
Psychedelic
(34:44; Vinyl, CD, Download; Believers Roast (Eigenveröffentlichung)/Cargo Records; 02.10.2026)
Kavus Torabi, der in Teheran geborene Musiker, ist der Nachfolger des bei Proggern unvergessenen Daevid Allen bei der Avantgarde- und Psychedelic-Band Gong und eine treibende Kraft bei weiteren Bands wie The Holy Family oder The Utopia Strong. Seit einigen Jahren lebt er nicht mehr in der Metropole London, sondern weitab auf dem Lande. Das hat private Gründe: die Trennung von seiner Frau und die damit verbundene Trennung von ihrem gemeinsamen Kind. Genau das versucht er auf seinem neuen Soloalbum zu verarbeiten.
Nun, wäre mir dasselbe widerfahren wie ihm, würde mein Album vielleicht genauso traurig und depressiv klingen. Damit verlangt er aber viel von seinen Fans, und man muss als Hörer echt mit so viel Schwermut umgehen können, denn die Kompositionen schleppen sich schon sehr langsam, leise und teils mühsam kriechend dahin. Andererseits verstehe ich nicht, warum er keinen Neuanfang sieht und wenigstens ein bisschen Sonne in seine Seele scheinen lässt. Man erkennt einen Menschen, der zutiefst emotional aufgewühlt ist, sein ganzes inneres Ich nach außen kehrt und sich dementsprechend regelrecht in seinem Selbstmitleid suhlt. Das mag für einige von uns vielleicht selbstbefreiend sein (Siehst du, dem geht es noch schlechter als mir), bleibt aber allgemein auf Dauer viel zu sehr im tiefmelancholischen Klageleid stecken. Einige Notenfolgen werden minutenlang wiederholt und entfalten zwar ein fast hypnotisches Gefühl, für mich ist das aber eher mit Langeweile behaftet.
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Wer Kavus Torabi von Gong her kennt, der wird sich wundern. Hat er in der Band mit einigen sehr guten Alben in den letzten Jahren das Steuer fest im Griff, so muss ich hier definitiv Abstriche machen. 'In Her Radiance' ist ein Musterbeispiel an Eintönigkeit und Repetition. Das mag irgendwann mal in den 70ern geklappt haben, als alle irgendwie auf dem Hippietrip gewesen sind, passt aber nicht mehr in die heutige Musikwelt. Außer für wirklich beinharte Fans der Richtung Psychedelic Prog. Zu denen ich dann nicht (mehr) gehöre. Das mag ja ein Mittel sein, sich zu befreien, aber muss er diese Musik mit der ganzen Welt teilen? Mit 'From The Storm' legt er dann sogar noch eine Schippe drauf in seiner von Schmerz erfüllten neuen Welt.
Da er das komplette Album selbst eingespielt, produziert und abgemischt hat, ist es tatsächlich sehr intim und persönlich. Das mag eine Erklärung für seine neue Veröffentlichung sein, verhindert aber nicht, dass er zumindest mich damit überfordert. Für wirklich hartgesottene Liebhaber, die sich gerne in Leid und Liebeskummer suhlen.
Bewertung: 8/15 Punkten
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Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von Discipline PR

