Neptunite – Sensor

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Neptunite - Sensor (unsigned, 13.8.20)(78:26, CD, Digital, Eigenproduktion, 2020)
Eine schöne Neuentdeckung ist das deutsche Trio Neptunite, das laut eigener Info eine Mixtur aus Prog, Krautrock und klassischer Elektronik spielen. Bis auf ein paar Sprachsamples rein instrumental gehalten bietet das Debütalbum „Sensor“ fünf Songs, von denen der kürzeste, ‚Scent Of Blue Iris‘ immer noch fast neun Minuten andauert, der längste, ‚Tactile Perception‘ lässt sich über 28 Minuten Zeit.

Tim, Guido und Marc – das klingt fast schon wie Edgar, Christopher und Peter, oder auch wie Ralf, Florian, Karl und Wolfgang. Wobei die letzteren eher wenig Einfluss auf „Sensor“ haben dürften, dafür das Berliner Trio sowie Roger, David, Richard und Nick umso mehr. Dazu kommt noch ein unerwarteter Spaß an das Fusion-Genre streifende, locker improvisiert klingende solistische Exkursionen, die man im Elektro-Genre nur selten findet, und auch Mike Oldfield (allerdings eher der aus den frühen Neunzigern) und Keith Emerson haben Spuren hinterlassen. Auch wenn das auf dem Papier nach viel Flickwerk klingt, kommt „Sensor“ jederzeit flüssig und unaufgesetzt daher. Tatsächlich ergeben diese unterschiedlichen Einflüsse in Kombination sogar eine ziemlich originelle Mixtur und sowieso ein höchst unterhaltsames Album. Neptunite haben gottlob nicht den Fehler gemacht, alles über Gebühr aufzublasen. Die Arrangements sind wunderbar schlank, die Instrumente bekommen jede Menge Luft zum Atmen, die Melodien können sich frei entfalten. Wenn man etwas kritisieren möchte, dann lediglich dass das Ganze ein wenig zu sehr im freundlich-hellen Licht bewegt: ein paar Ecken und Kanten, etwas mehr Gefahr, ein paar düsterere Wendungen wären in einem 78-Minuten-Album dem Spannungsbogen durchaus zuträglich. Das ist aber pure Geschmacksfrage.

Auch produktionstechnisch hat das Trio alles richtig gemacht: die Eigenproduktion verrät lediglich der Snare-Sound, ansonsten klingt das alles ganz phänomenal. Auch hier profitiert das Material vom Fehlen jeglicher Selbstüberschätzung und Fehlambition: alles da, was hingehört, kein Effekt und keine Spur zuviel. Obwohl es sich um ein Debüt handelt, wirkt alles sehr durchdacht und fokussiert. Kurz: ein sehr empfehlenswertes Album von einer Band, die man im Auge behalten sollte.
Bewertung: 12/15 Punkten (SG 12, JM 11)

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SaschaG

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Neptunite – Sensor

von SaschaG Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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