Moonshine Oversight – The Frame

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Moonshine Oversight – The Frame (Worm Hole Death, Just For Kcks, Music, 04.02.22)

Credit: vilko-yote

(56:59; CD, Digital; Worm Hole Death/Just For Kicks, 2022)
Liest man sich den Klappentext für die Presse zu Moonshine Oversights Album “The Frame” durch und hört im Anschluss in ersten Stücke des Tonträgers, so stutzt man doch ein wenig: Metal kann man hier zwar an allen Ecken und Enden hören, doch woher die Bezeichnung Alternative Rock rühren mag, das ist dann doch schwer begreiflich. Denn was einem beim Opener ‘Eyes Of Sorrow’ entgegenschlägt, das ist zwar tief in den 90er Jahren verwurzelt, doch viel mehr im progressiven Metal-Bereich beheimatet als im, das Jahrzehnt so prägenden, Alternative Rock. Selbst Einflüsse aus AOR und und Jazz kann man aus diesem Stück heraushören, doch weder der Melodiereichtum, noch das zeitweilige Gitarrengefrickel von Julien Ventura lösen Assoziationen zum Alternative Rock aus.
Nun gut. Erwartungen nicht erfült. Also setzen, se…. Nein! Halt! Stop! Denn nur weil das vorliegende Album anders klingt als beschrieben, muss man es ja nicht gleich ad acta legen.

Vielleicht sollte “The Frame” einfach unter ganz anderen Vorzeichen betrachten. Nämlich als Konzeptalbum im Stile des Old School Prog Metal. Komponiert von einer Band, die zwar viele Musikrichtungen als Einflüsse nennt, die aber an erster Stelle Prog und an zweiter Stelle Metal ist. Dass die Musiker von Moonshine Oversight dabei aus Frankreich kommen, das kann man “The Frame” kaum anhören. Denn weder hat Sänger Julien Pivi einen ihn als Franzosen entlarvenden Akzent, noch ist die Musik des Quartetts auch nur irgendwie in der landestypischen Musiktradition verwurzelt.

Moonshine Oversight haben mit “The Fame” ein klassisches Konzeptalbum vorgelegt, das melodieverliebt und verspielt zu gleichen Teilen ist und auf emotional eindringliche Art und Weise die Geschichte eines Protagonisten erzählt, der in einem dystopischen System lebt, in dem Wettbewerb, Individualismus und Überkonsum zu den Tugenden zählen und der am Ende der Geschichte wegen seiner Andersartigkeit und seiner konträren Gedanken aus dem System ausgeschlossen wird.

Es ist ein Album, das in seinen Anfangsmomenten so “konservativ progressiv” klingt, dass es für Innovation liebende Hörer eine Hürde darstellen könnte. Das aber im Laufe seiner über einstündigen Spielzeit auch immer wieder moderne Akzente setzt und dadurch letztlich up to date wirkt. Und hat man dann erst mal die erste Hürde geschafft, dann versteht man auch endlich, worauf das verwendete Label Alternative Rock beruht. Vorwiegend wohl auf dem Gesangsstil des Frontmannes Pivi, aber teilweise wohl auch an der Rhytmusarbeit von Bassist Florent Bazzano und François Mayer, die wie bei ‘Ghosts’ auch immer wieder Assoziationen zu Alternative Prog Bands wie Tool weckt.

“The Frame” ist ein Album, dass sich gut in einem Zug hören lässt und das sich vorwiegend an Liebhaber des traditionellen Progressive Metals wendet. Musik, die gleichzeitig aber auch modern und abwechslungsreich genug ist, sodass auch Hörer neuerer Spielarten des Prog dem Album eine Chance geben sollten.
Bewertung: 10/15 Punkten

Moonshine Oversight – The Frame (Wormhole Death, Just For Kcks, Music, 04.02.22)
Besetzung:
Julien Pivi (Vocals, Rhythm Guitars)
Julien Ventura (Lead Guitars)
Florent Bazzano (Bass9
François Mayer (Drums)

Diskografie (Studioalben):
“Vanishing Lines” (2017)
“The Frame” (2022)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Just For Kicks zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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