Telegraph – Mir

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Telegraph - Mir (2018)(51:14, CD, Eigenproduktion/Just For Kicks, 2018)
Hinter Telegraph verbirgt sich das Debüt einer israelischen Formation mit einer langjährigen Erfahrung bei den beteiligten Musikern. Laut eigener Aussage siedeln sie ihre Stilistik im Grenzbereich zwischen 70er inspirierten Progressive Rock und Psychedelic Rock an. Mit der 2018er Veröffentlichung, dem bereits im Sommer 2017 aufgenommenen “Mir” (= Frieden bzw. Welt, in der direkten Übersetzung aus dem Russischen, sowie ebenfalls der Name der russischen Raumstation) setzt man auf eindeutige Inspiration durch Camel in leicht psychedelischer, floydiger Ausprägung, sowie dem thematischen Bezug zum russischen Kosmonauten Sergei Krikaljow.

Immer wieder versuchen Bands den musikalische Geist einer Band für sich zu vereinnahmen, was bei Telegraph dazu führt, dass man sich unweigerlich fragt, ob man hier längst verschollene, nicht veröffentliche Camel-Demo Aufnahmen aus den 70er zu hören bekommt bzw. eben einfach nur eine anachronistische Neuinterpretation der Vergangenheit durch den Äther schwebt.

Deswegen kommen einem unweigerlich bei diesem Werk die Worte Klon bzw. Plagiat in den Sinn, denn der deutliche Camel-Einfluss bei den sechs Tracks ist geradezu erschlagend und absolut offensichtlich. Deren legendäres 76er Album “Moonmadness” (welches von Camel erst letztes Jahr komplett wiederaufgeführt wurde) ist mehr als nur eine sehr deutliche Inspirationsquelle, Telegraph versuchen die Arrangements, die Melodien, die weichen, ausschweifenden Gitarren- und Keyboardfiguren, sowie die Kompositionstechnik jener Aufnahmen für sich noch einmal wiederzubeleben.

Für den Mix und das Mastering stand übrigens Udi Koomran zur Verfügung, der besonders einen sehr guten Ruf vor allem im avantgardistischen Bereich verfügt (war er in der Vergangenheit u.a. für Present, Camembert, Yugen, Panzerpappa, 5UU’s tätig) – und nun hier im melodischen Sektor ebenfalls eine ansprechende Klangqualität abliefert.

Der Vierer in der Besetzung Avi Barak (Schlagzeug, Flöte), Liran Herrnstadt (Bass, Gesang), Eze Sakson (Orgel, Minimoog, E-Piano, Mellotron) und Tal Rubinstein (elektrische & akustische Gitarre Gesang) versteht sein Handwerk und setzt die sechs Titel (inkl. dem knapp 15-minütigen Longtrack ‘Remote Control’) in harmonischen und eingänigen 70s Retro Prog mit jeder Menge instrumentaler Ausschmückungen gelungen um.

Die Grundideen sind schlüssig gewählt und sowohl von der musikalischen, wie auch inhaltlichen Inspiration mehr als nur angenehm anhörbar. Auch der Ansatz vor allem auf eine instrumentale Ausrichtung zu setzen ist lobenswert, denn die wenigen Gesangspassagen fallen leider durch eine eher dünne, wenig ausdrucksvolle Vokalarbeit auf. So schwankt die Gesamtbeurteilung letztendlich zwischen einem gehörigen Maß an Bewunderung und einer gewissen Ernüchterung, denn eine eigene Färbung ist nur sehr rudimentär erkennbar.

Musikalisch gut gemacht und sympathisch umgesetzt, von einer interessanten Idee inspiriert, muss hier jeder für sich selbst entscheiden, wie viel 70s Original Prog-Rock als Kopie man ertragen möchte.

Bewertung: 10/15 Punkten (WE 10, KR 10, KS 10)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Telegraph – Mir

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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