Moron Police – The Stranger And The Hightide (EP)

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Moron Police – The Stranger And The Hightide (EP) (Mighty Jam Music Group, 29.10.21)

Credit: Thomas Falla Eriksen

(14:54; CD, Digital; Mighty Jam Music Group, 2021)
Moron Police ist eine norwegische Band, die bisher komplett unter dem Radar von BetreutesProggen.de geflogen ist. Zu Unrecht, denn v.a. ihr drittes Studioalbum “A Boat on the Sea” konnte mit seinem Gute-Laune-Prog-Pop über weite Strecken überzeugen. Es war ein Album, dass es in viele Prog-Bestenlisten des Jahres 2019 schaffte, und dass, obwohl das Quartett kein Label in seinem Rücken und das Album in Eigenregie veröffentlicht hatte. Ein musikalischer Selbstläufer sozusagen.
Zuvor hatten die Norweger eine musikalische Metamorphose durchlebt, denn obwohl noch immer eklektisch in ihrem Ansatz, hatte die Band ihre Alternative- und Metal-Wurzeln fast komplett aus ihrem Soud gestrichen. So waren auf ihren beiden ersten Alben “The Propaganda Machine” (2012) und “Defenders of the Small Yard” (2014) neben Prog, Funk, Pop und Orchester nämlich noch Mike Patton– und Primus-Anleihen und stellenweise auch Growls zu hören gewesen. Ein Stilwechsel, der teilweise dem Abgang von Bassist und Gründungsmitglied Rune Stordahl geschuldet war, teilweise aber auch der schieren Experimentierfreude der Skandinavier.

Auch “The Stranger And The Hightide”, die im letzten Oktober veröffentlichte EP der Band, hatte bisher keine Berücksichtung auf diesen Seiten gefunden, was sich aber just in diesem Moment ändert. Denn die Norweger sind in ihrer Mannigfaltigkeit einfach viel zu interessant, um sie einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Leider wird diese Rezension aber auch von tagesaktuellen Geschehnissen überschattet, denn Schlagzeuger Thore Omland Pettersen ist am 15. Januar 2022 bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ein tragisches Unglück, das aber weiteren Anlass liefert, sich endlich mit dieser Band zu beschäftigen.

Auch auf “The Stranger And The Hightide” machen Moron Police genau das, was sie am allerbesten können: Erstens, sich komplett zwischen alle musikalischen Stühle setzen. Und zweitens, die Hörer ein weiteres Mal mit vorher nicht absehbaren Sounds konfrontieren. Denn die neue EP bietet wieder einmal Genre-übergreifende Verrücktheit. Wer sonst käme schon auf die Idee, seinen Progressive Rock mit Einflüssen aus der Country- und Western-Musik zu durchsetzen. Die Musik von Moron Police bleibt in ihrem Wesen dabei genauso fröhlich und erbaulich, wie zuletzt auf “A Boat on the Sea” . Denn die EP ist gespickt mit großartigen Melodien, bissigem Humor, und liebenswerter Schrägheit. Trotzdem handelt es sich bei den vier Stücken um Lieder, die es so nicht auf einen Longplayer der Band geschafft hätten. Denn sie repräsentieren den Ideenreichtum der Musiker und sollen der Auftakt einer Reihe von EPs sein, auf denen Tracks zu finden sein werden, die musikalisch etwas anders geraten sind.

“The Stranger And The Hightide” ist also bis zu einem gewissen Grad neues Territorium, das aufgrund seiner Cowboy-Attitüde definitiv nicht jedermanns Fall sein wird. Schon der Opener ‘The Power Of Jesus’ verbreitet beschwingtes Western-Feeling. Er ist Gute Laune-Country-Prog mit Banjo, Hammond-Orgel und Alternative-Schlagseite, an den man sich erst einmal gewöhnen muss. Aber zumindest die unverwechselbaren Gesangs-Harmonien von Sondre Skollevoll sind auch hier vorhanden, so dass wenigstens Fans der Band der Zugang zum Album nicht allzu schwer fallen sollte. Dass das Stück zum Ende hin immer flotter und härter wird, ist dabei ein besonderes Schmankerl, da Moron Police hierdurch die Schatten ihrer Prog Metal-Vergangenheit heraufbeschwören. Auch das Titelstück der Platte kommt ausgelassen daher und verbreitet mit seinen Swing-Harmonien vor allem im Mittelteil eine Stimmung, die Gelüste aufkommen lässt, das Tanzbein zu schwingen, bevor es als A-Aapella-Stück mit Banjo-Begleitung ausklingt.

‘Waiting For Wastelands’ bildet im Anschluss einen gelungenen Kontrast, da es dass flotteste der Stücke der Aufnahme ist und durch seinen eingängigen Chorus den Bogen zum letzen Longplayer schlägt. ‘Parachutes’ist dann ein typischer Album-Closer, der den Hörer mit einem wohligen Gefühl, zurücklässt. Denn die schöne Piano-Melodie der Ballade, der angenehm ruhige Gesang sowie das dezente Gitarrenspiel, stellen den vorangegangenen drei Stückens eine Simplizität entgegen, die nach so viel fröhlicher Ausgelassenheit für die verdiente Entspannung sorgt.

Abschließend kann man zusammenfassen, dass “The Stranger And The Hightide” eine EP ist, die qualitativ zwar nicht ganz mit dem erfolgreichen Vorgänger-Album mithalten kann, die Band aber gerade durch die genre-fremden Western-Einflüsse noch facettenreicher erscheinen lässt. Ein extended Play, das Vorfreude auf das anstehende Konzeptalbum aufkommen lässt. Auch wenn diese Freude, durch den plötzlichenTod von Thore Omland Pettersen mehr als getrübt ist.
Bewertung: 11/15 Punkte

Moron Police – The Stranger And The Hightide (EP) (Mighty Jam Music Group, 29.10.21)

Credit: Morten Pedersen

Tracklist:
1. ‘The Power of Jesus’ (4:02)
2. ‘The Stranger and the Hightide’ (4:32)
3. ‘Waiting for Wastelands’ (3:29)
4. ‘Parachutes’ (2:51)

Besetzung:
Sondre Skollevoll (Guitars, Vocals, Hammond)
Lars Bjørknes (Piano, Hammond, Synthesizers, Perc)
Christian Fredrik Holtsteen (Bass)
Thore Omland Pettersen (Drums, Percussion)

Diskografie (Studioalben):
“The Propaganda Machine” (2012)
“Defenders of the Small Yard” (2014)
“A Boat on the Sea” (2019)

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Abbildungen: Moron Police/Bandcamp

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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Moron Police – The Stranger And The Hightide (EP)

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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