TumbleTown – Never Too Late

(55:55, CD, Freya/Dutch Music Works, 2018)
Die Niederlande haben scheinbar ein unerschöpfliches Reservoir an progressiven Bands. Vor allem Neo-Prog-Freunde werden in unserem Nachbarland bestens bedient. Verwunderlich ist das allerdings nicht, da auch die Niederländer über eine lange Tradition hervorragender und vor allem international erfolgreicher Bands wie Kayak, Focus, Earth & Fire usw. verfügen. So ist es absolut nachvollziehbar, dass immer wieder neue Formationen diverser Stile die Erfolgsleiter hinauf klettern wollen. Einer dieser Vertreter ist die in der Öffentlichkeit bislang noch weniger aufgefallene Gruppe TumbleTown.
Ganz ohne musikalische Vorbelastung sind die Musiker allerdings nicht. So sammelten die Komponisten Han Uil (Vocals, Guitars) sowie Aldo Adema (Guitars, Bass) u.a. bei Seven Day Hunt entsprechende Erfahrungen, der letztere war zudem auch bei der Traditionsband Egdon Heath aktiv. Keyboarder Erik Laan bedient u.a. die Tasten von Silhouette und sorgt für die richtigen Klangteppiche. Schlagzeuger Arjan Laan rundet das Ensemble ab.

TumbleTown veröffentlicht fünf Jahre nach ihrem Debütalbum „Done With The Coldness“ nun mit „Never Too Late“ einen weiteren Neo-Prog-Silberling. Obwohl Genre-bedingt weitestgehend melodiös und eingängig, kann man den Musikern nicht den Vorwurf entgegnen, dass sie sich in Eintönigkeit und Langeweile verlieren, was leider zu oft den Neo-Prog charakterisiert. So schöpft TumbleTown erfreulicherweise sämtliche Register dieser Musikrichtung aus. Mal klassisch, symphonisch á la Kayak, dann wiederum eine Prise härter und dynamischer. Selbstverständlich wird auch hier nicht auf die obligatorischen Gitarrenparts und Keyboardteppiche verzichtet. Atmosphärisch darf es dann schon mal auf ‚Do As They Do‘ werden. Balladen wie ‚Aviation‘ sind das i-Tüpfelchen eines abwechslungsreichen Albums. Der einzige Longtrack ‚Transatlantic‘ bringt alles mit, was man von einem Song dieser Machart erwarten kann: Samples, Tempowechsel, Akustisches – einfach proggig. Der Wechsel von rockigen zu balladenartigen Passagen unter Ausnutzung der breitgefächerten Palette an Stilelementen bestimmt die gesamte Veröffentlichung und lässt keinen Freiraum für große Monotonie.

Deutlich hörbar beherrschen die Niederländer ihr Geschäft und gestalten die einzelnen Songs ansprechend kreativ und variantenreich. Einzig der Gesang wirkt an manchen Stellen ein wenig zu gewollt und gefühlt etwas zu theatralisch. Doch das ist sowieso ein ewig währender, ja fast akademischer Streit, da sollte sich jeder sein eigenes Bild machen.

Wie bei vielen Bands dieser Stilrichtung darf man nichts gänzlich Neues erwarten, so auch nicht von den Niederländern. Musikalisch bietet TumbleTown dennoch einen guten und ausgewogenen Mix aus progressivem sowie mainstreamigem Rock. Das ist auch nicht verwunderlich, da der Einfluss eine breite Skala von den Beatles über Neil Young, den Spock´s Beard bis hin zu Pink Floyd umfasst, um nur eine kleine Auswahl der Vorbilder zu nennen.
Bewertung: 8/15 Punkten

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