Maunah - Hjarta
Post Doom • Progressive Epic Metal
(41:20; Vinyl, CD, Digital; Prophecy Productions; 18.09.2026)
Was für ein Granit von einem Album! Mit Sänger Søren Sol Koldsen–Zederkof (auch bekannt durch die Nordic Folk Band Krauka) und weiteren erfahrenen Members aus Bands wie Ironguard und Encyrcle hat sich unter der Flagge von Maunah ein schweres Manifest nordischer Leidenschaft formiert.
Maunah steht für den Klang der Verzweiflung und des weiten Himmels, die Kraft der Jahreszeiten, die Echos aus alten Zeiten, performt durch eine Stimme, die keine traditionelle Sprache verwendet, sondern durch lautmalerische Klang-Phrasierungen ganz spezielle emotionale Kammern in eine verloren geglaubte Vergangenheit öffnet.
Ich durfte die Dänen die Tage live erleben und ja, der Funke sprang innerhalb von Sekunden über. Urwüchsig, schwermütig, kämpferisch, leidenschaftlich, positiv wehmütig finden sich zwar Referenz-Punkte von wichtigen nordischen Bands wie Iotunn, In The Woods, Sólstafir und Primordial im urwüchsig-eigenständigen Ansatz von Sound und Atmosphäre wieder, nur um sich dann zu einer ganz eigenwilligen, nordischen, fast rituellen Doom-Variante aufzutun, die spielerisch von der pathetischen Präsenz des Sängers getragen wird. Tiefe, unwirtliche Schluchten, nordisch weite Ebenen und massive Bergwelten öffnen sich dem Hörer hoffentlich von ganz alleine.
Meist getragen, mit vielen mächtigen Schichten und Dynamiken versehen, treiben sich die Musiker in ganz eigenen Welten herum, setzen auf theatralische Chöre, schaffen dichte, doomig-schwere Gräben und Klippen, werden auch mal sanft und still, geben der fragilen Melancholie Raum zum Verweilen. Ich muss an die wunderbare Entdeckung mit den Walisern Haast von „Dreams Of Home“ denken, wo sich diese schwere hymnische Eleganz mit ähnlichen modernen Post-Doom-Phrasierungen an Orten wiederfindet, die Vergleiche kaum möglich machen. Es ist eher dieses außerweltliche, in die weite Natur blickende Sound-Gefühl, welches beide Projekte eint. Dieses unkonventionelle Verschmelzen von Nische, Doom und so wahnsinnig viel Gefühl.
Ähnlich der Leidenschaft vieler nordischer Metal-Kapellen verschwimmen hier unmerklich irgendwelche Genre-/Stilgrenzen – der emotionale Habitus, das fantasievolle, erhabene Gefühl im Gesang, den sich aufbäumend-majestätischen Rhythmen und Riffs hebt die Band spielerisch von irgendwelchen Klischees ab. Die immer wieder ruhigen Sehnsuchts-Parts, der sehr gezielte Einsatz einer Oberton-Flöte sind schon herausragende ästhetische Mittel, um dieser Platte einen besonderen Platz im Herzen zu gewähren.
Die Dänen brauchten dank positivem Charisma, offenkundiger Energie nicht viel Anlauf, um die Menge live für sich zu gewinnen. Der Sänger hat dieses Quäntchen Aura in seiner Stimme, seiner Ausstrahlung und auch „Hjarta“ (was im Deutschen für Herz steht) berührt mit archaischer Kraft, mit Liebe zur Musik, mit Weite und dem Gefühl für modernen, atmosphärischen Metal-Sound, der die Balance aus sanftem und aufbegehrendem Wall of Sound in jeder Sekunde zu bedienen weiß. Nach einer ersten EP sind die Dänen von Maunah mit diesem fast rituellen, stets positiv majestätischen Album ein weiterer hell leuchtender Stern am nordischen Firmament.
Bewertung: 14/15 Punkten
Besetzung:
• Søren Sol Koldsen-Zederkof – Lead- & Backing Vocals, Obertonflöte
• Mads Medom Papsø Laursen – Leadgitarre
• Janus Holst Aaen – Gitarre, Backing-Vocals
• Jakob Kiilerich – Bass
• Tim Sejr Wettendorff Larsen – Schlagzeug
Surftipps:
• Bandcamp
• Rezensionen, Liveberichte & Interviews
Alle Abbildungen wurden uns freundlicherweise von Prophecy Productions zur Verfügung gestellt.
