Nytt Land - Ritual Of Stone Sun

Dark Shamanic Folk
(46:52; Vinyl, CD, Digital; Season Of Mist; 18.09.2026)
Bei Wardruna oder Heilung bleibt trotz aller Ritualästhetik immer noch das Gefühl, einer Band zuzuhören. Nytt Land treiben das Ganze deutlich weiter: Hier fühlt es sich über weite Strecken tatsächlich so an, als wäre man mitten in einem sibirischen Stammesritual gelandet und hätte nur vergessen, vorher zu fragen, worum es eigentlich geht. Kehlkopfgesang, Trommeln, Talharpa und Flöten erzeugen zusammen mit den stoisch wiederkehrenden Rhythmen eine Atmosphäre, die weniger nach Konzert als nach Beschwörung klingt.
Das ist durchaus faszinierend. Und ziemlich sperrig. Denn genau da liegt mein Problem mit „Ritual Of Stone Sun“: Rein akustisch ist mir das auf Dauer schlicht zu wenig, um die Aufmerksamkeit zuverlässig bei der Stange zu halten. Die Musik arbeitet stark mit Wiederholung, Atmosphäre und ritueller Konzentration, wodurch die einzelnen Stücke irgendwann beginnen, ineinanderzufließen. Was den einen hypnotisiert, lässt den anderen schon mal gedanklich nach dem Ausgang suchen. Bei mir ist es eher Letzteres.
Dabei besitzt Nytt Land zweifellos eine magische Ausstrahlung. Besonders deutlich wird das bei ‚Ragnarök‘, das als Livevideo mit der visuellen Inszenierung plötzlich wesentlich besser funktioniert.
Und genau hier scheint der Haken zu liegen: Diese Musik braucht offenbar Bilder, Bewegung, Kostüme, Körper und Raum. Auf der Bühne dürfte aus dem Ritual eine Erfahrung werden. Auf der heimischen Anlage bleibt davon leider ziemlich viel auf der Strecke.
„Ritual Of Stone Sun“ ist deshalb ein Livealbum, das bei mir vor allem den Wunsch hinterlässt, Nytt Land tatsächlich einmal live zu erleben. Denn musikalisch bleibt das Ganze für mich zu eindimensional und zu wenig zugänglich, um über fast 47 Minuten dauerhaft zu fesseln. Die magische Faszination ist trotzdem da – sie sitzt nur offenbar nicht auf der CD, sondern irgendwo vor der Bühne.
Bewertung: 8/15 Punkten

Besetzung:
• Natalia Pakhalenko – Gesang, Kehlkopfgesang, Trommeln, Flöten
• Anatoly Pakhalenko – Kehlkopfgesang, Talharpa, Flöten, Percussion
Gastmusiker:
• Aleksandr Rosliakov – Schlagzeug
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Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Season Of Mist zur Verfügung gestellt.