Donner – Hesitant Light

0
Donner – Hesitant Lights (Apollon Records, 26.11.21)

Credit: Adrian Wojtas

(40:38, CD/Digital, Apollon Records, 2021)
Die nächtliche Szene einer in Nebel gehüllten Waschstraße mit Glasfront, die von einem unheimlich wirkenden, grünlich schimmerneden Licht durchflutet wird. Es ist ein Front-Cover-Artwork, das wie eine Momentaufnahme aus einem Horror-Thriller oder aus einer Science-Fiction- oder Mystery-Serie wirkt. Einzig und alleine der in roten Lettern leuchtende Schriftzug “Stranger Things” fehlt noch zur Komplettierung der Szene. Stattdessen prangen dem Betrachter die Worte Donner und “Hesitant Lights” entgegen. Denn die hier vorliegende Fotografie ist kein Szenen-Bild aus der beliebten Netflix-Serie, sondern das Solo-Albume von Jacob Holm-Lupo. Doch nicht nur optisch schlägt die Platte des White Willow-Frontmanns in die Mystery-Kerbe, auch klanglich und atmosphärisch erinnern die Synthesizer und Soundeffekte an die Scores von Filmen, die das Übernatürliche behandeln. Es ist Musik, die zu Beginn der Aufahme an John Carpenter und Tangerine Dream erinnert und vorzüglich als Begleitmusik für die neueste Staffel, der in den 80er Jahren angesiedelten Serie fungieren könnte. Bis sich die Stimmung, nach den anfänglichen beiden Stücken, mit ‘Dance of the Swallows’ in eine ganz andere Richtung entwickelt und von plötzlich loungeartigen Jazz-Klängen durchzogen wird.

“Schuld” an diesem Stilwechsel ist u.a. das Gitarrenspiel von Georg Wadenius, der Anfang der 70er jahre für drei Jahre lang bei Blood, Sweat & Tears in die Saiten griff. Er ist einer der zahlreichen Gastmusiker auf “Hesitant Ligth”, die Holm-Lupo in sein Projekt involvierte, da im die Rhythmen der Sequencer and Drum-Coputer zu auf Dauer zu mechanisch erschienen. Das Motto des Albums veränderte sich hierdurch in Richtung “moods and grooves”, so dass die Einflüsse von Jazz-Musikern wie George Duke und Herbie Hancock am Ende genauso großen Einfluss auf die Scheibe hatten wie jene der Synthie-Zauberer. Es sind zwei musikalische Welten, die weit von einander entfernt scheinen, auf Platte jedoch, wie beim grandiosen ‘Streat Heat’ für interessante Klangcollagen sorgen. Zwar klingt die Platte dadurch manchmal ein wenig cheesy, wie etwa bei ‘Night by Night’ dem einzigen Stück mit Gesang, doch mindert dies nur in Ansätzen das Gesamterlebnis dieser stimmungsvolen wie groovebetonten Synthie-Jazz-Fusion.
Bewertung: 10/15 Punkte (FF 10, KR 11)

Donner – Hesitant Lights (Apollon Records, 26.11.21)
Tracklist:
1. ‘Melancholy City’ (4:03)
2. ‘Hesitant Light’ (3:02)
3. ‘Dance of the Swallows’ (4:49)
4. ‘Night by Night’ (4:44)
5. ‘Floating World’ (for J.G. Ballard) (5:05)
6. ‘Street Heat’ (3:07)
7. ‘Andromeda Waltz’ (2:50)
8. ‘Escape from Plague’ (5:32)
9. ‘Devil’s Highway’ (5:52)
10. ‘Coda: Street Heathaze’ (1:34)

Besetzung:
Jacob Holm-Lupo (Yamaha DX7, Oberheim Matrix-6, Ensoniq TS10, Kawai K3, Korg Monologue, Korg polysix, guitars, beatboxes, programming, samples, loops, percussion)

Gastmusiker:
Keith Carlock (drums – tracks 3, 4, 6 & 10)
Georg “Jojje” Wadenius (electric guitar – track 3)
Marte Eberson (vocals – track 4)
Hedvig Mollestad (guitar – 4 & 10)
Martin Hængelse Eilertsen (bass guitar – tracks 2 & 6)
Brynjar Dambo (lead synth, additional synths – track 3)
Bill Bressler (lead synth, additional synths – track 8)
Kristoffer Momrak (flute – track 5)
Ivar Winther (additional synths – track 5)

Surftipps zu Donner:
Facebook
Instagram (Jacob Holm-Lupo)
Twitter (Jacob Holm-Lupo)
Bandcamp
YouTube (Jacob Holm-Lupo)
Apple Music
Discogs (Jacob Holm-Lupo)
Prog Archives (Jacob Holm-Lupo)

Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Apollon Records zur Verfügung gestellt.

image_pdfArtikel als PDF herunterladenimage_printArtikel drucken
Teilen.

Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

Antworten

Hinweis: Mit dem Absenden deines Kommentars werden Benutzername, E-Mail-Adresse sowie zur Vermeidung von Missbrauch für 7 Tage die dazugehörige IP-Adresse, die deinem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, in unserer Datenbank gespeichert. E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden selbstverständlich nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Du hast die Option, Kommentare für diesen Beitrag per E-Mail zu abonnieren - in diesem Fall erhältst du eine E-Mail, in der du das Abonnement bestätigen kannst. Mehr Informationen finden sich in unserer Datenschutzerklärung.

Donner – Hesitant Light

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
0