Tedeschi Trucks Band – Live – From The Fox Oakland

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(58:10+63:14, 2CD+DVD, Concord/Fantasy/Universal, 2017)
Prog-only-Fanatiker mit Lupe/Weberglas, babyblauer Bestimmungsbibel und Botanisiertrommel hier bitte in weitem Bogen weglesen. Den Verbleibenden muss wieder einmal eine Veröffentlichung der Tedeschi Trucks Band ans Herz gelegt werden. Der Nachfolger zum 2016er-Prachtwerk Let Me Get By (2016) bringt dieses nun sozusagen auf die Bühne.

Es gibt zwar schon einige und vorzügliche Live-Konserven von sowohl Derek Trucks‚ Band wie auch von der Band seiner Frau und zuguterletzt auch von dem zum Zeitpunkt dieser Aufnahmen zwölfköpfigen Misch-Ensemble. Doch das bei an nur einem Konzertabend im September letzten Jahres mitgeschnittene aktuelle Album stellt ihren ersten Konzertfilm bereit. Und der ist wirklich betrachtenswert.

Das atmosphärische ehemalige Kino Fox bietet den passenden Hintergrund für den sich mehr wie eine intensive Club-Show als ein klassisches Rockkonzert anfühlenden Abend. Zu den Highlights der Setlist gehört die Derek And The Dominos-Nummer ‚Keep On Growing‘, bei dem Slide-Hexer Derek zeigt was geht und die zwei TTB-Schlagzeuger den so magisch wie unaufhaltsam wirkenden Fluss ihres Doppelspiels perfektionieren.

Den Anfang aber macht ‚Don’t Know What It Means‘ mit einem coolen Wah-Wah-Solo von Susan und diversen Ausflügen in den Jazzrock seitens der Horn Section. ‚Bird On A Wire‘ verneigte sich noch vor dessen Tod am 7.11.16 vor Leonard Cohen.

‚I Want More‘ wurde effektvoll mit ‚Soul Sacrifice‘ (Santana) verbrämt und ‚Crying Over You‘ erinnert daran, dass der ansonsten Backing Vocals beisteuernde Mike Mattison, Sänger der Derek Trucks Band, ein ganz ausgezeichneter Solosänger mit viel Soul ist.

Für den Höhepunkt des Albums, ‚These Walls‘, kommt der Sarod-Virtuose Alam Khan auf die Bühne und verwandelt eine Bluesrock-Nummer in ein doch wieder progressiv und nach einem Jam von The Tea Party mit den Doors über ‚The End‘ klingendes Kleinod. Überhaupt werden hier Genregrenzen elegant weggeküsst, statt beachtet: Die freie Liebe zwischen Rock, (Rhythm’n) Blues, Soul, Jazz und Raga schenkt wunderschönen Kindern das Leben.

‚I Pity The Fool‘ von Bobby Bland ist eine dieser Coverversionen, die bei der TTB völlig anders und doch ganz im Sinne des Originals klingen.

‚You Ain’t Going Knowhere‘ (Bob Dylan) schließlich wird durch einen Gastauftritt von Chris Robinson (Black Crowes) veredelt. Zwischendurch hören wir Stücke, die gar nicht auf dem Albumcover stehen (z.B. ‚Colour Of The Blues‘ von George Jones), lernen Dereks Dad Chris Trucks kennen, u.a. wie er den Merch-Tisch der Band bemannt, und erleben natürlich Ausschnitte aus informativen bis lustigen Interviews. Regie führten Jesse Lauter („Bob Dylan In The 80s“) und Grant James (u.a. Videos für Father John Misty).

PS für diejenigen, die strikte Vinyldiät halten müssen: Das Schätzchen ist auch als Triple-LP erhältlich.
Bewertung: 11/15 Punkten

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Konzertbericht: Gregg Allman Band, Tedeschi Trucks Band, 11.07.2011, Bonn, Museumsplatz
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Über den Autor

Klaus Reckert

"everything happy, and progressive, and occupied" K. Grahame, The Wind In The Willows

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von Klaus Reckert Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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