Subsignal, Blind Ego, 12.01.2017, Rüsselsheim, Das Rind

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Trotz der Ankündigung diverser heimischer Qualitätsmedien, dass das Sturmtief Egon mit dem Weltuntergang im Gepäck im Anmarsch sei, finden sich ca. 160 unerschrockene Prog-Fans im Rüsselsheimer Rind ein, um der Doppel-Headlinertour von Subsignal und Kalle Wallners Blind Ego ihre Aufwartung zu machen. Darunter auch das aus Gießen angereiste Betreuer-Team Kropp und Hoffmann, das gerade noch rechtzeitig durch das übliche Verkehrschaos im Rhein-Main ins Rind findet.

Subsignal im Rind

Das Rind ist ein ausgesprochen sympathischer kleiner Club, dessen Bühne im Verhältnis dazu ungewöhnlich viel Platz bietet. Mit 160 Gästen ist das Rind gut gefüllt und aufgrund der Größe gibt es praktisch keine schlechten Plätze. Selbst aus der letzten Reihe kann man den Musikern noch gut auf die Finger schauen. Kaum hat man ein erstes Fläschchen Darmstädter-Braustübl ploppen lassen, legen Subsignal fast pünktlich um 19.30 Uhr schon los.

Zu den Gründungsmitgliedern Markus Steffen (Gitarre), Arno Menses (Gesang) und Ralf Schwager (Bass) gehören inzwischen Markus Maichel (Dante) an den Tasten und Dirk Brand (u. a. Axxis) an den Drums fest zur Band. Mit ‚Paraiso‘, dem Titelsong des vorletzten Albums, eröffnet das Quintett das ca. 75-minütige Set, in dessen Verlauf es sich quer durch die mittlerweile vier Alben umfassende Diskographie spielt. Für Songs aus der gemeinsamen Zeit von Menses und Steffen mit der Ex-Band Sieges Even findet man dieses Mal leider keine Zeit mehr. Neben einigen Titeln aus dem noch aktuellen Album „The Beacons Of Somewhere Sometime“ dürfen sich die Fans über Klassiker wie ‚My Sanctuary‘, ‚Beautiful & Monstrous‘ und ‚The Sea‘ freuen.

Dem neuen Drummer Dirk Brand gönnt man sogar ein rund fünfminütiges Solo, für das er frenetischen Applaus erntet. Während sich Gitarren-Maestro Markus auf der Bühne wie üblich ziemlich zurückhaltend gibt, macht Arno Menses gewohnt gut gelaunt die Show und unterstreicht eines um das andere Mal seine stimmliche Klasse. Einziger Wermutstropfen ist, dass sich der Sound der Band im kleinen Rind nicht hundertprozentig entfalten kann und Markus Steffens Spiel immer wieder mal von Bass und Drums verschluckt wird. Kein Vorwurf an den Mann hinter dem Mixer – dort saß kein Geringerer als Yogi Lang (RPWL bzw. GAOM). Schließlich ist es das erste Konzert der Tour und wohl auch das erste Mal, dass Lang für Subsignal an den Reglern steht. Im Großen und Ganzen geht der Sound auch in Ordnung. Nachdem ‚Paradigm‘ als Zugabe verklungen ist, werden die Jungs von Subsignal mit großem Applaus in den verdienten Feierabend entlassen.

Arno Menses

Markus Steffen

Ralf Schwager

Dirk Brand

Nach einer ausgesprochen fixen Umbaupause betreten Blind Ego gegen 21:30 Uhr die Bühne. Schon nach wenigen Tönen ist klar, dass Kalle Wallner ein feines Händchen für die Live-Besetzung hatte. Auf der Bühne steht eine Band wie aus einem Guss. Darüber hinaus zeigt sich, dass mit Subsignal und Blind Ego so etwas wie eine „Patchwork-Großfamilie des Prog unterwegs ist. Denn neben dem Bandleader stehen Sebastian Harnack (Sylvan) am Bass, Michael Schwager (Drums; Bruder von Ralf Schwager) und Julian Kellner (abermals Dante) als zweiter Gitarrist auf der Bühne. Die Überraschung des Abends ist allerdings Scott Balaban (Amon Ra), den Wallner als Sänger engagiert hat.

Kalle Wallner

Der Mann hat nicht nur eine großartige Stimme, sondern auch eine ausgesprochen sympathische Ausstrahlung und Bühnenpräsenz. Schon nach den ersten Sekunden von ‚A Place In The Sun‘ hat er das Publikum im Griff. Balaban singt sich mit einer solch beeindruckenden Souveränität durch das komplette Set, als täte er seit Jahren nichts anderes. Dabei ist er keiner der drei auf dem aktuellen Studioalben vertretenen Sänger. Aber auch bei den anderen Musikern auf der Bühne darf man ins Schwärmen kommen. Das Zusammenspiel von Michael Schwager und Sebastian Harnack ist perfekt. Wer eine solche Rhyhtmusgruppe hinter sich hat, muss sich um den Groove keine Gedanken machen. Auch Julian Kellner ist an diesem Abend weit mehr als nur der zweite Gitarrist neben dem Band-Boss, er glänzt ebenso wie Wallner selbst mit einigen flinken Soli.

Höhepunkte des Abends sind ‚Never escape The Storm‘, bei dem Balaban seine Extraklasse zeigt, und die Single des aktuellen Albums „Liquid“ namens ‚Blackened‘, bei der Arno Menses „all the way from backstage“ (O-Ton Balaban) auf sich nimmt, um als Special Guest den Song mit Balaban im Duett zu singen.

Der Sound ist perfekt. Hier zeigt sich, dass Yogi Lang und Kalle Wallner seit Jahren zusammenarbeiten. Dazu ist die Bühne von Zabine Reichhuber dezent geschmackvoll ausgeleuchtet. Nach der Zugabe ‚Tears And Laughter‘ fällt gegen 23 Uhr der Vorhang. Feuertaufe mit Bravour bestanden! Blind Ego haben mit Ihrem ersten Auftritt in dieser Besetzung wirklich hundertprozentig überzeugt und man wünscht sich, dass diese Formation auch in Zukunft Bestand hat und man Wallner & Co unter dem Banner Blind Ego mal wieder im Rind oder anderswo begrüßen darf.

Scott Balaban

Sebastian Harnack

Julian Kellner

Michael Schwager

Live-Fotos: Henrik Kropp

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Subsignal-Konzertbericht (2016)
Interview zu „Touchstones“ auf Gaesteliste.de

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Interview mit Kalle Wallner zu Blind Ego (2007)
Rezension zu „Mirror“ (2007)
Rezension zu „Numb“ (2009)

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Über den Autor

Dieter Hoffmann

Dass der Prog-Virus hoch infektiös ist, musste ich bereits in meiner frühen Kindheit erfahren. Während meine Schulfreunde noch sorglos Ilja Richters Disco mit The Sweet und den Bay City Rollers schauen konnten, hatte mich mein älterer Bruder bereits in den frühen Siebzigern mit ELP und Yes verkorkst. Mein erster Radiorekorder und die LP-Hitparade von SWF3 gaben mir mit Genesis und Eloy dann den Rest.

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Subsignal, Blind Ego, 12.01.2017, Rüsselsheim, Das Rind

von Dieter Hoffmann Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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