Field Music – Open Here

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(39:33, CD, Memphis Industries, 2017)
Field Music aus der nordenglischen Hafenstadt Sunderland sind in ihrer Heimat so etwas wie Kritikerlieblinge und durchaus auch einigermaßen erfolgreich. Selbst Prince zählte zu Lebzeiten zu den Fans der Band. Weitaus ernüchternder klingt es, dass die Band im vergangenen Jahr nach eigenem Bekunden gerade einmal 6000 Pfund durch den Verkauf und Streaming ihrer Alben verdient hat. Zu allem Überfluss musste man nach Beendigung der Aufnahmen zu „Open Here“ das bandeigene Studio aufgeben, da das Gebäude, in dem es untergebracht war, abgerissen werden sollte.

Nichtsdestotrotz versprüht der Longplayer zumindest musikalisch eine ausgesprochen positive Grundstimmung. Den Opener ‚Live In Joy‘ könnte man glatt als den besten 10cc-Song von Gentle Giant oder umgekehrt klassifizieren. Die Kuratorin des Titelsongs „Open Here“ könnte durchaus eine gewisse ‚Eleanor Rigby‘ sein. Äußerst geschickt balancieren die Protagonisten Peter & David Brewis zwischen Prog, Pop und diversen anderen Stilrichtungen. Durch den Einsatz von diversen Streich- und Blasinstrumenten bekommen die Arrangements der Songs noch eine zusätzliche besondere Note. Auch fällt bei vielen Stücken die Kompaktheit und Kürze auf. „Open Here“ kommt zumeist sehr schnell auf den Punkt. Füllwerk und Zeit schinden ist nicht deren Sache.

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Textlich geben sich die Geschwister gerne schwarzhumorig und zynisch. So wird in ‚Count It Up‘ die deprimierende Brexit-Stimmung ihrer Heimatstadt thematisiert, indem man schlicht seine eigenen Privilegien hinterfragt und auflistet. Fast scheint es, dass die Brüder Brewis nicht selten an ihren Mitmenschen verzweifeln, sich musikalisch jedoch keinesfalls die Laune verderben lassen. Gut so!

So wird aus „Open Here“ der perfekte Soundtrack für den anstehenden Prog-Sommer, bei dem einem bei genauerem Zuhören jedoch, angesichts der traurigen Erkenntnisse des nordenglischen Brüderpaars, hin und wieder der Cocktail im Hals zu gefrieren droht. Trotzdem, in einer besseren Welt wäre diese Scheibe in den Charts. Selten war Pop-Appeal so proggy und funky zugleich.
Bewertung: 12/15 Punkten (DH 12, KR 11)

Foto: Memphis-Industries.com

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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