Desertion Trio – Numbers Maker

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Desertion Trio - Numbers Maker (Cuneiform, 22.4.21)(40:28, CD, Digital, Cuneiform Records, 2021)
Öha. Mitunter muss man eben auch mal die eigenen Komfortzone verlassen, sich neuen Herausforderungen stellen. Die freigeistige musikalische Ekstase des amerikanischen Desertion Trio – bestehend aus Nick Millevoi (Gitarre), Johnny DeBlase (Bass) und Jason Nazary (Schlagzeug) – liefert dafür perfektes Futter. Deswegen: Ohren auf und durch.

Werbetechnisch läuft „Numbers Maker“ unter den Stilistiken Jazz und Avantgarde. Die fünf Instrumentaltracks lassen sich mit Adjektiven wie nervös oder sperrig belegen. Oder meist einfach als verrückter Lärm umschreiben. Hier verschwimmen schlichtweg die Grenzen zwischen wilder Improvisation und hektischen Taktfolgen. Lässt man sich jedoch auf diese fordernde Musik ein, dann erkennt man sogar Elemente aus jaulender Surf Music(!) und schräge, verzerrte Riffs und wilde Saitenläufe vereinigen sich mit einem stets voranstürmenden Rhythmusgeflecht.

Als komplettes Kontrastprogramm präsentiert sich dafür die Coverversion von ‚Taboo‘ (von der Kubanerin Margarita Lecuona komponiert), die das Desertion Trio als lässige, wohl strukturierte Nummer, eine Art Surf Rock Blues interpretieren. Mehr davon und der Zugang zu diesem Album wäre um einiges einfacher ausgefallen. Genauso lenkt der anschließend folgende Titeltrack die Energie der ersten drei Stücke zumindest zu Beginn in wesentlich geordnete Bahnen. Doch im Schlussteil zerfällt die Musik wieder komplett in ihre Einzelteile.

Desertion Trio fordern die komplette Aufmerksamkeit des Hörers. Der teilweise hohe Nervfaktor, wird zu einem persönlichen Kampf mit der Stopp-Taste, um dieses musikalisches Martyrium zu beenden. Ein Werk zwischen Faszination und Ablehnung.
Bewertung: 9/15 Punkten

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Cuneiform

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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