
Art Pop • Modern Classical • Chamber Folk
(38:09; Vinyl, Digital; Western Vinyl, 04.04.2025)
Ein Album, eine Hommage an den Wert von Beziehungen, Unterstützung und den Nutzen dieser, in Zeiten, in denen man in Stillstand zu versinken droht und sich mehr als nur gefangen fühlt.
Der Multi-Instrumentalist, der sich in Projekten wie Weyes Blood oder Hurray For The Riff Raff längst einen Namen erspielt hat, brauchte für diese Platte einige Zeit und Anläufe, erlebte Stagnation, Schreibblockaden – aber auch Inspiration in Freundschaft, Hilfe von Mit-Musikern aus seiner Heimatstadt, um dieses imaginäre Boot wieder seetauglich zu machen.
Somit muss das Boot auf einem gedachten Ozean nicht steuerlos vor sich hintreiben, sondern nimmt seinen Kurs, nach einigen Turbulenzen, wieder auf, und die friedlichen, meist stillen Klänge sind ihre ganz eigene Welt. Allerhand Instrumente wie Akkordeon, umgekehrte Pfeifenorgel, Melodica, Saxophon – welche mit Hilfe von Synthesizern moduliert und komplett durch verschiedenste Kanäle in völlig neue Sound-Muster verarbeitet wurden – finden hier ihren doch sehr liebevollen-eigenwilligen musikalischen Ausdruck.
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Folkloristische Melodien, experimentell-ambiente Weiten – die sich mit all den verfremdeten Sounds zu einem durchdringenden Teppich ausbreiten ('A Painted Ship') und fast den sakralen Orgel-artigen Ausdruck einer Anna von Hausswolff suggerieren. 'Cloud Prints' atmet Modern Classical, Chamber Folk und den stillen Art Pop so manch später Talk-Talk-Ergüsse.
Ein sehnsüchtiges, fast verzweifelt aufspielendes Saxophon – voller lieblicher in die Ferne blickender Akzentuierungen – nestelt zwischen Avantgarde, Ambient und Klassik hin und her und hätte vor knapp zehn Jahren auf einer dieser typischen Denovali-Veröffentlichungen ohne weiteres einen Ehrenplatz bekommen.
Der Titelsong ist einfach nur wunderschön: flimmernde Schaumkronen, unendlicher Horizont, die Sonne, die auf den unzähligen Wellen fantastische Reflexionen erzeugt. Mit den modulierten, sich türmenden Schichten in 'Sirens' kommt in sanften Schüben dieser Hauch von Isolation, Monotonie und zerbrechlicher Intensität – mit Wehmut und Fernweh blickt man rauf aufs Meer. 'Parade' zerrt mit seinen zehn Minuten, ineinander driftende Drones und Saxophon rühren in emotionaler Versunkenheit auf einfach nur berührende Weise.
Wer seinerzeit experimentelle Acts wie Rachels's und Poppy Ackroyd vergötterte, die ambienten Projekte rund um die Isländer Sigur Rós zu schätzen wusste, der findet in diesem kunstvollen Ambient-Art-Pop ein Bild-und Klanggemälde, welches Frieden in sich trägt, ein sehr schönes, meditatives, aber auch hymnisch kraftvolles Epos.
Bewertung: 11/15 Punkten
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Besetzung:
• Walt McClements - Accordion, Organ, Synths, Trumpet, and Production
• Aurora Nealand - Saxophones on 'Cloud Prints', 'Parade', and 'Clattering'
• Rachika Nayar - Additional production and mixing on 'Sirens'
• Casey Leigh - Narcan Training on 'Parade'
Surftipps:
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Abbildungen: Walt McClements/Bandcamp

