Oslo Tapes – Ør

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Oslo Tapes – Ør (Pelagic Records, 04.06.21)(42:49, CD, Vinyl, Digital, Pelagic Records, 2021)
Oslo Tapes gehört zu der raren Spezies von Bands, die sich eine eigene musikalische Nische geschaffen hat, die von keiner anderen Gruppierung besetzt wird. Obwohl die Band häufig dem Krautrock zugerechnet werden, besitzt ihre Musik mindestens genauso große Anteile aus Psychedelic, New Wave, Indie und Trip Hop. Und so ergeben die acht Stücke, welche die Italiener auf Tonträger gebannt bzw. in die Cloud gestellt haben, eine einzigartige Mischung verschiedener Stile, die auf erfrischende Art und Weise zu einer harmonischen Einheit zusammengefügt worden sind.

Italiener mag jetzt der ein oder andere fragen? Ja, richtig gehört! Denn Oslo Tapes kommen nicht etwa aus Norwegen, wie der Name vermuten ließe, sondern stammen von der Apenninenhalbinsel. Und doch ist der Name mehr als passend gewählt, denn der Sound des Quartettes um Bandkopf Marco Campitelli weckt eher Assoziationen an die Gletscher, Fjorde und das ungemütliche Klima Norwegens als an Sandstrände, Adria und Sonnenschein. Dies ist nicht dem Zufall geschuldet, denn Campitelli gründete das Projekt im Jahre 2010 nach einer ihn betörenden Reise in die norwegische Hauptstadt. Seit diesem Tag versucht sich Campitelli immer wieder mit unterschiedlichen Mitstreitern daran, die mystische Stimmung Norwegens einzufangen. „Ør“ ist nach Oslo Tapes 2013er Debüt „OT (un cuore in pasto a pesci con teste di cane)“ und seinem zwei Jahre später erschienenen Nachfolger „Tango Kalashnikov“ zwar bereits das dritte Unterfangen seiner Art, doch selten klang die Sehnsucht nach dem norwegischen Hochland so vollkommen und nachvollziehbar wie auf dem vorliegenden Album.

„Ør“ ist in seinen Klangfarben sowohl hypnotisierend als auch einlullend, ganz so, als würde man sich einem Tagtraum hergeben, während dem man eine imaginäre Reise in den hohen Norden Europas bestreitet. Psychedelische Gitarrenklänge, hypnotischer Gesang, repetitive Rhythmusarbeit sowie sphärische Synthesizer vereinen sich zu einem die Sinne betörenden Ganzen, welches einen zwischen Meditation und Fiebertraum hin- und herpendeln lässt. Denn „Ør“ ist entspannend und fordernd zugleich.

Genau so muss Krautrock im 21. Jahrhundert klingen, wenn er noch irgendeine musikalische Relevanz haben soll.
Bewertung: 11/15 Punkte

Oslo Tapes – Ør (Pelagic Records, 04.06.21)
Tracklist:
1. ‚Space Is The Place‘ (5:25)
2. ‚Zenith‘ (4:54)
3. ‚Kosmik Feels‘ (4:59)
4. ‚Bodø Dakar‘ (7:16)
5. ‚Cosmonaut‘ (4:07)
6. ‚Norwegian Dream‘ (4:52)
7. ‚Exotic Dreams‘ (5:19)
8. ‚Obession Is The Mother Of All‘ (5:57)

Besetzung:
Marco Campitelli
Amaury Cambuzat
Mauro Spada
Davide Di Virgilio

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Abbildungen: Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Pelagic Records zur Verfügung gestellt.

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Über den Autor

1978 in Traben-Trarbach geboren und seit 2014 in Köln ansässig bin ich noch immer ein echter Globetrotter. Ziehe ich gerade einmal nicht trampend und couchsurfend mit meiner Frau Inga durch die Welt, so arbeite ich als Sozialpädagoge in der Inklusionsbegleitung sowie in der Einzelfall- und Familienhilfe. Nebenberuflich bin ich als Stadtführer für Free Walk Cologne tätig. Außerdem nähen Inga und ich hin und wieder noch immer unsere Travelling Monkeys, handgefertigte Stoffaffen. Musikalisch in den 90ern sozialisiert, wuchs ich mit Grunge (Pearl Jam, Nirvana), Prog (Marillion, Dream Theater), Punk (Bad Religion, NoFX), Gothic Metal (Paradise Lost, My Dying Bride) und Crossover (Rage Against the Machine, Faith No More) auf. Für mich sind die letzten zehn Jahre musikalisch so ziemlich die spannensten, die ich bisher erlebt habe, da in dieser Zeit viele jener verschiedenen Stile musikalisch zusammengführt worden sind.

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Oslo Tapes – Ør

von flohfish Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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