Inventions – Logica

(54:14, CD, Download, FREIA Music, 2019)
Christiaan Bruin, da war doch was? Richtig, nicht nur bekannt als Drummer der Rotterdamer Progressive Rock-Band Sky Architect ist der Niederländer parallel dazu auch auf Solopfaden ein vielbeschäftigter und kreativer Kopf. So dürften den Kennern der Szene die unterschiedlichsten Aktivitäten des Musikers nicht gänzlich verborgen geblieben sein, so auch das bereits auf Betreuten Proggen vorgestellte Mayra Orchestra und nicht zuletzt Nine Stones Close. Projekte wie The Black Codex, Chris und zuletzt Inventions lassen seit geraumer Zeit ebenfalls aufhorchen.

„Logica“ ist nach „Meta“ (2017) und „Curiosity“ (2018) bereits die dritte Veröffentlichung unter dem Projektnamen Inventions. Die Erstlingswerke sind dem Rezensenten zwar nicht bekannt, doch auch diese bekamen bereits bei den Kritikern gute Beurteilungen. Für seine aktuelle Veröffentlichung holt sich der Multiinstrumentalist Christiaan Bruin tatkräftige Unterstützung.

So gibt sich der renommierte Flötist und Saxophonist Theo Travis die Ehre. Der Brite sammelte in der Vergangenheit eine Menge Erfahrung im Bereich des Jazz, Fusion, Experimentellen- und Progressive Rocks sowie des Ambients. So verwundert auch nicht die Vielzahl seiner musikalischen Gastauftritte z.B. bei Steven Wilson, Robert Fripp, Jade Warrior, Gong, Porcupine Tree, The Tangent, Bass Communion, David Sylvian sowie David und Richard Sindclair, um nur wenige zu nennen. Die Liaison zwischen Bruin und Travis verspricht daher interessante aber nicht ganz leicht verdauliche Kost. Wenn man den Stilmix beschreiben möchte, so bewegen sich Bruin und Travis im Grenzbereich zwischen Ambient, Neoklassik und Progressive Rock. Wobei das zuletzt genannte Genre nicht im Vordergrund steht.

Ein schnell zu erfassender, durchgehender roter Faden, wie oft bei einem typischen Progressive Rock-Album ist daher auf den ersten Hördurchgang nur schwer erkennbar. Das Werk besitzt eher Soundtrack-Charakter getragen durch unterschiedliche Bilder und Stimmungen. Dieser Eindruck wird durch die, zwischen einigen Titel eingefügten, gesprochenen Worte des Erzählers Andy Rowe noch verstärkt. Thematisch beschäftigt sich Bruin mit der Mathematik, der Logik, den Strukturen unseres Denkens, sowie den fundamentalen Gesetzen der Natur. So komplex die Themen auch sind, die Musik hingegen wirkt in Teilen eher minimalistisch überschaubar. Wie der größte Teil des Albums, so besticht auch der für namensgebende fünfzehnminütige Longtrack ‘Logica’ durch seine ruhige, symphonische und wie angedeutet teils minimalistische Ausprägung. Diese wird einzig durch den doch etwas gewöhnungsbedürftigen Gesang Bruins und die Worte des Erzählers unterbrochen. Die Einsätze von Travis sind angenehm eingebunden und bieten den ein oder anderen Moment der Abwechslung. Über die gesamten 54 Minuten macht das Album einen überwiegend melodisch, entspannten Eindruck, wobei es in Ansätzen auch einmal an den guten alten Mike Oldfield-Sound erinnert. Diese Art von Programmmusik, wie sie z.B. auch durch den Italiener Claudio Simonetti seit vielen Jahren mit seinen Projekten Goblin und New Goblin erlebbar gemacht wird, übt zweifelsfrei einen besonderen Reiz aus. Das trifft sicherlich auch auf das vorliegende Werk des Niederländers zu.

Fazit: Auch wenn „Logica“ nicht zu den typisch durchgängigen Progalben zählt, ist Christiaan Bruin ein Werk mit Quantität und fühl- und hörbarer Qualität gelungen. Vor weiteren positiven Überraschungen wird man bei diesem kreativen Komponisten und Musiker auch in Zukunft nicht sicher sein.
Bewertung: 10/15 Punkten (KR 10, HR 10)

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