
Experimental Metal • Noise Rock • Post Metal • Industrial • Techno • Free Jazz • Gospel • Post Hardcore
(1:04:29; Vinyl (2LP), CD, MC, Digital; Empty Tape/Virkelighedsfjern; 03.10.2025)
Manchmal sind es ja genau diese Platten, die man nicht einfach „hört“, sondern eher über sich ergehen lässt. Oder überlebt. Oder zwischendurch kurz hasst, nur um sie danach wieder ein bisschen zu lieben. "Control Your Soul's Desire For Freedom" von Heathe ist so ein Kandidat – ein Doppelalbum, das sich weniger wie Musik und mehr wie eine leicht überambitionierte Selbstfindungsmaßnahme anfühlt.
Die Presse spricht da gerne von „Tanz am Abgrund“, von „pechschwarzem Universum“ und anderen Formulierungen, die man sich vermutlich nachts um drei bei Kerzenlicht ausgedacht hat. Und ja, irgendwo stimmt das auch: Zwischen Clubbeats, Nu Metal, Gospel-Anflügen und Free Jazz wird hier ein Soundkonstrukt errichtet, das auf Dissonanz, Wiederholung und maximaler Reizüberflutung basiert. Ein 65-minütiger Strudel aus Lärm, Ekstase und latentem Weltuntergang – quasi der perfekte Soundtrack für den nächsten Nervenzusammenbruch.
Was das Album dabei besonders „spannend“ macht (Anführungszeichen bewusst gesetzt): Es kann alles sein. Wirklich alles. Es interessiert, begeistert, überwältigt, überfordert oder verliert mich – je nach Tagesform. Und nicht selten passiert das alles innerhalb eines einzigen Durchlaufs. Da startet man noch fasziniert von diesen wuchtigen, hallgetränkten Klangwänden, nickt anerkennend zu den polyrhythmischen Eskapaden, lässt sich von den mantraartigen Vocals einlullen – und fragt sich zehn Minuten später, ob das jetzt noch Kunst ist oder schon ein akustischer Stresstest.
Tracks wie 'Black Milk Sour Soil' oder 'My Gods Destroy' bauen diese apokalyptische Grundstimmung konsequent aus: Kindheitsängste werden zu Endzeitvisionen, irgendwo zwischen kollabierenden Ökosystemen und latentem Bombenhagel. Klingt spaßig? Ist es natürlich nicht. Aber immerhin konsequent unerquicklich. Dazwischen blitzen immer wieder Momente auf, in denen so etwas wie Struktur oder gar Eingängigkeit durchscheint – nur um im nächsten Augenblick wieder von Noise, Geschrei oder autotunegetränkten Chorflächen zerlegt zu werden.
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Das Ergebnis ist ein Album, das sich der klassischen Bewertung konsequent entzieht. Zu sperrig für nebenbei, zu intensiv für Dauerrotation, zu faszinierend, um es komplett abzuschreiben. Oder anders gesagt: eine Platte, die einen genauso oft verliert, wie sie einen zurückholt. Und genau darin liegt vermutlich auch ihre größte Stärke – oder ihr größtes Problem.
"Control Your Soul's Desire For Freedom" ist kein Genuss. Es ist ein Zustand. Und ob man sich darauf einlassen will, hängt weniger von der Musik ab als vom eigenen Nervenkostüm.
Bewertung: 11/15 Punkten
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Besetzung:
• Andreas Kildedal Westmark - Instrument
• Filip Dybjerg - Instrument
• Jonas Orlowitz Toft - Instrument
• Martin Jensen - Instrument
• Oskar Krusell Sørensen - Instrument
• Simon Kildedal Westmark
• Simon Wetterstrøm Mariegaard
Surftipps:
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Heathe zur Verfügung gestellt.

