Green Desert Tree - Fighting Dragons

Neo Prog • Symphonic Rock
(45:20; CD, digital, Vinyl; Signal Source Music; 24.04.2026)
Progressive Rock aus Berlin gefällig? Aber klar doch, da fallen sofort smalltape ein oder auch Dawnation. Doch da ist natürlich noch mehr. Es ist bereits einige Jahre her, als das Debütalbum der deutschen Formation Green Desert Tree an dieser Stelle vorgestellt wurde und einige Erwartungen für die Zukunft gesetzt wurden. Auch sie agieren auf hohem Level und wussten mit ihrem Debüt zu überzeugen. Doch danach passierte zwar einiges, aber nicht das erhoffte zweite Album.

Glücklicherweise löste sich die Band nicht auf, aber es kam zu einigen Wechseln in der Besetzung. Auf „Fighting Dragons“ sind Keyboarder Tim Sund, der zwischenzeitlich unter dem Namen Tim Sund Electrified ein eher jazziges Album veröffentlichte, und Gitarrist Simon Rainer die einzig verbliebenen Urmitglieder. Das bedeutete auch, dass die Position am Micro neu besetzt wurde, und mit Sascha Giebel, der dazu auch Gitarren und Tasten bedient, wurde ein durchaus würdiger Nachfolger gefunden.

Sie starten – wie es sich gehört – mit einer ‚Overture‘ ins Album, und mit diesem sechs-minütigen Instrumentaltrack haben sie sofort die volle Aufmerksamkeit des Rezensenten. Diese Mischung aus Symphonic Prog und Neo Prog mit den genretypischen Keyboardläufen wissen gleich zu gefallen und gehen gut ins Ohr. Ein fröhlich-lustiges Tastenspiel leitet ‚The Storyteller‘ ein, die Gitarre übernimmt das Thema, angenehmer Gesang und einprägsame Melodielinien sorgen für Wiedererkennungswert, wobei sie dabei auch leicht in Richtung Canterbury driften.

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‚Talk To Me‘ ist ebenfalls sehr eingängig und setzt sich schnell in den Gehörgängen fest, hat fast schon etwas Pop-Rock Charakter, wenn da nicht die detailreichen Instrumentalpassagen wären, Kirchenorgelsounds inbegriffen. Es folgt der Titelsong, mit 11 ½ Minuten Spielzeit der längste Track des Albums. Und auch hier wird die Stärke von Green Desert Tree deutlich: das sehr abwechslungsreiche und farbenfrohe Tastenspiel von Tim Sund, dem viele feine, dezente Gitarrenparts hinzugefügt werden. Die Hochschulwiedervereinigung ist eher rockig ausgefallen, während das abschließende ‚The Broken Crowd‘ wieder eher im Symphonic Prog Bereich angesiedelt ist.

Das Album wurde von Sund und Giebel produziert, für das Mastering war Grobschnitt-Legende Eroc verantwortlich.

Auf der einen Seite sind manche Melodielinien sehr eingängig, andererseits sind allerdings diverse Durchläufe nötig, um die vielen kleinen, sehr geschickten Details zu entdecken, und selbst leicht frickelige Parts stören das Gesamtbild kein bisschen. Das macht das Album zu einem aktuellen Highlight in der deutschen Progszene. Das lange Warten hat sich gelohnt! Tendenz zu 12 Punkten.
Bewertung: 11/15 Punkten


Tracklist:

  1. Overture (05:54)
  2. The Storyteller (06:29)
  3. Talk To Me (07:57)
  4. Fighting Dragons (11:35)
  5. High School Reunion (05:56)
  6. The Broken Crown (07:09)

Besetzung:
Sascha Giebel – lead vocals / guitars / bass
Simon Rainer – lead guitar / electric and acoustic guitars
Tim Sund – keyboards / backing vocals
Francesco Beccaro – electric bass
Yatziv Caspi – drums

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Abbildungen: Green Desert Tree