It Bites – Live In London

1

(37:03 + 49:00 + 50:30 + 43:14 + 53:48, 5 CD, It Bites Music / Just For Kicks, 2018)
Mit der schmucken Box “Live In London” bekommt man einen prächtigen Überblick über die Livequalitäten von It Bites aus den Jahren 1986-1990. Die Formation, die sich als Progressive Rock Pop Band verstand, und wie kaum eine andere den Zeitgeist der 80er Musik mit ansteckender Spielfreude und geschickt eingewobenen Art / Progressive Rock Einflüssen vereinte, beweist bei den hier veröffentlichten Aufnahmen, dass sie sich auf der Bühne nochmals auf einem ganz anderen Level bewegte.

Warum It Bites der ganz große Durchbruch verwehrt blieb, ist eines dieser nicht erklärbaren Musikphänomene. Ausgestattet mit einem Vertrag bei Virgin Records, dem Singlehit ‘Calling All The Heroes’, der es sogar in die Top 10 der britischen Charts schaffte und diversen stilistisch passenden Support Acts Aktivitäten (z.B. bei Jethro Tull, sowie dem legendären Marillion Auftritt auf der Loreley), spielte man zwar in immer größeren Clubs bzw. Hallen, doch gelang einfach kein entsprechender kommerzieller Erfolg und man zerbrach letztendlich an bandinternen Spannungen und stilistischer Uneinigkeit.

Auf den fünf CDs sind drei Konzerte enthalten, die jeweils an unterschiedlichen prestigeträchtigen Locations (Marquee, London Astoria, Hammersmith Odeon) in London mitgeschnitten und vom Original Line-Up mit Francis Dunnery (Gitarre, Gesang), John Beck (Keyboards), Dick Nolan (Bass) und Bob Dalton (Schlagzeug) präsentiert werden. Enthielt die vor einigen Jahren erschienene 4er Box “Whole New World” die ersten vier offiziellen Alben der Band, die bei Virgin Records erschienen, angereichert durch diverse Bonustitel, B-Seiten und Livetitel und war für ein größeres Publikum gedacht, so ist “Live In London” doch mehr für die Fans. Wobei man anscheinend das Interesse von Bandseite etwas unterschätzt hatte, denn die erste Auflage der Livebox ist bereits ausverkauft.

Passend zu jedem Studioalbum sind die drei Konzerte ausgelegt. Erstaunlicherweise gibt es nur wenige titelmäßige Überschneidungen, da sich It Bites bei ihren Auftritten jeweils auf ihr aktuelles Studioalbum fokussierten. Während der nur 37-minütige 86er Mitschnitt aus dem Marquee auf CD1 zum Großteil das Debütwerk “The Big Lad In The Windmill” abdeckt, bekommt man beim 88er Gig im Astoria (CD2+CD3) u.a. komplett “Once Around The World” geboten. Der Auftritt im Hammersmith Odeon aus dem Jahr 1990 (CD4+CD5) setzt vor allem auf das Material von “Eat Me In St.Louis”, enthält mit ‘Feels Like Summertime’ zudem einen unveröffentlichten Track, sowie mit ‘Welcome To The Wild Country’ einen Titel, der später auf dem ersten Soloalbum von Francis Dunnery landete.

So wie sich It Bites stilistisch weiterentwickelten bzw. veränderten, so sind die jeweiligen Konzerte vom musikalischen Schwerpunkt und der Atmosphäre etwas anders ausgelegt. Gerade die rockigere, geradlinige Ausrichtung von “Eat Me In St.Louis” spiegelt sich im dazugehörigen Auftritt wieder, während die progressive, ausufernde Seite von “Once Around The World” nicht nur bei den beiden Longtracks ‘Old Man And The Angel’ und dem Titelsong zur Geltung kommt. Was aber generell auffällt: die Songs werden live teilweise durch neue Intros, andere Parts, Soloexkursionen oder Publikumsanimation angereichert, auch dürfen ein paar Zitate anderer Künstler nicht fehlen. So wird als Intro von ‘Midnight’ geschickt ‘Faith Healer’ (Alex Harvey Band) eingewoben, bekommt der Longtrack ‘Once Around The World’ noch Frank Sinatras ‘New York, New York’ inkludiert, findet selbst ein kurzes Jimi Hendrix Zitat oder das ‘Smoke On The Water’ Riff Platz.

Die Mitschnitte atmen echtes Livefeeling, was bedeutet, dass hier nicht immer jeder Ton passt, soundtechnisch hin und wieder leichte Abstriche zu vermelden sind und gerade beim Hammersmith Auftritt das Publikum kaum zu hören ist. Doch die Energie, das tighte Zusammenspiel und der gehörige Spaß sind deutlich erkennbar und begeistern. Wer einen perfekten Sound und nur die Highlights der Band des Original Line-Ups möchte, der liegt sicherlich mit dem offiziellen Livealbum “Thank You And Goodnight” besser, für die Fans der Band ist diese Box aber ein echtes Freudenfest.
Bewertung: 12/15 Punkten

Surftipps zu It Bites:
Homepage
Facebook
Twitter
Wikipedia
InsideOut
iTunes

image_pdfArtikel als PDF herunterladenimage_printArtikel drucken
Teilen.

Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

1 Kommentar

  1. Habe mich sehr über die Box gefreut,
    insbesondere weil mich JMs Antwort auf der Loreley im Sommer auf die Frage “WANN???”

    “This will never happen again”

    doch sehr, sehr traurig stimmt.

Antworten

Hinweis: Mit dem Absenden deines Kommentars werden Benutzername, E-Mail-Adresse sowie zur Vermeidung von Missbrauch für 7 Tage die dazugehörige IP-Adresse, die deinem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, in unserer Datenbank gespeichert. E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden selbstverständlich nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben. Du hast die Option, Kommentare für diesen Beitrag per E-Mail zu abonnieren - in diesem Fall erhältst du eine E-Mail, in der du das Abonnement bestätigen kannst. Mehr Informationen finden sich in unserer Datenschutzerklärung.

It Bites – Live In London

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
1