Not A Good Sign – Icebound

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(48:21, CD Privatpressung, 2018)
Während andere Bands aus Italien mit einem Retro-Prog-Einschlag jeweils eine landestypische Note erkennen lassen, sei es nun mit Gesang in Muttersprache oder durch die schwelgerische mediterrane Ausrichtung, so gingen die aus Mailand kommenden Not A Good Sign von Anfang an einen anderen Weg mit ihrer rückwärts gerichteten Musik. Das hat sich auf ihrem dritten, selbstveröffentlichten Longplayer “Icebound” nicht großartig geändert, denn die Formation um Keyboarder Paolo “Ske” Botta ist doch viel mehr von britischen Bands aus der klassischen Prog-Periode geprägt (vor allem King Crimson und Van der Graaf Generator), wie auch die Stilistik eher auf der Insel, denn auf dem europäischen Festland zu Hause ist.

Selbst wenn der umtriebige Bandmitbegründer Franceso Zago (u.a. ex-The Watch, Yugen) mittlerweile die Band verlassen hat und Botta die kompositorischen Fäden komplett in der Hand hält, so ist doch viel vom britischen Flair, von einer eigenständigen Note, aber auch vom verspielten, komplexen Charme von Gestern, mit nur leichten, aktuellen Strömungen geblieben. Not A Good Sign ist keine typische Retro-Prog-Band, die nach dem immer gleichen Strickmuster funktioniert, sondern sprüht trotz ihrem Vertrauen in Bewährtes vor Kreativität und musikalischer Raffinesse. Das liegt vielleicht auch daran, dass man weder vor leicht jazzigem Canterbury-Einfluss, noch vor sehr moderaten Avantgarde-Tupfern halt macht.

Trotzdem sind die neun Songs auf “Icebound” nie zu schräg, nie zu sperrig, denn das italienischen Quintett versteht es alles harmonisch ineinander zu vereinen und eben auch Raum für atmosphärische, ruhigere Parts zu lassen. Trotz eines ganz leichten Akzents, passt auch der Gesang von Alessio Calandriello in das stimmige Gesamtkonzept. Zudem sorgt das Zusammenspiel von wuchtigen, bombastischen Parts und einer zerbrechlichen Note für die richtige Balance. Keyboards und Gitarre teilen sich die Instrumentalparts, drängen sich aber dennoch niemals in den Vordergrund. Mit diversen Gastmusikern (u.a. ex-VdGG David Jackson bei einem Track) wird außerdem das facettenreiche, sehr verspielte Klangbild verfeinert, das immer wieder Überraschungen parat hat.

Während die ersten beiden Alben noch bei AltrOck erschienen, ist dieses lohnenswerte Album als auf 500 Kopien limitierte CD-Auflage nur direkt bei der Band zu beziehen, ansonsten ist es aber auch als Download auf diversen Plattformen verfügbar.
Bewertung: 11/15 Punkten (GH 13, KR 11, KS 11)

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Über den Autor

Kristian Selm

Höre eigentlich alles quer durch den bunten Gemüsegarten des Progressive Rocks, vergesse dabei aber auch nicht den Blick über den Tellerrand hin zu "normaler" Rock- und Popmusik, auch wenn mir vom aktuellen Mainstream leider immer weniger gefällt.

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Not A Good Sign – Icebound

von Kristian Selm Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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