografen, Filmemacher, Produzenten, ach, so viele wundervolle Menschen, die alle einen Teil zu diesem Album beitragen. Rebekka Salomea macht vielleicht ihr Ding, aber sie ist immer ein Teil des Ganzen und voll des Dankes.
Diese innige Verbundenheit drückt sich in der Musik aus. Sie ist voller Freude und Inbrunst, auf sehr vielen Leveln. Da sind schöne Melodien und Harmonien, tolle Arrangements, interessante elektronische Elemente, eine klasse Performance der vier Musiker, Tempovariationen und packende Rhythmen, ihre echt tolle Stimme, die mal singt, mal rappt, eben alles, was gute Musik ausmacht. Sie hat ihren eigenen Stil, der seit dem letzten Album gereift wirkt. Insofern kann ich das gewagte Statement bezüglich Therapie und was danach kommt absolut nachvollziehen.
War das letzte Album eher rau und wild, so wirkt dieses Album bei sich angekommen. War dann wohl eine erfolgreiche Therapie. Nur 30 Minuten? Gar kein Problem, einfach wieder von vorne anfangen, denn dieses Album gibt seine vielen Geheimnisse erst langsam preis.
Übrigens: SALOMEA wurde dieses Jahr (2026) als Best Artist mit dem Deutschen Jazzpreis belohnt.
Bewertung: 12/15 Punkten
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Le Tigre Noir zur Verfügung gestellt.


