Electric Light Orchestra – Secret Messages [Double-Vinyl-Reissue]

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E.L.O. - Secret Messages (#Vinyl Reissue)(34:06, 37:57; 2 LP, Sony Music/Legacy, 1983/2018)
Immer wieder stolpert man als Musikliebhaber über skurrile Geschichten in Zusammenhang mit Veröffentlichungen berühmter Alben. Auch das im Juni 1983 erschienene Werk “Secret Messages” vom “Electric Light Orchestra” hat eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte. Jeff Lynne hatte im Vorfeld der Produktion eine besonders produktive Kompositionsphase, sodass während der Sessions zu “Secret Messages” nicht weniger als 18 Songs aufgenommen wurden. Nichts lag näher als aus “Secret Messages” ein Doppelalbum zu machen. Dass ELO in Sachen Doppelalben ein gutes Standing hatten, hatte bereits “Out Of The Blue” eindrucksvoll bewiesen. Aber nix da – Der Boss von CBS legte wegen zu hoher Produktionskosten sein Veto ein, und so wurde aus “Secret Messages” nur eine einfache LP/CD mit 10 bzw. 11 Stücken. Zwar wurden etliche gestrichene Stücke als Single-B-Seiten doch noch veröffentlicht, doch “Secret Messages” war ein Kastrat und vielleicht auch deshalb deutlich weniger erfolgreich als sein Vorläufer. Dazu kam ein recht typischer Achtziger-PVC-Klang, der  hie und da auch nicht dem Gusto der Fangemeinde entsprach.

25 Jahre später erscheint das Album nun erstmals fast so wie ursprünglich geplant als Doppel-Album. “Fast” deshalb, weil der Titel “Beatles Forever” weiterhin ausgespart bleibt. Zu den Gründen dafür mag sich jeder selber seinen Reim machen. Es kursieren etliche Demoaufnahmen des Titels im Netz.

Aber abgesehen von dieser Einschränkung erscheint das Werk nun in seiner ursprünglich geplanten Version, und es wird schnell klar, dass “Secret Messages” sich vor seinem großen Bruder “Out Of The Blue” nicht verstecken muss. Ein Äquivalent zu ‘Concerto For A Rainy Day’ ist Jeff Lynne zwar nicht gelungen. Dass er aber reihenweise Ohrwürmer im positiven Sinn aus dem Ärmel schütteln konnte ist auch auf “Secret Messages” mit dem gleichnamigen Song und mit Stücken wie ‘Stranger’, ‘Blue Bird’ oder ‘Four Little Diamonds’ eindrucksvoll bewiesen. Im Rahmen des Doppelalbums entsteht auch eine ganz neue Album-Dramaturgie, die einzelne Stücke besser platziert präsentiert. Das Schmankerl für echte Fans ist sicher die letzte Seite mit den epischeren Stücken ‘Mandalay’ und ‘Hello, My Old Friend’, die das ELO-Gefühl von “Eldorado” und “Face The Music” wieder aufleben lassen. Dass ausgerechnet diese beiden Stücke auf der Erstveröffentlichung verschmäht wurden, spricht in Sachen Veröffentlichungspolitik Bände. Unbedingt erwähnenswert ist auch der Klang der beiden Platten, die im Vergleich zu der 83er CD/LP einen erheblich organischeren Klang aufweisen und ein äusserst angenehmes Hörerlebnis bescheren.

So lobenswert diese Veröffentlichung auch ist, so halbherzig ist jedoch die Gestaltung des Covers. Dass dieses Element dem Vinyl-Liebhaber fast ebenso wichtig ist, wie die schwarzen Scheiben selbst, sollte sich doch auch bei Sony Music herum gesprochen haben. Aber nein, man steckt die LPs in schnöde weiße Innenhüllen und lässt die Songtexte und Credits plump unter den Tisch fallen. Wohlgemerkt hatten die 83er Versionen bedruckte Innenhüllen. Das ist schäbig und einer Wiederveröffentlichung mit dieser Geschichte einfach nicht würdig. Sollte Jeff Lynne hierzu sein OK gegeben haben, scheinen ihm eine treuesten Fans nicht all zu wichtig sein. Jedenfalls hat es auch den Autor beim Auspacken einigermaßen enttäuscht, dass hier so offensichtlich am falschen Ende gespart wurde. Eigentlich sollte man die Plattenfirma auffordern, die Innenhüllen nachzudrucken und den Kunden zuzuschicken, was aber wohl nicht passieren wird.

So bleibt der fade Beigeschmack der Abzocke an dieser eigentlich so tollen Wiederveröffentlichung kleben. Würde der Autor hier Punkte vergeben, gäbe es von denen mindestens zwei Punkte Abzug.
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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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