Suburban Savages – Demagogue Days

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Suburban Savages - Demagogue Days (Apollon, 3.3.21)(44:22, CD, Digital, Vinyl, Apollon Records, 2021)
Mit ihrem letzten Album „Kore Wa!“ hinterließen Suburban Savages bereits ein deutliches Statement. Nun ist das norwegische Quartett in leicht veränderter Besetzung wieder zurück – und gibt sich immer noch in gewissen Ansätzen unbequem und unberechenbar. Zwar wurden die ganz verqueren Gedanken etwas zurückgeschraubt und man findet nun wesentlich mehr Einflüsse von sinfonischem Retro Prog. Dennoch: vorhersehbar ist hier nur wenig. Wiederum bevorzugt die Band inhaltliche Brüche und so nicht erwartbare Wendungen, so dass die acht Tracks auf „Demagogue Days“ einiges an Überraschungen offenbaren.

Bereits die Besetzung und Instrumentierung bestehend Trond Gjellum (Gesang, Schlagzeug, Percussion, Programming, Synthesizer, Drum Machines Samples), Anders Kristian Krabberød (Bass, Chapman Stick, Gitarre, Synthesizer, E-Bow Guitar, Gesang), Mari Lesteberg (Gesang, Keyboards, Synthesizer) und Thomas Meidell (Gesang, Gitarre, Sitar, Bass, Synthesizer, Therrmin, Omnichord, Field Recordings, Samples) lässt erkennen, dass man es hier nicht mit einer alltäglichen Besetzung zu tun hat. Da kracht und knirscht es zuweilen, es entwickeln sich aus Geräuschen auf einmal packende Songstrukturen und manch abenteuerlicher Einstieg wird in sehr gut anzuhörende Sinfonik und satte Melodien umgelenkt. Zugleich sind die Zeuhl- und Avantgarde-Ansätze des Vorgängerwerks aber komplett verschwunden.

Dem Vierer aus Oslo gelingt eine vitale Mischung aus Komplexität und Griffigkeit, ohne dass man nur die allseits bekannten Klischees zu hören bekäme. Da trifft kunstvoller, eingängiger Pop auf jede Menge lässigen Retro Prog und auf mehrstimmige Gesangharmonien. Da wird ganz locker Spielfreude und ansteckender Frohsinn mit musikalischen Anspruch und instrumentaler Eleganz verschmolzen. Vor allem der Verzicht auf die avantgardistischen Schlenker des letzten Albums verleiht der Musik wesentlich mehr Zugänglichkeit. Dennoch bleibt man hier nicht vor inhaltlichen Wendungen gefeit. Suburban Savages überrumpeln den Hörer immer wieder auf angenehme Weise, selbst wenn man gesanglich gewisse Abstriche zu verzeichnen hat.

„Demagogue Days“ überschreitet wiederum Genregrenzen, bleibt dabei jedoch wesentlich konkreter, ohne auf eine gewisses Maß an Komplexität zu verzichten. Progressive Rock auf spannende und frische Art neu interpretiert.
Bewertung: 11/15 Punkten (KR 11, KS 11)

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Abbildungen: Suburban Savages / Apollon Records

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Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Suburban Savages – Demagogue Days

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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