Gaffa Ghandi – Artificial Disgust

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(44:02, CD, LP, Digital, Exile On Mainstream Records, 2020)Gaffa Ghandi - Artificial Disgust (EoM, 2020)
Zugegeben, das Cover verleitet auf den ersten Blick nicht unbedingt zum spontanen Herunterreißen sämtlicher Kleider und besinnungslosen Kreischen. Aber hey, die Rockgeschichte kennt ja bekanntlich so einige „obskure Spezialitäten“ auf durchaus sehr ordentlichen Tonträgern.
Und weil die Band sich selbst nicht ganz so bierernst nimmt und gerne mit selbstironischem und groteskem Auftreten herumbosselt, passt das Bild am Ende doch wiederum perfekt.

Hören wir den Inhalt an… Heftiges Riffing ist Programm und kann den Stoner-Freund sofort erfreuen, den Prog-affinen Hörer dagegen zunächst eher abschrecken. Aber eben nur zunächst! Es entpuppt sich nämlich beim Dranbleiben die auf den ersten Blick eher simple Riff-Akrobatik als (notwendiges) Fundament für allerlei schöne und durchdachte psychedelische Spielereien und Ausflüge in durchaus proggige Gefilde, und das Alles mit ordentlich Schmackes und roher Wildheit. Das Ding entwickelt sich prächtig und bei jedem Durchlauf kommt mehr und mehr die Feinarbeit und Grundidee zum Vorschein, die sich unter der rauhen und ungeschliffenen Oberfläche zunächst gut versteckt gehalten hat.

Die musikalische Sozialisierung der vier Musiker ist deutlich herauszuhören. Man sieht nämlich den einen oder anderen gerne auch bei solch exklusiven Veranstaltungen wie dem Freakshow-Festival in Würzburg. Ja klar – so was bleibt eben nicht ohne Folgen für das eigene Tun. Gut so!
Sie rocken sich rampensauig durch das Album, genau wie auf der Bühne. Und dort stehen sie oft und gerne. Und gerade live gespielt sollte sich Titel Nr. 4 mit dem schönen Namen “Progressive Concepts For A Modern World Of Multilayered Structural, Sociological And Individual Changeabilities” (Wer denkt sich nur sowas aus?) als Nackenbrecher in dunklen Konzertkellern außerordentlich gut eignen.

Ein gutes und vor allem sehr ambitioniertes Album haben die Jungs da hingelegt.
Bewertung: 10/15 Punkten (KH 10, KR 11)

Line-up:
Georg Edert – Drums
Lucas Kazzer – Bass
Frieder Ackermann – Guitar
Alan Bittner – Guitar

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Über den Autor

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Baujahr '65 und somit (gerade noch so, also Glück gehabt) mit der 70s-Musik sozialisiert. Booker für die Konzertreihe "special concert" im Schieszhaus Zeulenroda mit Schwerpunkt Jazzcore, Avant und allgemeiner Stehmusik. Leidenschaftlicher Musiksammler mit verdächtiger Neigung zu allen möglichen Abartigkeiten und Obskuritäten. Der seltsame Musikgeschmack ist gerne hier nachzuvollziehen: https://laut.fm/freakout

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Gaffa Ghandi – Artificial Disgust

von Klaus Heuschkel Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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