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Grobschnitt – Fantasten (Black & White Vinyl-Serie, Reissue)

(39:17/42:42, 2LP, Brain/Universal, 1987/2019)
Im Jahr 1987 endet in der Geschichte von Grobschnitt das Kapitel „Studioalben“. „Fantasten“ erschien damals als einziges Album der Band auf dem Label „Teldec“. Die neue Plattenfirma wollte man wohl mit einem verstärkten Schwenk in Richtung Pop beeindrucken. Aus den auf den Einlegern abgedruckten Zeitungsartikeln erfährt man, dass die Band tatsächlich auf die Charts schielte. Die Fangemeinde überzeugte das Album letztlich jedoch nicht. So gilt „Fantasten“ weithin als das ungeliebte letzte Album, das auch schnell auf diversen Wühltischen verramscht wurde. Dass es nun im Rahmen der „Black & White“-Serie noch einmal wiederveröffentlicht wird, könnte man fast unter Chronistenpflicht verbuchen.

Tatsächlich ist „Fantasten“ mitunter ein zweifelhaftes Vergnügen auf dem Plattenteller. Für die Tastensounds von der Käsetheke muss man schon eine Schwäche haben. Die Texte scheinen zu belegen , dass Grobschnitt lange, lange vor Hartmut Engler und Pur im „Abenteuerland“ gewesen sein müssen. „Komm mit, komm mit den groben Schnitten ins Fantasialand…“

Die gute Nachricht ist, dass man nach der ersten Seite das Schlimmste überstanden hat. Der „Long-Track“ ‚Film im Kopf‘ hat sogar einen leichten Neo-Prog-Einschlag. Da und dort denkt man an It Bites oder Pallas zu „The Wedge“ Zeiten. Irgendwo im Hintergrund hört meine Wenigkeit auch immer mal ein Tönchen Saga. Zur Hochzeit der Band wäre aus dem Material der zweiten Seite vermutlich mehr geworden. Mit einem Text wie „Komm Und Tanz“ hätte man sich ein paar Jahre früher sicher auch nicht entblößt.

Die weiße Bonus-LP enthält, man glaubt es kaum, eine weitere Version von „Sonnentanz/Solar-Music“. Wie schon auf „Kinder + Narren“ zeigt dieser Umstand den stilistischen Spagat, den man den Fans abverlangte. Die remasterte CD-Version von 2015 enthält dagegen völlig andere Bo-Nüsse. Dort werden diverse Alternative-Versionen der Album-Titel und weitere Live-Titel geboten.  Ein Schelm, der denkt, dass man das Gesamtpaket mit der erneuten „Sonnen-Umrundung“ aufwerten wollte. Die einzige vorhandene Live-Version im Album-Kontext von ‚Komm Und Tanz‘ inklusive des instrumentalen ‚Mauerblumen‘ klingt trotz der Engler-Lyrik auf der Bühne etwas mehr nach Grobschnitt. Unter den abgedruckten Texten findet sich dann noch der Titel ‚Nie wieder Monotonie‘, der allerdings weder auf der schwarzen noch auf der weißen Scheibe zu finden ist. Gut, den Titel verbuchen wir als „Bonus-Text“.

„Fantasten“ ist nicht gerade ein Aushängeschild als letztes Studioalbum der Band. Die Aufwertung durch die Bonus-LP wird aus bereits genannten Gründen auch nur die allertreuesten Fans überzeugen. Der Wunsch, in die Charts zu kommen, wurde wohl auch nicht wahr. Aber da befinden sich die Grobschnittler in durchaus guter Gesellschaft.
Bewertung 7/15 Punkten

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Interview: Lupo und Eroc zu „Solar Movie“ (2016)
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