
Crossover • Industrial • Alternative • Hip-Hop • Post Metal • Wave • Sludge • Noise Rock • Hardcore • Pop • Electronica
(38:49; Vinyl, CD, Digital; 45 Records/Rough Trade, 03.04.2026)
Wenn "Year Two" schon BÄNG! war, dann ist "The Change Is Me" ein KABOOM! – ein Album, das musikalisch noch extremer, gleichzeitig aber um ein Vielfaches zugänglicher ist. Doodseskader liefern hier eine vermeintliche Irrfahrt durch ein Potpourri von Genres: Man weiß nie, was hinter der nächsten Ecke wartet. Hier ein Schuss Amenra, dort Nine Inch Nails, dann Depeche Mode, gewürzt mit Clubsounds, Trap und Hip-Hop – ein wildes, überraschendes Konglomerat, das man so kaum irgendwo findet.
Tim De Gieter, bekannt aus der Sludge-/Post-Metal- und Hardcore-Institution Amenra, und Sigfried Burroughs (Kapitan Korsakov, Paard) brechen auf Album Nummer 3 erneut sämtliche Genregrenzen und machen dabei alles richtig. Dass De Gieter privat beim Roadburn eher wie ein Hip-Hop-Homie in Hoodie, Baggy-Pants und Kette wirkt, passt erstaunlich gut zum Konzept: auf der Bühne findet das Duo, zu zweit, ohne weitere Unterstützung, eine Energie, die so unmittelbar wie überwältigend ist.
Die Story um "Year Three" gibt dem Album zusätzlich Tiefe: Nach acht Monaten intensiver Arbeit verwarf das Duo das fertige Album komplett, weil die Menschen, die sie waren, als sie es schrieben, nicht mehr dieselben waren wie die, die auf der Bühne standen. Statt krampfhaft nach Selbstverbesserung zu suchen, wollten sie nun ein ehrliches Dokument ihrer Gegenwart schaffen – und genau das ist "The Change Is Me".
Die Songs selbst sind ein Kaleidoskop an Stilen und Stimmungen: 'Glass Mask On' startet elektronisch mit treibenden Beats, nervösen Synthies und rap-artigen Vocals, bevor ein gesungener Chorus einsetzt – Industrial trifft Dark Wave, zum Ende hin verdichtet sich alles zu metallischen Klängen und krächzenden Hardcore-Screams. 'Celebrity Culture Simp Farm' ist zunächst aggressiv mit markerschütternden Screams, öffnet dann den Chorus zu traumhaften Wave- und Dream-Pop-Momenten, während Post-Metal und Hardcore subtil mitschwingen; im Mittelteil überraschen verfremdete elektronische Experimente – ein echter Banger.
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'Please Just Make It Stop' ist dunkel, schwer und hypnotisch, Spoken-Word-Vocals im Hip-Hop-Flow schweben über elektronischen Trap-Elementen, Metal und Hardcore treten hier fast vollständig in den Hintergrund. 'No Laughter Left In Me' mixt Trap mit Hardcore, die Rap-Parts sitzen perfekt, Eastcoast-Hardcore-Vibes verbinden sich mit treibenden Beats.
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'Weaponizing My Failures' baut stimmlich eine bedrohliche Spannung auf, die an Tiamats "A Deeper Kind of Slumber" erinnert; Depeche Mode trifft Nine Inch Nails, und man spürt die Musik tief unter der Haut.
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'Unthinking My Every Thought' ist atmosphärisch gazy und entspannt, eines der ruhigsten Stücke des Albums. 'Insignificant Other' startet verträumt mit Spoken-Word-Passagen, wird dichter und heavy, behält dabei die sphärische Grundstimmung.
'It Keeps On Stinging' kombiniert summende Synthies mit Rap-Parts und entwickelt eine unerwartet tanzbare Club-Atmosphäre, die nahtlos in 'I Took A Pill In Vilvoorde' übergeht – die Club-Vibes steigen, leichte Prodigy-Anleihen treffen auf Hardcore-Energie, man könnte es problemlos auf den Trainspotting-Soundtrack legen. Und 'Suffering In Technicolor' wirft am Ende alles zusammen: Hammond-artige Orgelsounds, ungewohnte Gesangsstile, Pop-Melodien, dann Heavy-Parts in Amenra-Gefilden, gleichzeitig sphärisch, Hip-Hop- und Hardcore-Elemente verschmolzen – wie das funktioniert, bleibt ein Geheimnis des Duos.
Die Tracks zeigen die enorme Bandbreite des Duos: jeder Song ist anders, jede Mini-Welt für sich. Doodseskader beherrschen die Kunst, brutal und zugänglich zugleich zu sein. Es ist, als ob man einen Fuß in einem dunklen Sludge-Club hätte, während der andere auf einem Dancefloor im Neonlicht steht – und das alles bringen sie zu zweit, ohne Fremdunterstützung, live auf die Bühne.
"The Change Is Me" ist ein KABOOM! – ein radikal vielseitiges, überraschendes und gleichzeitig zugängliches Album, das Doodseskader erneut auf eine neue Entwicklungsstufe hebt. Wer "Year Two" liebte, wird hier aus allen Socken gehauen, wer bisher skeptisch war, wird spätestens jetzt eines Besseren belehrt.
Bewertung: 14/15 Punkten
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Besetzung:
• Tim De Gieter – Vocals, Bass, Produktion
• Sigfried Burroughs – Vocals, Elektronik, Programming
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Starkult zur Verfügung gestellt.

