Daniel Tompkins – Castles

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(60:45, CD, Vinyl Digital, Kscope/Edel, 2019)
Solo-Alben dienen meist dazu, eine andere Facette eines Künstlers zu zeigen, ihm seine Freiheiten außerhalb des Korsetts einer Band zu bieten. Sänger / Songschreiber Daniel Tompkins ist zwar der aktuelle Frontmann der britischen Djent-Formation TesseracT, doch er nahm sich bereits beim Art Pop-Projekt White Moth Black Butterfly gewisse stilistische Freiheiten.

So überrascht es nicht wirklich, dass sein Solowerk “Castles” zwar hin und wieder auf gewisse Bombast-Elemente setzt, aber ansonsten mehr im elektronischen, hymnischen Pop zu Hause ist, also meist fern ab von dem, was man eigentlich von ihm aus der metallischen, dramatischen Welt von TesseracT oder seiner ehemaligen Band Skyharbor kennt. Trotzdem darf hin und wieder etwas Gitarrenpower nicht fehlen, wobei diese eine sehr dosierte, äußerst zurückgenommene Verwendung findet.

“Castles” setzt sehr viel auf vielschichtige und überlagerte Gesangsspuren, baut stilistisch zudem auf einen teils sehr ruhigen, teils leicht aggressiven, aktuellen Elektrosound. Trotz eine gewisser klanglichen Experimentierfreudigkeit bleiben die Arrangements jedoch sehr bodenständig und eingängig, sind dafür hauptsächlich von pulsierenden synthetischen Klängen und fragilen, ergreifenden Melodien durchzogen. Der Gesang von Tompkins setzt weniger auf Kanten oder hörtechnische Stolpersteine, sondern wandert in einer Art sanfter, urbaner, gleichfalls melancholischer Schönheit durch die musikalischen Geflechte aus 13 Tracks und sechs Alternativversionen mit unterschiedlichen Gastmusikern / Produzenten (u.a. Randy Slaugh).

Zusammen mit Eddie Head schrieb und produzierte Tompkins dieses auf das Wesentliche reduzierte Album, welches inhaltlich von Enttäuschungen, von Verletzlichkeit geprägt ist, was den traurigen, atmosphärischen Unterton erklärt. Einziges Manko: dem Album fehlt ein herausragender Track, selbst wenn ‘Saved’ noch am meisten heraussticht. Dennoch verfügt die stilvoll komponierte Musik gerade aufgrund der gut durchdachten Ideen und atmosphärischen Stimmungen über das gewisse Etwas und ein bestimmtes Maß an Außergewöhnlichkeit.

Kunstvoller, betrüblicher Pop: edel gemacht und perfekt produziert – Daniel Tompkins besitzt eben nicht nur für die metallische, technische Seiten des Lebens ein Faible und die “handwerklichen” Fähgikeiten.
Bewertung: 10/15 Punkten

Pic: Steve Brown

Daniel Tompkins (Foto: Künstler)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Daniel Tompkins – Castles

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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