The Watch, 27.02.26, Bonn, Harmonie
Nachtwache mit Déjà-vu-Effekt
Live-Fotos: Harald Oppitz 
Better late than never. Also, schon um den Stapel ungeschriebener Konzertberichte nicht noch höher werden zu lassen, herzhaft ganz nach unten gegriffen. Ein schöner Konzertabend war das. Aber so richtig viel Neues muss und kann man da darüber eigentlich nicht verbreiten. Denn die Parallelen zum nämlichen Erlebnis anderthalb Jahre zuvor waren doch beträchtlich.

Doch das waren sie nicht unerwartet. Und auch nicht unwillkommenerweise. Abweichungen gab es also noch am ehesten bei der Setlist. 2024 war es zu etwa gleichen Teilen um „Foxtrot“ (vor) und „Selling England by the Pound“ (nach der Intermission) sowie um ‚The Knife‘ von „Trespass“ als würdige Zugabe gegangen.

Heuer stand der Abend unter dem Motto „Tales from 1970-1976“ und war wie folgt strukturiert:

Das so atmosphärisch-zart beginnende, aber sich schnell steigernde ‚White Mountain‘ lieferte einen exzellenten Einstieg. Mit herausragendem Gesang, Querflötenparts, Orgelfanfaren und dem ikonischen Bass-Pedal-Part sind hier schon viele der Markenzeichen sowohl der frühen Genesis wie auch ihrer wohl kompetentesten heutigen Interpreten am Start.

Das fetzige ‚The Knife‘ fungiert immer noch als so etwas wie Proto-Prog-Metal. ‚The Musical Box‘ wurde von Sänger/Flötist Simone Rossetti inhaltlich mit der „Decapiation Story“ eingeleitet, ganz schön gruselig, wenn man die zum ersten Mal hört und mit der Musik in Verbindung bringt („Die neunjährige Cynthia Jane De Blaise-William hat – lächelnd und graziös – dem achtjährigen Henry beim Croquetspiel (versehentlich?) den Kopf abgeschlagen. (Diese grausige Szene inspirierte das blutige Plattencover.) Später dann entdeckt Cynthia die Spieluhr (englisch: „musical box“) des toten Henry. Als sie sie in Gang setzt, erklingt die Melodie zu „Old King Cole“, einem englischen Kinderreim, und aus einem Geister-Zwischenreich erscheint daraufhin der tote Henry. Und was der zu sagen hat, das singt Peter Gabriel im Song…“ Quelle: Fidelity)…

Das erhaben-schöne ‚Firth of Fifth‘ markierte einen weiteren Höhepunkt des Abends, hier wurden nicht nur die Gitarren erstmals auch richtig (schön) laut. Doch es folgte mit ‚Carpet Crawlers‘ ja Entspannung mit dem Schunkelhit dieser Genesis-Phase. Auch ‚I Know What I Like (In Your Wardrobe)‘ klingt in seiner melodieseligen Zugänglichkeit und dem mitsingbaren Refrain heute wie ein Vorgriff auf den später so erfolgreichen ProgPop.

Nach ‚In The Cage/The Cinema Show‘ wurden die Besucher der für The Watch wieder einmal ausverkauften Harmonie in eine kurze Stärkungspause entlassen.

Nach der ging es mit ‚Dance On A Volcano‘ dramatisch weiter. Gefolgt von der spannenden und cineastischen Schlusssequenz von ‚…In That Quiet Earth / All in a Mouse’s Night‘. Eine zarte Fassung von ‚One For The Vine‘ später war es schon Zeit für ‚Los Endos‘, natürlich inklusive eines beeindruckenden Schlagzeugsolos.

Wirklich schon „Endos“? Keineswegs. Es blieb noch Zeit für das epische Meisterwerk ‚Supper’s Ready‘. Erst dann hatten The Watch und ihr rundum begeistertes Publikum fertig.

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