Richard Barbieri – Planets + Persona

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(53:00, CD, Kscope/Edel, 2017)
Anderes als man erwarten würde, klingt „Planets + Persona“, das neue Soloalbum von Richard Barbieri, gar nicht so tastenlastig, wie es für Keyboarder sonst üblich ist. Ganz im Gegenteil: Barbieri sorgt vielmehr für das Fundament, auf dem unter anderem der italienische Trompeter Luca Calabrese ausgedehnt solieren darf.

Zunächst jedoch startet das Album mit dem perkussiv-sperrigen ‚Solar Sea‘, das man eher auf einem Album seines Kollegen Steve Jansen erwartet hätte. ‚New Found Land‘ hingegen klingt sphärisch und rückt besagtes Trompetenspiel von Luca Calabrese ins Zentrum. In ‚Night Of The Hunter‘ schimmert dann Barbieris Porcupine-Tree-Vergangenheit durch.

Das dreiteilige Stück beginnt verspielt mit sanften Gitarren und gesampelten Harfenklängen, dann wächst es kontinuierlich zu einem instrumentalen Postrock-Monolithen heran; insbesondere im Teil ‚Shake Hands With Danger‘ entsteht eine fast schon bedrohliche Stimmung. Von ähnlichem Kaliber ist das neunminütige ‚Unholy‘, aus dem Lisen Rylander-Löves Gesang in einer dem Rezensenten nicht bekannten Sprache und ihr Saxophon-Spiel hervorstechen. ‚Shafts Of Light‘ ist ein sphärisches Ambient-Jazz-Instrumental, in dem erneut akustische Gitarre und Trompete die Akzente setzten.

Zum Schluss setzt Richard Barbieri einen besonderen Höhepunkt. In ‚Solar Storm‘, dem Schwesterstück des Openers,  lässt er kurzerhand eine Jazzfusion-Formation aus Lisen Rylander-Löves (u.a.Saxophon), Percy Jones (Bass), Kjell Severinsson (Drums) und seiner selbst aufspielen. Damit klingt das Album fulminant aus. Mit „Planets + Persona“ gelingt Richard Barbieri eine ausgezeichnete und abwechslungsreiche Platte, die trotz der weitgehend instrumentalen Ausrichtung zu keinem Zeitpunkt Spannung und Einfallsreichtum vermissen lässt. Seinen eigenen Beitrag stellt er konsequent in den Dienst des Gesamtkonzepts. Dank der hochkarätigen Mitmusiker kommt man in den Genuss diverser großartiger Soloeinlagen.

Nach Steve Jansens ausgesprochen starkem „Tender Extinction“ darf man sich mit „Planets + Persona“ über ein weiteres Ausrufezeichen aus dem Japan- und David-Sylvian-Umfeld freuen. Das Werk erscheint als CD, als Download und auf Vinyl (inkl. Download).
 Bewertung: 14/15 Punkten (DH 14, KS 11)

Richard Barbieri (Foto: Künstler)

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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