
Metalcore • Nu Metal • Industrial • Alternative Rock • Hip-Hop
(39:32; Vinyl, CD, Digital; Century Media/Sony Music; 02.10.2026)
Wer dem weißen Hasen folgt, landet bekanntlich im Wunderland. Bei Sebastian „Sushi“ Biesler geht es stattdessen durch Angstzustände, Selbstzweifel und reichlich seelischen Krempel. "Follow The White Rabbit" dient als Ventil für persönliche Krisen und beruflichen Frust, verpackt in eine Mischung aus Metalcore, Nu Metal, Industrial, Hip-Hop und Alternative Rock.
Mit Electric Callboy, damals noch Eskimo Callboy, konnte ich nie viel anfangen. GHØSTKID gehen mir da deutlich besser ab, was vor allem an der stilistischen Vielfalt liegt. Die melodischen Parts erinnern an die poppigen Momente von Unprocessed, die härteren Nu-Metal-Riffs schielen unverhohlen in Richtung Korn. Düstere, theatralische und melancholische Passagen treffen auf elektronische Spielereien und Refrains mit Ohrwurmqualitäten.
Die stilistische Vielfalt täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass GHØSTKID innerhalb der einzelnen Genres selten eigene Akzente setzen. Die Zutaten wechseln, die Rezepturen bleiben vertraut: vorhersehbare Breakdowns, genretypische Riffs und Refrains, die auf Anhieb zünden sollen, das aber auch häufig tun. Gerade der Kontrast zwischen den wütenden Texten und der melodischen Ausrichtung macht den Reiz, aber auch die Widersprüchlichkeit des Albums aus. Biesler scheint sich einiges von der Seele schreiben zu wollen, teilt gegen die Musikindustrie aus und verarbeitet gescheiterte Beziehungen und psychische Belastungen. Nicht jede Abrechnung wirkt dabei sonderlich differenziert; manches klingt eher nach Dampfablassen als nach Selbstreflexion.
Musikalisch zeigt sich das schon im Detail: 'The End' eröffnet den Seelenstriptease mit düsterem Hintergrundbrummen und Spoken Words, 'Ivory' verbindet verletzlichen Gesang und industrielle Kälte mit fast djentigen Riffs und einem hartnäckigen Ohrwurm-Refrain.
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'Mother Death' verpackt Angstzustände in Metalcore mit deutlicher Nu-Metal-Schlagseite und Korn-Vibes. Bei 'I Destroyed You' treffen elektronische Synthies und sanfte Vocals auf brachiale Ausbrüche.
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Der Titeltrack lässt Sushis Trap-Vorliebe aufblitzen, bevor ein deftiger Breakdown auf hymnische Eingängigkeit trifft. 'Purple Snakes' kombiniert Metalcore und Industrial mit einem Schuss Marilyn Manson, bleibt kompositorisch aber auf vertrautem Terrain. 'Give Your Kids A Gun To Play' zielt mit Breakdowns und Singalong-Refrain auf den Moshpit, während 'Neon' dank des luxemburgischen Gast-Rappers Maz Univerze Hip-Hop ins Spiel bringt. 'Unconditionally' ist ein austauschbares hartes Brett, durchbohrt von Ohrwürmern. 'Lovely' fährt als melancholische Ballade den Härtegrad herunter und lässt Sebastian „Sushi“ Biesler mit emotionalem Gesang punkten. 'White Rainbow' beschließt das Album passend düster, ohne zum großen finalen Befreiungsschlag auszuholen.
Der komplette Besetzungswechsel hat den Sound nicht grundsätzlich umgekrempelt. "Follow The White Rabbit" setzt weiterhin auf eine bewährte Mischung aus Härte, Melodie und elektronischem Druck. Die stilistische Bandbreite ist größer als die Eigenständigkeit vieler Songs, und manches klingt eher nach routinierter Genre-Verarbeitung als nach Aufbruch. Trotzdem geht mir die Mischung deutlich besser ab als die frühere Band von Sebastian „Sushi“ Biesler – auch wenn sich der musikalische Frustabbau gelegentlich verdächtig eingängig gestaltet.
Bewertung: 10/15 Punkten
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Besetzung:
• Sebastian „Sushi“ Biesler - Gesang
• Iain Duncan - Gitarre
• Axel One - Bass
• David Friedrich - Schlagzeug
Gastmusiker:
• Maz Univerze - Rap ('NEON')
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Oktober Promotion zur Verfügung gestellt.

