Elmo Karjalainen – Age of Heroes

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(73:22, CD, KC Sound/CD Baby, 2016)
Was der Autor schon immer mal gestehen wollte, sich dies aber in der Phase seiner frühen Postadoleszenz nicht getraute: Er ist ein großer Liebhaber hemmungsloser Frickelorgien. Seine Gitarrenhelden stammen aus der Zeit vor den Riffkriegen und tragen Namen wie Pat Make Me Tiny, Steve, the Morse Code King, Allan Hold the Worth, Frank, the Master of Bootlegs, Joe the Star of Iani, Steve WhY, Ritchie Black Adder in the Moor, Michael the Donor of Thunder.

Im Zeitalter der schweren Riff-Gewitter, das dem unsrigen gar nicht allzu unähnlich ist, wurde Tony geboren, der sich bereits mit seinen beiden ersten Streichen unsterblich machte, weil unter anderem seine klassische Ausbildung an Violine und Klavier bei vielen Stücken durch die Gitarrensaiten schimmerte. Außerdem wurde er auch durch seine Wandertouren im Regenmantel durch alpine Regionen legendär. Jüngst ward diesem Tony ein kleiner Bruder namens Elmo geschenkt, der seine Axt con brio schwingt, selbst wenn er im Balladen-Modus unterwegs ist: St. Elmo‘s Fire. Dieser Recke läutet gleichermaßen mit seinem Schaffen eine Renaissance des Zeitalters der Helden ein und haucht dabei besonders den oben erwähnten verrückten Axtmännern Joe und Michael sowie seinem rekonvaleszenten Bruder Tony neues Leben ein.

Als Meister der Glissandi und Arpeggios tremoliert und soliert sich Elmo selbst durch unwegsamstes Gelände und erweist sich dabei als echter Pfadfinder, selbst wenn die Pfade, die er findet, schon vor langer Zeit von den genannten Helden beschritten wurden. Tempi und Motive seiner 15 Eigenkompositionen wechseln immer wieder, sodass die Vermutung, man lausche über die gesamte Spielzeit einem einzigen Stück in unzähligen Variationen, zu postfaktischen Wölkchen verpufft, aus denen es sauren Kalk regnet. Manche der Titel auf diesem Gitarrenhelden-Epos erinnern vom Gesamtklang her sogar an King‘s Cross aus TeX‘ass.

Elmo holte sich für seine vierte Veröffentlichung zwei Schlagzeuger (Christer Karjalainen und Vesa Kolu) ins Studio, die zwei bzw. fünf Stücke einspielten. Selbst heutzutage, wo es schon seit vielen Jahren Drumcomputer mit Humanizer gibt, scheinen programmierte Rhythmen für den Bereich der Rockmusik und speziell für Gitarrenalben albern und völlig unpassend. Deshalb bitte künftig sämtliche Stücke von echten Ruprecht-Knechten – Knüppel aus dem Sack und gib ihm – trommeln lassen.

Es handelt sich insgesamt betrachtet bei „Age of Heroes“ um das spirituellste Gitarrenalbum, das dem Rezensenten bekannt ist. Ein Vergleich mit Coltranes wegweisendem Werk „A Love Supreme“ drängt sich förmlich auf. So gibt es immens viele stimmungsvolle und sogar lyrische Passagen auf diesem Silberling zu bewundern, und die Gitarre singt nicht selten wie bei Uli Jon Roth in dessen besten Tagen. Wer auf Schredder-Orgien steht, ist hier fehl am Platz. Gastsoli werden von Derek Sherinian, Mattias IA Eklundh, Janne Nieminen und Emil Pohjalainen dargeboten, was nur der Vollständigkeit halber erwähnt wird. Elmo braucht aber keineswegs mit bekannten Namen aufzuwarten, denn er spielt selbst wie ein junger Held.

Zwischen den Stücken gibt es mehrmals kleine verbale Stilblüten zu hören, die immer wieder ein Grinsen ins Gesicht zaubern, weil der Rezensent währenddessen einmal Sacha Noam Baron Cohen ali-as Borat, ein andermal Hape Kerkeling in Frauenkleidern, dann Rowan Atkinson als Inder und schließlich eine montypythoneske Szene vor seinem geistigen Auge sieht. Einfach schön, wenn Menschen sich nicht zu ernst nehmen. Am Ende des fünften Stückes ist gar eine Anspielung an die „Simpsons“-Titelmelodie zu hören. Diese Scheibe ist definitiv kein Käse, selbst wenn sie ein Loch in ihrer Mitte besitzt.
Bewertung: 12/15 Punkten (FB 12, KR 12)

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von Frank Bender Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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