Steve Hillage – Live At Rockpalast 1977

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Steve Hillage - Live At Rockpalast 1977 (MiG, 18.12.20)(74:41 + DVD, MiG Music, 1977/2020)
Dieses Konzert ist bereits mehrfach in verschiedenen Aufmachungen und Klangqualitäten bei mehreren Labels erschienen. Zuletzt hatte 2014 Repertoire Records den Rockpalast-Doppelpack aus CD und DVD aufgelegt. Auch die hier vorgestellte Ausgabe beinhaltet auf CD aus Platzgründen nicht den kompletten Auftritt, wiederum wurden ‚Aftaglid ‚ und ‚Electrick Gypsies‘ weggelassen. Auf der DVD ist dafür alles vollständig dokumentiert, was am 20.März 1977 in der Aula der Otto-Hahn-Schule in Bensberg auf der Bühne geschah. Kleiner Schönheitsfehler: auf dem Back-Cover wurde aus dem ‚Salmon Song‘ der ‚Salomon Song‘, während ‚Aftaglid‘ sich ‚Afterglid‘ nennt. Komischerweise ist im Booklet aber alles korrekt geschrieben.

Doch geht es an dieser Stelle vor allem um den musikalischen Gehalt und der ist absolut erstklassig. Denn zu hören ist ausschließlich Material aus den ersten beiden und definitiv besten Soloalben von Steve Hillage, „Fish Rising“ (1975) und ‚L“ (1976), ergänzt um die Zugabe ‚Not Fade Away (Glid Forever)‘, die zeitlich erst später, nämlich auf „Motivation Radio“ erschien. Ebenfalls interessant die Besetzung, vor allem deswegen, da es sich dabei im Gegensatz zu den Studioaufnahmen um ein nahezu komplett verändertes Line-up handelt. Dieses besteht neben Steve Hillage (Gitarre, Gesang) und seiner langjährigen Begleitung Miquette Giraudy (Keyboards, Gesang), noch aus Jethro-Tull-Gründungsmitglied / Schlagzeuger Clive Bunker, dem späteren Camel-Bassisten Colin Bass, sowie Phil Hodge (Keyboards), Christian Boulé (Gitarre) und Basil Brook (Synthesizer, Flöte).

Besonders das dreifache Tastenarsenal sorgt für perfektes Gezirpe und Gefiepe als instrumentaler Unterbau für die flirrenden, schwebenden Gitarrenlinien und prägnanten Keyboardsoli (u.a. am Moog und Fender Rhodes). Gerade in den langen, mitunter sehr atmosphärischen Instrumentalpassagen wie z.B. bei ‚Hurdy Gurdy Glissando‘ oder den beiden Longsongs ‚Solar Musick Suite‘ und ‚Lunar Musick Suite‘ entsteht ein fließender Mix aus verspielten, sehr druckvollem Space / Psychedelic Rock, der sich in ausgiebigen Improvisationen mehrfach exstatisch steigert. Teils komplexe, teils sehr groovige Rhythmusmuster sorgen weiterhin für die nötigen Dynamikwechsel. Dass sich in der Setlist gleich drei Cover_Versionen befinden – nämlich Donovans ‚Hurdy Gurdy Man‘, dass von George Harrsion geschriebene ‚It’s All Too Much‘, sowie Buddy Hollys ‚Not Fade Away‘ – fällt überhaupt nichts in Gewicht, da diese komplett in den sphärischen Steve-Hillage-Kosmos überführt und vereinnahmt wurden.

Die DVD-Qualität geht soweit in Ordnung und entspricht dem historischen Standard jener Zeit. Die Lighshow bleibt sparsam, aber effektiv, es ist aber vor allem die Spielfreude, die bestens transportiert wird. Auch optisch bietet der Fernsehmitschnitt einen nostalgischer Genuss: Steve Hillage als nahezu dauergrinsender Hippie, Colin Bass mit langen Haaren und Bart im Vergleich zu heute kaum wiederzuerkennen, während Clive Bunker am Schlagzeug absolut alles gibt. Eine wunderbare Zeitreise mit hervorragendem musikalischem Gehalt.
Bewertung: 12/15 Punkten (KR 12, KS 12)

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Abbildungen: Steve Hillage / MiG Music

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Steve Hillage – Live At Rockpalast 1977

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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