Atomic Rooster – Live at Paris Theatre 1970

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Atomic Rooster - Live At Paris Theatre 1970(28:56, 10″ EP, Sireena/Broken Silence, 2017)
Was für ein Trio, welch ein schönes Zeitzeichen! Nach ihrem Weggang von The Crazy World Of Arthur Brown hatten Drummer Carl Palmer (u.a. ELP) und Keyboard-Wizard Vincent Crane gemeinsam mit dem nach dem Debütalbum bereits wieder aussteigenden Bassisten Nick Graham Atomic Rooster gegründet. In der wechselvollen Geschichte dieser britischen Formation stand später sogar zeitweilig der großartige Chris Farlowe (u.a. Colosseum) am Mikrofon. 1970 oblagen die Gesangsparts dem Gitarristen John Du Cann, in dessen Nachlass sich diese ursprünglich für die BBC in Paris entstandenen, roh und direkt wirkenden Mitschnitte fanden. Der Gesangspflichten entledigt sich John ordentlich bis enthusiastisch, sein Gitarrenspiel ist sogar dem seiner megavirtuosen Spielgefährten bisweilen ebenbürtig – besonders auf Track A-1.

Denn nach der schnöseligen TheBeep-Ansage – A.R. darf für Taste (mit Rory Gallagher) eröffnen – steigt das Power-Trio mit seiner aktuellen Hitsingle ‘Friday The 13th’ ein, die vergleichsweise gesanglich, straff und Gitarren-dominiert wirkt. Beim knapp neunminütigen Instrumental ‘Gershatser’ hingegen liegen die Dinge anders: die klassisch-barock inspiriert wirkende Komposition wird von Cranes flirrendem Hammondspiel eingeleitet, das so rhythmisch stark wie fanfarenhaft heavy sein kann, wie sein alsbald folgendes großes Solo beweist. Wilde Glissandi leiten zum Tutti über, woraufhin uns der knapp zwanzigjährige Palmer zeigt, wo Hammer und Gong hängen – atemberaubend, damals wie heute.

Die B-Seite hebt mit dem zunächst sanft einziehenden, alsbald aber heftig und rhythmisch besonders interessant losrockenden ‘Winter’ an – sieben Minuten fesselnder Seventies-ProgRock britischer Provenienz! Die EP endet mit einem kleinen Mysterium: Laut Ansage handelt es sich eindeutig um ‘Before Tomorrow’ (Crane) vom Debüt-Album “Atomic Ro-o-oster” (1970), dem Backcover und Plattenlabel zufolge jedoch um die Du Cann-Co-Komposition ‘Shabaloo’. Wie auch immer – das schnelle Stück ist sehr solierfreudig bis verspielt und nimmt teilweise die oben erwähnte Zeit mit dem (Scat-)Gesang von Chris Farlowe voraus.

Laut Label Sireena handelt es sich um die einzigen Live-Aufnahmen der Band mit Carl Palmer auf Vinyl. Über die “historische” Tonqualität hört man bei solch spannenden Zeitzeugnissen sehr gerne hinweg. Collector’s Item!
Bewertung: 11/15 Punkten

Surftipps zu Atomic Rooster:
Atomic Rooster auf Wikipedia
“Live and Raw 70/71” (CD) auf Wikipedia
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Facebook (die akt. Formation mit Steve Bolton & Pete French)
Twitter (die akt. Formation mit Steve Bolton & Pete French)
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Über den Autor

Klaus Reckert

"everything happy, and progressive, and occupied" K. Grahame, The Wind In The Willows

5 Kommentare

  1. Danke für diesen Bericht über Atomic Rooster. Endlich wieder eine Würdigung dieses Power-Trios. Als Fan der ersten Stunde möchte ich noch das Meisterwerk “Death walks behind you” erwähnen. Darauf auch das Drum Solo von Paul Hammond (‘Gershatzer’), über das seinerzeit Vincent Crane schwärmte. Außerdem hatte die Band immer gute Sänger. Pete French mit „breaktrough“ ist ein gutes Beispiel auf „In hearing of Atomic Rooster“ (1971). Der erwähnte Song ist m.E. einer der besten sowie zeitlosen Kracher der Formation Crane, DuCann, manchmal auch nur Cann und Hammond. Alle sind bereits gegangen. Vincent Crane wäre übrigens dieses Jahr 75 Jahre geworden. Am 21.05. werde ich daher meine Nachbarn mit „breakthrough“ derart beschallen, dass sie mir wieder Prospekte für Kopfhörer in den Briefkasten werfen. Sentimentalität kann auch sehr laut sein!

    • Klaus Reckert

      Schrecklich gern lieber Volker, glad u like it.
      Mit “.. behind you” hab ich persönlich die Band kennen und lieben gelernt.
      Mein Beileid an Deine Nachbarn, Dir eine schöne Gedächtnisfeier 🙂

  2. Danke Dir Klaus. Vincent Crane wurde nie die Ehre zu Teil, die er verdient hätte. Das gleiche Schicksal teilt “BetreutesProggen”. Hörtipp um diesen Schmerz zu überwinden: Gravy Train, “Starbright Starlight” (Staircase to the day 1974) oder Badger “Wheel of Fortune (One Live Badger 1973) zum Beispiel.

    • Klaus Reckert

      Das ist sehr freundlich. Was Crane angeht, teile ich die Einschätzung. Was die Betreuer und unser Medium angeht, bin ich eigentlich gar nicht unzufrieden mit der bisherigen Wertschätzung – u.a. durch kenntnisreiche und leidenschaftliche Leser wie Dich 🙂

  3. Weihrauch! Weihrauch!
    P.S. Lieber Klaus, in vielen Beschreibungen (im Allgemeinen) steht bei progressivem Rock oftmals (das ist) “bombastisch”. Aber welche Aufnahmen sind wirklich bombastisch (Sound und wenn nicht nur instrumental auch Lyrik!), die Körper, Geist und Seele wirklich rumoren lassen. Anhaltend! Just in time. Und wenn man wieder hineinhört. Man müsste darüber mal ein “Best of” zusammenstellen. Ohne jetzt zu viel aufzuzählen spontan meine anteilige Gedanken dazu: (Songs für das “Best of” gemeint, nicht ganze LPs ): Uriah Heep – Salisbury, Warhorse – Solitude, Quatermass – Gemini, Steven Wilson – Luminol

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Atomic Rooster – Live at Paris Theatre 1970

von Klaus Reckert Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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