X-Panda – Reflections

0

X-Panda - Reflections(56:41, CD, Freia Music/FMLS, 2016)
Die estnische Prog-Band X-Panda brachte 2011 ein recht zerfahrenes Debütalbum namens „Flight of Fancy“ auf den Markt, das große Versprechungen machte und zeigte, dass die Jungs es sowohl im instrumentalen Fusion-Bereich als auch im symphonischen Prog Metal mit ausdrucksstarken Vocals zu etwas bringen können. Nur waren die Songs so unterschiedlich, dass kaum ein kohärentes Gesambtild entstehen konnte. Also war die Spannung entsprechend groß, ob das zweite Album homogener daherkommt.

Dieses liegt nun vor und hört auf den Namen „Reflections“. Es fällt zwar auch sehr vielseitig aus, aber die Brüche sind nicht mehr gar so groß und das Album kann durchaus als Ganzes aufgefasst werden. Das mit Abstand schwächste Lied haut die Band gleich am Anfang raus, aber wenn man das hinter sich hat jagt ein Hit den nächsten. Und dabei klingt kein Lied wie das andere. An zweiter Stelle steht der Zwölfeinhalbminüter ‚Denial‘, mit synphonischem Bombast, zartem Strophen-Aufbau, harten Riffs und einem delikaten Fusion-Bass-Solo. Das Ende schwingt sich gar zu Muse’schem Pathos auf. Genau dort geht es auch gleich weiter. ‚Hit and Run‘ walzt trotz elektronischer Pop-Tendenzen alles nieder. Matthew Bellamy & Co. hätten sich für einen Song dieser Meisterklasse wahrscheinlich ein Bein ausgerissen. Sänger Tamar Nugis beeindruckt hier sowohl mit seinem angenehm warmen, tiefen Timbre als auch mit technisch perfekt ausgeführten Kopfstimmen-Parts.

Das folgende ‚Slaves of Lies‘ trifft in der Schnittmenge zwischen Myrath und Circus Maximus ziemlich genau ins Schwarze. Das ist seine Stärke, sonst wäre es vielleicht in Nightwish-mäßigem Bombast und den dazugehörigen Nullachtfünfzehn-Riffs abgesoffen wie das besagte schwache Eröffnungsstück ‚The Game‘. Über den Pop-Song ‚Rise Up to Fly‘ (A-ha lassen grüßen), der aber nicht minder stark ist, und das astreine Fusion-Instrumental ‚On the Way‘ (Hallo Toto!), geht es zum zweigeteilten Herz- und Titelstück des Albums: ‚Reflections: Inner Battle/Silent Friend‘.

Hier werden zunächst alle symphonischen Register gezogen und das Tartu University Symphony Orchestra sorgt für den nötigen vollen Orchesterklang, bevor Sänger Tamar Nugis den Song in bester Dream-Theater-Manier (zu seligen „Score“-Zeiten) von Neuem aufbauen kann. Der zweite Teil geht sogar noch einen Schritt weiter und bietet sowohl einen ungewöhnlichen Spannungsbogen als auch Melodien zum Niederknien. Zum Ausklang gibt es mit ‚Esivanemate Pärand‘ noch einen lupenreinen Soundtrack-Song auf estnisch, der für einen epischen Blockbuster gemacht zu sein scheint.

Wie bei fast allen symphonischen Metal-Bands, bei denen X-Panda spätestens jetzt einzuordnen sind, ist es zu jeder Zeit offensichtlich, dass hier der Keyboarder das Zepter in der Hand hält. So zeichnet auch bei X-Panda Keyboarder Kaarel Tamra für den Großteil der Kompositionen verantworlich. Für Prog-Metal-Liebhaber kommen dabei oft interessante Riffs und Rhythmus-Gitarren zu kurz – so auch hier auf „Reflections“. Allerdings sind die Gesangsmelodien, gelegentliche Gitarren-Leads und vor allem die Orchester-Arrangements so unglaublich stark, dass die gelegentlich eintönigen Riffs kaum ins Gewicht fallen.

Alles in allem ist X-Panda ein beeindruckendes Zweitwerk gelungen, das sowohl Fans von symphonischem Metal als auch Prog-Metal-Aficionados und aufgeschlossene Fusionheads ansprechen sollte.
Bewertung: 13/15 Punkten (DA 13, KR 11)

X-Panda (Foto: Band)

Surftipps zu X-Panda:
Homepage
Facebook
Twitter
YouTube
Instagram
Spotify
Deezer
Wikipedia

 

 

Print Friendly, PDF & Email
Teilen.

Über den Autor

Antworten

X-Panda – Reflections

von Dario Albrecht Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
0