Archspire – Bleed The Future

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Archspire – Bleed The Future (Season Of Mist, 29.10.21)

Credit: Eliran Kantor

(31:35, Vinyl, CD, MC, Digital; Season Of Mist, 2021)
Technical Death Metal erinnert immer etwas an Hardcore-Porno. Und Musikern beim technischen Gewichse zuzuhören hat etwas von Voy-ohr-ismus. Allzu oft geht es dabei nur um schneller, härter, tiefer. Die Befriedigung der einfachsten Triebe. Ohne das Gefühle dabei irgendeine Rolle spielen würden. Manchmal allerdings sind Hardcore-Streifen so abscheulich gut gemacht, dass tiefgreifende Gefühle so was von egal sind. Hauptsache, es werden genug chemische Botenstoffe ausgeschüttet.

“Bleed The Future” ist nichts anderes als akustischer Hardcore-Porno, der binnen kürzester Zeit zum Ohr-gasmus führt. Zwar richtet sich auch dieser nicht an romantische Seelen, doch zumindest kann er immer wieder mit leidenschaftlicher Experimentierfreude aufwarten, welche man bei anderen Künstlern vergeblich sucht. Die fünf Mannen von Archspire sind dabei die Darsteller.

Star des Ensembles ist Frontmann Oliver Rae Aleron, der mit seiner Deep-Throat-Technik maschinengewehr-artige Salven abfeuert. Ein Zungenakrobat, der seines Gleichen sucht und nicht nur bei ‘Golden Mouth Of Ruin’ für den nötigen Flow sorgt. Auch Spencer Prewett hinterm Schlagzeug mag es scheinbar extra brutal und bewegt seine Gliedmaßen in kaum mehr nachvollziehbarer Geschwindigkeit, um die Felle zu verdreschen. Die Gitarristen Dean Lamb und Tobi Morelli lassen währenddessen ihre Finger spielen, dass man fast das Bewusstsein verliert. Und dies nicht nur beim atemberaubenden Opener ‘Drone Corpse Aviator’, sondern über die gesamte Spielzeit von nur 30 Minuten. Bassist Jared Smith sorgt mit betörenden Basslinien derweil für den nötigen Tiefgang.

Dass “Bleed The Future” jedoch nicht nur Tech-Death-Porno im Schnellf***er-Format ist, zeigen Archspire immer wieder durch ihren Fetisch für Prog- und Jazz-Strukturen (‘Abandon The Linear’!), wodurch die einzelnen Stücke an Spannung und an Abwechslung gewinnen. Kurze Verschnaufpausen zum Energie-Tanken, wie das Klassik-Intro zu ‘Reverie On The Onyx’, inklusive.
Bewertung: 12/15 Punkten (FF 12, MK 12, KR 12)


Tracklist:
1. ‘Drone Corpse Aviator’ (3:46)
2. ‘Golden Mouth of Ruin’ (4:05)
3. ‘Abandon The Linear’ (4:36)
4. ‘Bleed The Future’ (3:48)
5. ‘Drain Of Incarnation’ (4:20)
6. ‘Acrid Canon’ (4:09)
7. ‘Reverie On The Onyx’ (3:47)
8. ‘A.U.M.’ (3:04)

Archspire – Bleed The Future (Season Of Mist, 29.10.21)
Besetzung:
Oliver Rae Aleron (vocals)
Spencer Prewett (drums)
Dean Lamb (guitars)
Tobi Morelli (guitars)
Jared Smith (bass)

Diskografie (Studioalben):
“All Shall Align” (2011)
“The Lucid Collective” (2014)
“Relentless Mutation” (2017)
“Bleed the Future” (2021)

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Season Of Mist zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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