Be Prog! My Friend, 30. 06. / 01. 07. 2017, Barcelona, Poble Espanyol

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Be Prog My Friend 2017 - 01
Barcelona, das ist die Stadt der funktionierenden Gegensätze. Neubauten kompromisslos an erhabene Altbauten angesetzt. Bürger, die sowohl führ ihren Stolz und ihr Temperament bekannt sind, als auch für Gelassenheit und Toleranz. Konservative Hauptstadt der Separatisten, der Katalanen, aber mit einem Verkehrssystem, das Extraspuren für E-Bikes und Pedelecs bereithält.Und Elektrovehikel der Stadtreinigung, die die Bürger darauf vorbereiten sollen, dass es in Zukunft auch geräuschlose Gefahren auf der Straße geben wird.

Auf einem der Stadthügel befindet sich ein vollständiger Nachbau eines spanischen Dorfes, erbaut als Museum für Architektur. Auf einem der Dorfplätze, umringt von Arkaden, Bäumchen und Cafés, steht eine große Bühne, ausgestattet mit modernster Veranstaltungstechnik. Sie ist genauso fehl am Platze wie eigentlich alles in Barcelona fehl am Platze sein müsste, aber es ist halt genau diese Diskrepanz, die den Reiz der Stadt ausmacht. Und eben auch diese Location. Sieht man es, ist es kein Wunder, dass sich die Veranstalter des „Be Prog My Friend“-Festivals zum Ziel gesetzt haben, die altehrwürdigen Großväter des Prog mit den jüngsten, viel versprechenden Strömungen progressiver Musik zusammen zu bringen.

Ein Festival, das bis zwei Uhr morgens dauert, trotz angrenzenden Wohngebiets, auch das ist Barcelona. Aber es wird halt auch peinlichst darauf geachtet, dass während der Siesta kein Soundcheck stattfindet. Trotzdem sind es nur fünf Bands pro Abend, aber das hat den einfachen Grund, dass jeder Band ein volles Set zugestanden wird. Dem angrenzenden, übrigens sehr pittoresken Wohngebiet ist es vermutlich auch geschuldet, dass in die Tontechnik ein Limiter eingebaut ist, der bei 100 dB gnadenlos dichtmacht. Eine Information, die noch für einige Einsicht sorgen sollte.

„Leute, mit diesen Jungs hier ist der Gig in besten Händen!“

Den Auftakt machten die Australier von Caligula’s Horse, und diese sorgten gleich zu Anfang für einige Überraschung. Denn wer die Band nur von ihren Studioaufnahmen kennt, tendiert schnell dazu, sie als „Haken light“ einzustufen, vor allem wohl wegen des Sängers, der ein Timbre singt, das in etwa so schmal ist, wie das von Ross Jennings auf seinen ersten beiden Alben. Ihre bisherigen Werke sind aber auch ganz allgemein recht flach gemixt. Hier auf der Bühne konnten die Jungs aber sehr glaubhaft darstellen, wie dynamisch ihre Musik ist und wie viel Gefühl sie trotz einiger Härte für die einzelne Note aufbringen.

Und auch Sänger Jim Grey hatte dann doch weit mehr Stimmgewalt zu bieten. Die langsam eintrudelnde Prog-Gemeinde war sichtlich beeindruckt. Positiv fiel auch auf, mit welch gutem Livesound die Jungs als Opener aufwarteten. Was aus der PA kam, hatte eine erstaunliche Brillanz und  trotzdem genug Wucht, um der Härte eines Metal-Gigs gerecht zu werden. und das ohne irgendwie zu laut zu wirken. Nun, fürs Pult hatten die Jungs auch Chris Edrich verpflichten können, einen der derzeit zu recht meistgebuchten Tonmeister der europäischen Progmetal-Szene (u.a. Myrath, Klone, Leprous u. The Ocean). Und dieser setzte die Messlatte extrem hoch. Was in sofern aber auch fair war, als er nicht nur das Festival eröffnen, sondern es auch mit dem letzten Gig zu Ende bringen sollte. Die ersten 45 Minuten vergingen jedenfalls im Flug.

Caligula's Horse

Caligula's Horse

Auch Animals As Leaders, die zweite Band des Abends, konnte einige Punkte für sich verbuchen. Wer sie bisher auf der Bühne gesehen hat, sagt den Washingtonern üblicherweise eine recht statische musikalische Darbietung und eine festgefrorene, ja bisweilen arrogante Bühnenpräsenz nach, was nicht von ungefähr kommt. Das es auch anders geht, sollten sie an diesem Abend beweisen. Anders als bisher, präsentierten sie weit mehr als nur ihre gerade neu erworbenen Spieltechniken, sondern ein gutes Set an musikalisch ausgewogenen Spannungsbögen, zusammengesetzt aus Stücken ihres zwar kurzen, aber wahnsinnigen Gesamtrepertoires.

Was die Drei da alles an Spieltechnik abfeuerten, war so immens, dass einem die Spucke wegblieb und das Blut aus den Ohren lief. Es ist ja ohnehin klar, das 90 Prozent von dem, was die Drei machen, für normale Menschen komplett unspielbar ist, aber das alles als in siebzig Minuten hineingepresst zu erleben, war in der Tat immens. Interessanterweise schien das aber die Jungs deutlich zu entlasten, denn so souverän wie an diesem Abend hatte man sie bisher noch nicht gesehen.

Dass Tosin Abasi und seine Mannen sich mal im Takt bewegen würden, ja sich auch mal einen Headbanger erlauben, sich während des Spiels gegenseitig mit Blicken unterhalten und lachen, hätte wohl niemand erwartet. Das relativiert so vieles Negatives, was über das Trio bisher – auch vom Autor – gesagt wurde. Es gab in der Tat nur wenige Stimmen, die in diesem Instrumentalgewitter Substanz – also Vocals – vermissten. Was die Herren Abasi/Reyes/Garstka in der Musikszene verkörpern, konnte man auch an dem Stelldichein der Prog-Prominenz im Publikum ablesen, die das Treiben auf der Bühne gespannt verfolgte. Es war etliche internationale Progmusiker als Publikum angereist, und bei Animals as Leaders waren sie alle da. Und sahen genau hin.

Und blieben auch gleich da, denn dann kam er. Er war der eigentliche Höhepunkt des Festivals. Mit zehn Minuten Verspätung wegen technischer Probleme stimmten Mike Portnoy’s Shattered Fortress „Overture 1928“ an. Unter tobenden Applaus wohlgemerkt, und die Menge in den vordersten Reihen beruhigte sich kaum. Sie sang von Anfang an alles mit, was Melodie war, auch sämtliche singbaren Instrumentalteile. Daher beschlossen wir, etwas weiter hinten zu betreuen, fanden aber auf dem ganzen Gelände keinen Platz, an dem Portnoys Tross gut geklungen hat.

Dass die Drums verhältnismäßig zu laut gemischt waren, ist in diesem Fall ja noch einzusehen, aber die drei Gitarristen waren dann doch zu weit im Hintergrund und kamen allgemein recht breiig herüber. Aber das tat der Euphorie kaum einen Abbruch. Alleine die Tatsache, dass man bei einem Quasi-Dream-Theater-Konzert mal den Bassisten hören kann, war schon Gold wert. Die Combo Portnoy/Haken/Gillette ist aber auch mit allen Wassern gewaschen und steht der Originaltruppe in nichts nach. Im Gegenteil! So hat Sänger Ross Jennings seine Fähigkeiten einmal mehr ausgebaut und seinen Kritikern endgültig den Wind aus den Segeln genommen. Denn der Mann singt inzwischen tatsächlich besser als LaBrie in seinen besten Zeiten im Studio.

Er schafft dabei den Spagat, spielend zwischen seinem eigenen Stil und dem LaBries zu vermitteln. Auch Eric Gillette, der eine Handvoll Zeilen sang, machte dies grandios, und so wurde Portnoy, zumindest, was den Gesang angeht, deutlich in die zweite Liga versetzt. Gillette hinzuzuziehen war übrigens ein guter Schachzug, denn als Lead-Solist ist er so nah an Petruccis frühem Stil dran, dass man es kaum für möglich halten möchte. Natürlich durften aber auch alle anderen Soli spielen und zeigen, dass sie’s drauf haben.

Sehr überwältigend waren die drei Gitarristen aber immer dann, wenn sie sich beim Duettieren mit Diego Tejeida Staffellauf-gleich die Lines im Flug übergaben, ja, der Lauf der Zweiunddreißigstel übergangslos die Gitarren wechselte. Am Ende diesen Sets, bestehend aus der „Shattered Fortress“-Suite und ein paar Songs von „Scenes From A Memory“, war keine Spucke mehr übrig und das Gehirn dann schon etwas aufgeweicht vom Sperrfeuer der Noten. Man konnte kaum noch soweit zurückdenken, als Portnoy kurz nach Anfang des Sets so treffend versicherte: „Leute, mit diesen Jungs hier ist der Gig in besten Händen!“ Wie wahr!

Manche Leute hätten gerne Portnoy und Marillion an vertauschten Positionen gesehen, um der Dynamik willen. Aber es ist schon richtig, den Headliner-Spot dem Genre-Begründer zu geben, und was Neoprog angeht, haben Marillion das Zepter inne. Aber es war auch egal, denn die Urväter wurden fast genauso frenetisch aufgenommen wie Portnoy. Manche hatten ja sogar weit mehr als 1000 Flugkilometer zurückgelegt, um Marillion und Ian Anderson überhaupt einmal im Leben live zu sehen. Sie wurden reichlich belohnt.

Mit „F.E.A.R.“ wurde die halbe Setlist mit praktisch einem unendlich langen Song bestritten, und die zweite Hälfte des Sets bestand auch nicht gerade aus Singles. Es ist eigentlich fast unnötig zu erwähnen, wie wunderbar die Band ihre Musik auf die Bühne bringt, ja, jede einzelne Note mit Emotion verbindet und perfekt intoniert. Das fiel an diesem Abend nur sehr viel mehr auf, denn im Gegensatz zur Portnoy’schen Unausgewogenheit war Marillions Sound unglaublich balanciert und vor allem kristallklar. So klar, dass sich der Nicht-Fan und Keyboard-Laie fragte, ob Mark Kelly vielleicht aus historischen Gründen derart unattraktive Keyboardsounds verwendet.

Was auch auffiel war, dass die Band so viel lauter klang als alle vorangegangenen, und das verwunderte doch ziemlich. Da war ja zum einen die Information des eingebauten Limiters einerseits und Vergleichsmessungen mit der eigenen App, die dies bestätigten. Es ist schon eine etwas seltsame Erkenntnis, dass ausgerechnet der Tonmeister von Marillion den verhassten Lautstärkekrieg gewann, und zwar haushoch über Portnoy und dem Devin Townsend Project. Trotzdem konnten die Engländer be- und verzaubern und der überwiegenden Mehrheit des Publikums einen weiteren grandiosen Höhepunkt bereiten. Zumal den Meistern der epischen Epen mehr Spielzeit als geplant zugestanden wurde.

Für den Großteil des Publikum war es das dann auch, und es leerte sich erheblich. Zugegeben, Ulver sind nicht sehr bekannt, und das Konzept, nach dem Headliner noch eine Partyband für die Nimmermüden hinterher zu schicken, ist doch ungewöhnlich. Zudem wurde es schon richtig frisch zu später Stunde. Ulver haben ja schon mehrere radikale Stilwechsel durchlebt, und die derzeitige Synthiepop-Periode war uns auch bewusst. Aber dass sie ihren momentanen Stil so kompromisslos durchziehen würden, hat dann doch überrascht. Der Ko-Betreuer nutzte die Gelegenheit, um bei Klängen im Stile von Depeche Mode und Ultravox mal so richtig abzutanzen. Der Autor, dessen Geduld durch überepische Neoprog-Epen schon zu arg ausgereizt war, strich die Segel und gönnte sich noch ein Absackerbierchen in einer gemütlichen Bar auf dem Heimweg.

Frühstücken und Sightseeing, Ausschlafen und ausgiebiger Nachmittagsbrunch, oder Filmaufnahmen machen – jeder hatte seine eigene Idee, was man tagsüber in dieser großartigen Stadt unternehmen kann. Entspannt und gesättigt hieß es am späten Nachmittag wieder, die lange Schlange am  Nebeneingang des Poble Espanyol zu bilden. Der zähe Einlass war die einzige Unannehmlichkeit des Festivals, aber das ist ja der Bauart des Museums geschuldet.

„Ich habe schon so oft professionell versagt, fucking, es ist mir egal!“

Den Auftakt machten Jardín De La Croix, eine spanische Combo mit französischem Namen, die sich dem Postmetal verschrieben haben. Das Genre spaltet die Gemeinde seit ein paar Jahren hartnäckig, denn instrumentaler, atmosphärischer Metal ohne Vocals und ohne melodischem Moment, der in der Regel nicht über drei Akkorde hinauskommt, dafür aber grundsätzlich in überlangen Tracks dargeboten wird, ist nicht Jedermanns Sache. Umso mehr überraschten die Spanier, denn ähnlich wie Astrosaur schaffen sie es, feine Melodien einzuspinnen und mit guten, kurzen Spannungsbögen zwischen den ruhigen und heavy Momenten ihrer Musik Dynamik zu verleihen. Ihre entsprechend druckvolle Performance unterstrich den Eindruck, dass diese neue Genre nicht unbedingt als Schlafmusik angesehen werden muss. Zum zweiten mal gelang es nun schon, dass der Opener als Überraschung  gefeiert wurde.

Gleich als zweite Band – und das zeigte, wie fett das Billing tatsächlich war – stand das Devin Townsend Project auf der Matte. Technische Probleme führten aber zum Fehlstart und Mr. Townsend hatte 15 Minuten lang die Möglichkeit, sein unglaubliches Talent als Standup Comedian unter Beweis zu stellen. Was haben wir gelacht! Würde er das zu seinem Hauptberuf machen, er würde steinreich. Gott sei Dank wurde das in ausreichender Ton- und Bildqualität aufgenommen und wer nicht da war, sollte sich das Youtube-Video nicht entgehen lassen!

Und dann starteten sie durch und feierten das zwanzigjährige Jubiläum von „Ocean Machine Biomech“, indem sie das Album komplett spielten. Wir hatten die Komplettperformance des Albums schon in London gesehen, aber hier gefiel es doch erheblich besser! Das lag sicher an der reduzierten Lautstärke gegenüber sonstigen Townsend-Gigs. Zudem gibt es hier aber auch die vielen ruhigen Parts des Albums, die sonst nicht auftauchen bei seinen Konzerten. Die sind ja eher immer von Anfang bis Ende durchgeknüppelt. Der Tonmeister hielt sich aber an die Regel und hatte sich nicht durch Tricks zur Überlautstärke hinreißen lassen. So kam es, dass Marillion erheblich lauter waren als Devin Townsend, der aber gerade durch die Zurückhaltung eine Verbesserung der Gesamterfahrung erzielte. Nur schade, dass wegen der technischen Probleme drei Songs ausfielen. Ansonsten war der Gig vom Allerfeinsten.

Bei Anathema wundert sich der Autor oft, warum diese Mainstreamband so gut von der Proggemeinde aufgenommen wir und er nutzte die Betreuungspause, um in einer der Bar am Platz zu snacken und sich zu unterhalten. Der Eindruck vom Rande aus war auch hier gut, die Performance stark und die Band an sich verdammt sympathisch. Wenn sie halt nur Prog spielen würde. Dann könnte man es viel besser verstehen, warum sie immer wieder auf solche Festivals gebucht wird, und noch dazu so hoch gehandelt. Nun, immerhin kann man sich dieser Location zurückziehen und trotzdem noch mithören, wenn der Tonmeister fair spielt. Auch das ein sehr positives Merkmal von Be Prog My Friend.

Was dann kam, war tatsächlich unerwartet und verblüffend. Als einziges Originalmitglied von Jethro Tull ist Ian Anderson nun nicht mehr gerade jung, und seine stimmlichen Fähigkeiten sind so gut wie komplett verblasst. Wir hatten die Band in den Achtzigern gesehen, so um die „Broadsword and the Beast“-Ära herum, und waren damals sehr angetan. Die Erwartungen heute waren nicht groß und wir hatten uns auf eine der üblichen, gesetzten Auftritte erwartet, die man von Urgestein des Genres so in der Regel zu sehen bekommt. Aber man sollte eines Besseren belehrt werden. Der Mann ist ein absoluter Perfektionist und kennt seine Grenzen genau. Und er weiß sehr wohl, damit umzugehen.

Nun kann man ein Jethro-Tull-Konzert nicht komplett instrumental gestalten, das ist klar. Aber man kann seine Schwäche so weit vermeiden, dass sie kaum noch ins Gewicht fällt. So wurde nur noch das Allernötigste gesungen, und das zum Teil mit Unterstützung des Bassisten. Stattdessen gab es ausschweifende Instrumentalpassagen, die sich ähnlich episch gestalteten, wie es Dream Theater zu ihren besten Zeiten taten. So flötete sich Anderson durch 40 Jahre Bandgeschichte und machte keine Gefangenen! The Best of Jethro Tull, 40 Jahre Bandgeschichte zu durchstreifen, heißt nämlich auch, mehrere Jahrhunderte Musikgeschichte abzuarbeiten.

Das tat die Band mit einer Leichtigkeit, die man kaum glauben mag, aber Anderson machte hier klar, wo der Hammer hängt, denn dieser Mann ist mit Sicherheit der beste Rockflötist, den die Welt je gesehen hat. Alleine das virtuose Repertoire ist schon abenteuerlich für einen einzelnen Musiker, aber die Bandbreite an Instrumentaltechnik, gepaart mit einer unfassbaren Stilsicherheit in Melodiefindung und Variation, lässt keinen Zweifel am Genie dieses Mannes. Nebenbei brillierte er auch noch an der Dreiviertelgitarre, Mandoline, Bouzouki und Harmonika.

Man muss aber auch die Leistung des noch vergleichsweise jungen Gitarristen Florian Opahle herausstellen, der gar nicht erst versucht, mit Retrosounds zu klingen wie Urgestein Martin Barre. Er betreibt genau das Gegenteil und verleiht dem Ganzen das dringend nötige Update, indem er modernstes Soundshaping beisteuert und in diesem Zuge seine Heavy-Metal-Einflüsse gewinnbringend einsetzt. Und das ist nicht etwa seltsam, sondern verleiht dem Ganzen eine ordentliche Portion Dynamik. So gelang es Jethro Tull fast, das Highlight des Festivals zu werden. Zumindest hatte man den Eindruck, als man am Ende als Zugabe noch „Locomotive Breath“ und „Aqualung“ in modernster Frische erleben durfte.

Anders als am Vorabend, verließ so gut wie niemand das Gelände nach dem eigentlichen Headliner. Und das ist schon verblüffend. Wer hätte gedacht, dass alle etwa 3000 Besucher bleiben würden, um so spät noch Leprous zu sehen. Aber genau das ist geschehen. Und sie wurden reichlich belohnt. Nun, wir wissen, dass Leprous zu den Top 5 Livebands gehören, hatten uns aber gar nicht so viel erwartet, da wir sie in letzter Zeit wirklich oft gesehen haben. Aber wir waren wieder überrascht. Denn die Jungs präsentierten ein neues, vermutlich einzigartiges Set, bestehend aus Publikumswünschen.

Die Auswahl an meistgewünschten Songs zwang die Band in eine verminderte Schlagzahl, denn es stellte sich heraus, dass die Fans durchaus eine Menge ruhigerer Songs mögen. Entsprechend dynamisch wurde dann auch das ganze Set. Das war dann eigentlich sogar noch besser als sonst, denn die Jungs hatten keine Mühe, Emotionales vorzutragen. Zum einen verblüffte Sänger Einar Solberg vor allem auch dadurch, dass er glasklar singen konnte, obwohl er seine Ansagen nur noch heiser machen konnte. Er hatte sich nämlich nachmittags schon verausgabt, als er auf dem parallel stattfindenden Rock Fest Barcelona seine Kumpels von Emperor unterstütze.

Aber auch der Neue überzeugte: Robin Ognedal, der Øystein Landsverk ersetzt, ist genauso bombenfest im Timing wie der Rest der Band, und man fragt sich, ob Leprous nicht einfach nur beweisen wollen, dass Schweizer Uhrwerke etwas Schlampiges sind. Robin bleibt dabei seiner Strat treu und etabliert damit einen Gegenpol zu Tor Oddmund Suhrkes Gitarrenton, was der Band eine weitere klangliche Dimension verschafft. Apropos Uhrwerk: Der sonst so hyperaktive Drummer Baard Kolstad hielt sich bei den ruhigeren Songs erstaunlich gut zurück und bewies einmal mehr, dass es ihm um die Musik geht und das Gefrickel hintenan steht. Das Publikum bangte und kochte. Und nachdem „Contaminate Me“ als Zugabe vorüber war, war der Applaus genauso frenetisch, wie jener am Vortag für Portnoy und seine Mannen.

Nach so vielen Eindrücken, und um einige Bekanntschaften reicher, konnte sich die Fangemeinde beim Brunchen, Beachen, Flanieren und Trinken am nächsten Tag gar nicht einigen, was nun eigentlich die Highlights gewesen waren, und beschloss schließlich, dass das ganze Festival eines ist. Nicht nur die musikalische Diversität und gleichzeitige Güte sind einzigartig, auch die Professionalität der Veranstalter und des Teams stechen besonders hervor. Nirgendwo klappt ein Festival so reibungslos und funktioniert so unsichtbar, wie hier. Das schließt sogar nie überfüllte und stets saubere Toiletten mit ein.

Fotos: Matthias Kirsch, The Prog Space

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von Raimond Fischbach Artikel-Lesezeit: ca. 12 min
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