Diaspro - Diaspro

Diaspro - Diaspro / Illustrazioni: Patrizia CominoProgressive Rock • Symphonic Prog

(30:17; CD, Digital; Guit-AL Records/Just For Kicks; 14.02.2026/01.05.2026)

„Diaspro“ in der Doppelbetreuung

Teil 1: Jürgen Meurer

Ein neuer Name in der italienischen Prog-Szene – wie oft wurde das in den letzten Jahren an dieser Stelle schon geschrieben?! Es passiert halt sehr viel im Italo-Prog. Von einigen Bands hat man nach dem Debüt leider nichts mehr gehört, das wird hoffentlich für diese Formation nicht gelten.

Das Sextett nennt sich Diaspro (und nicht Diaspora, wie das Unterbewusstsein scheinbar suggeriert) und spielt lupenreinen Italo-Sympho-Prog. Die Band wurde 2017 gegründet, die pandemiebedingte Pause führte zu einem Wechsel im Line-Up. Ihre Musik ist zwar offensichtlich 70er Jahre inspiriert, klingt aber irgendwie gleichzeitig retro wie auch modern. Der kurze Opener ‚Introduzione‘ zeigt gleich mustergültig die Qualitäten der Band. Wunderbare akustische Gitarren und feine Keyboardklänge im Symphonic Sound mit leichten Bach-Anklängen leiten das Album sehr feinfühlig ein.

Es folgt das knapp achtminütige ‚Piccola Stazione‘, bei dem dann auch Sänger Dante Campora erstmals zum Einsatz kommt. Seine Stimme und sein Gesang in Muttersprache passen perfekt zum Italo-Prog der Band, was auch für die – wenn auch seltenen – Geigeneinsätze gilt. Die Gesangslinien dieses Songs prägen sich auch sehr schnell ein, phasenweise hat es fast schon Ohrwurmqualität. Auf der anderen Seite gibt es auch Passagen, die kurz auch mal an Gentle Giant erinnern. Der Titel fällt mit seiner Laufzeit aus dem Rahmen, denn es handelt sich um den mit Abstand längsten Titel, da sonst die Songs oft nur ein bis drei Minuten lang sind, so dass man trotz immerhin elf Songs lediglich auf eine Laufzeit von rund einer halben Stunde kommt.

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Dies ist aber auch das einzige Manko, denn die gebotene Musik ist durchweg hochwertig und ist dem Italo-Sympho-Prog-Fan sicherlich zu empfehlen. Ob jetzt gitarrenlastig und frickelig wie in ‚Verso La Città Grande‘ oder balladesk und pianodominiert wie das feine ‚Salto In Alto‘, Diaspro können in allen Bereichen überzeugen. Außerdem belegen sie mit ihrem Debütwerk eindrucksvoll, dass ein Prog-Album nicht zwangsläufig aus langen Titeln bestehen muss.
Bewertung: 12/15 Punkten


Teil 2: Marc Colling

Alle Tastenfreunde mal herhören. Die Italiener spielen auf den ersten Hör einen Prog in zwar typisch italienischer Machart, aber irgendwie auch nicht. Es mag vielleicht nur an der Sprache liegen, dass man sofort an viele andere Progbands des Stiefels denkt. Doch bereits der erste richtige Track ‚Piccola Stazione‘ dürfte den Tastenfreunden mit seiner Länge von ca. sieben Minuten die Freudentränen in die Augen treiben und jeden Prog-Fan sofort in seinen Bann ziehen. Das ist Prog wie man ihn sich wünscht, aber leider von vielen Bands aus dem Süden noch lange nicht immer bekommt. Abwechslungsreich, aber ohne unnötigen Firlefanz, dazu überzeugender Gesang und eine Band, der man die Spielfreude in jeder Sekunde anhört. Die Tasten wechseln sich perfekt mit der Gitarre ab, die Drums und der Bass legen ein mehr als solides Fundament. Was braucht der Fan mehr?

Ach ja, Kompositionen. Hört in den Track ‚Piano Rialzato‘ rein. Dann versteht jeder Freund von unserer Lieblingsmusik, was ich meine. Und wenn dieser wirklich rundum perfekte Track vorbei ist, geht es nahtlos über in einen fast noch besseren Track mit dem Namen ‚Verso La Tana Di Gelso‘. Das hat Chuzpe. Eine Geige, eine A-Gitarre, jede Menge Variation. Dazu gehört eine Menge Mut oder Kühnheit. Wobei all diese Ungereimtheiten irgendwie nahtlos zusammenpassen, ohne den Hörer zu überfordern. Alles ergibt einen Sinn. Nichts klingt hier konstruiert, es fließt nahtlos jeder Track in den nächsten, ohne dass man das merkt.

Hier wird in nahezu perfekter Machart gezeigt, wie heutzutage moderner Prog klingen kann. Ohne zu viel in die Vergangenheit zu schielen, ohne die Gegenwart zu vernachlässigen. Dieses Album ist einfach eine Ohrenweide mit einem einzigen Nachteil: Nach 30 Minuten ist es vorbei. Aber was solls. Es gibt ja eine Repeattaste.

Absolute Empfehlung an Freunde des gut gemachten und vor allem zeitlosen Progs.
Bewertung: 12/15 Punkten


Besetzung:
Dante Campora – voce
Marcello Chiaraluce – chitarra elettrica / chitarra Acustica solista / chitarra classica
Giovanni Giordano – chitarra acustica / chitarra elettrica / mandolin / chitarra solista slide ed elettrica
Andrea Manuella – pianoforte / organo Hammond / moog / synth / tastiere
Bruce Murhead – basso elettrico / contrabasso
Luca Grosso – batteria

Gastmusiker:
Matteo Ferrario – violino

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Abbildungen: Diaspro/Bandcamp