Pink Floyd – Delicate Sound Of Thunder (Vinyl-Reissue)

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(01:36:45, LP, Pink Floyd Records/Warner, 1988/2017)
„Delicate Sound Of Thunder“ – In Venedig hat man diesen Klang vereinzelt noch in unangenehmer Erinnerung. Gab es doch anno 1989 jenes über Satelliten übertragene Konzert von Pink Floyd auf einer schwimmenden Bühne vor dem Markusplatz. Durch den Schalldruck sollen Fassaden an historischen Gebäuden beschädigt worden sein. Offiziell bestätigt ist das zwar nicht, aber Fakt ist, dass die damalige Stadtregierung infolge des entstandenen Organisationschaos den Rücktritt einreichen musste.

Bereits im Vorjahr im November 1988 erschien das in den USA mitgeschnitte Live-Doppelalbum mit eben diesem Namen. Nach „Ummagumma“, das zumindest zur Hälfte ein Live-Album ist, war „Delicate Sound Of Thunder“ die erste offizielle Live-Veröffentlichung in der Historie der Band. Wie alle Werke von Pink Floyd minus Roger Waters spaltete auch dieses Album das Fan-Lager.

Nach dem eröffnenden ‚Shine On You Crazy Diamond‘ liegt der Fokus der ersten LP auf dem Reunion-Album „A Momentary Lapse Of Reason„. Gegenüber den Studioversionen klingen die hier vorhandenen Titel wuchtiger und monumentaler. Insbesondere die Ballade ‚On The Turning Away‘ gewinnt in dieser Version deutlich.

Die zweite LP bietet einen Querschnitt aus den erfolgreichsten Alben der 70er Jahre. Hier ragt ‚Comfortably Numb‘ in der ultimativen Stadion-Version heraus. Andererseits wirken Titel wie ‚Money‘ oder ‚Another Brick in The wall, Part 2‘ bisweilen etwas blutleer.

Wohl um den gigantischen Dimensionen der Konzerte auch akustisch Tribut zu zollen, wurde bei der Post-Produktion an Hall, Echo und Sustain alles andere als gespart. Das kann man mögen, muss man aber nicht. Ein Hörtest im Vergleich zu den dem Rezensenten vorliegenden Original-LPs von 1988 wirkt das Vinyl-Remaster geringfügig druckvoller und differenzierter. Auch bei der Neuauflage ist die Titelreihenfolge leicht abweichend von der CD-Version. Der Titel ‚Us And Them‘ bleibt weiterhin dem CD-Format vorbehalten. Wiederum stecken die LPs in rauer Pappe und schreien nach kuschelig gefütterten Innenhüllen. Abgesehen davon ist das Artwork ein Genuss. Da das Werk in einer Zeit erschien, als die CD in Sachen Verkaufszahlen Vinyl bereits den Rang abgelaufen hatte, ist diese Wiederveröffentlichung wohl für so manchen Vinyl-Rückkehrer besonders interessant. Im Gesamtkontext der Bandhistorie und Diskographie muss sich „Delicate Sound Of Thunder“ dennoch mit dem hinteren Mittelfeld begnügen.
Bewertung 10/15 (WE 13, DH 10)

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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Pink Floyd – Delicate Sound Of Thunder (Vinyl-Reissue)…

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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