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Saturndust – RLC

(47:40, Coloured Vinyl/Digital, Nécio Records, 2017/2020)
Sucht man auf der Plattform YouTube nach dem zweiten Album der Band Saturndust „RLC“, erscheint als erster Vorschlag ein vollständiger Stream des Kanals Underrated Albums. Auch erfährt man hier, dass die digitale Veröffentlichung des Werkes bereits im April 2017 stattfand. Drei Jahre später darf das Trio aus São Paulo nun auch endlich ein physisches Release feiern, denn ab dem 10. Mai 2020 kann „RLC“ auf Vinyl über das peruanische Label Nécio Records bezogen werden.

Der musikalische Stil von Saturndust ist vor allem eines: experimentell. Die Band besteht aus Felipe Dalam (Gitarre, Gesang, Synthesizer), Guilherme Cabral (Bass) und Douglas Oliveira (Schlagzeug). Mit seinen brachialen Soundlandschaften erkundet das Trio ferne Sphären, schwarze Löcher und Winkel des Universums, an die sich noch kein Leben getraut hat.

Saturndust experimentieren mit Klängen und Disharmonien, deren Fundament irgendwo in Psychedelic Rock, Doom Metal und Noise verortet werden können. Was dabei herauskommt, ist eine eindrucksvolle und gelegentlich kakophonische Klangwelt, die viel vom Drone Doom der Bands Black Shape of Nexus oder Sunn o))) hat. Das ist wahrlich nichts für samtene Trommelfelle oder schwache Nerven.

Immer mal wieder ertönen in Übergängen auf „RLC“ warme und psychedelische Passagen. Auch schleppender Doom Metal mit abwechselnd anklagend gesungener und tief geschriener Stimme ist keine Seltenheit auf diesem Album. Viel stärker setzen sich aber die kratzenden und flirrenden disharmonischen Glitches und Noise Sounds durch. Saturndust erzeugen somit eine äußerst beklemmende Stimmung. Wer sich düsteren und dornigen Klanglandschaften wie bei This Frilly Ape oder Edwar Ka-Spel & Motion Kapture problemlos anfreunden kann, wird auch an Saturndust Freude haben. Für einen Großteil der Prog Community wird der experimentelle Mix aus Drone Doom, Psychedelic Rock und Noise aber eher abschreckend klingen.

Eindrucksvoll ist Saturndusts „RLC“ allemal und es ist auch nicht anzuzweifeln, dass sich das Trio aus Brasilien mit viel Ernst und Bedacht an das Songwriting gesetzt hat. Wer leichte und bekömmliche Kost sucht, wird jedoch in weitem Bogen an den schwarzen Löchern dieses Albums herum steuern. Wer sich in der Nische Drone Doom wohlfühlt, sollte hingegen viel Freude mit „RLC“ haben.
Bewertung: 8/15 Punkte (RG 8, KR 10)

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